Pro Wildlife kritisiert Wildtierimporte für deutsche Heimtierhaltung

München, 14. Mai 2012. Anlässlich der internationalen Messe für Heimtierbedarf Interzoo, die vom 17. bis 20. Mai in Nürnberg stattfindet, verweist die Organisation Pro Wildlife auf Tier- und Artenschutzprobleme, die entstehen, weil immer mehr Wildtiere für den Heimtiermarkt gefangen werden. „Der Heimtiermarkt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verlagert: von klassischen Haustieren hin zu exotischen Wildtieren mit speziellen Ansprüchen an Klima, Futter und Platzbedarf“, sagt Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. „Wenn Wildtiere als Heimtiere gehalten werden, schafft das Probleme für das Tier selbst, aber auch für die Bestände in den Herkunftsländern. Auch die hiesige Natur kann Schaden nehmen – nämlich dann, wenn nicht-heimische Tiere ausgesetzt werden oder entwischen und mit heimischen Tierarten um Brutplätze und Nahrung konkurrieren.“ Dies betrifft auch die Aquaristik, die einen Schwerpunkt der diesjährigen Interzoo-Messe darstellt. Viele Fische, die im Zoofachhandel zu Dumpingpreisen verkauft werden, sind Wildfänge aus exotischen Gewässern.

Der Wellensittich hat ausgedient

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der in Deutschland gehaltenen Ziervögel von 6,8 Millionen auf 3,5 Millionen nahezu halbiert – stattdessen werden Reptilien, Amphibien und Wirbellose wie Spinnen oder Skorpione in deutschen Wohn- und Kinderzimmern immer beliebter: „Allein Deutschland importiert jährlich 440.000 bis 850.000 lebende Reptilien und bis zu 380.000 Süßwasser-Zierfische – dazu kommen unzählige Meerwasserfische, Amphibien und Wirbellose, aber auch exotische Säugetiere wie Tanreks oder Flughunde“, berichtet Altherr. Deutschland ist innerhalb der EU der größte Absatzmarkt für lebende Wildtiere. Die Importe verlagern sich auf immer neue Arten. Zu den Verkaufsschlagern gehören Riesenschlangen, Chamäleons und tropische Frösche. Die vom Industrieverband Heimtierbedarf veröffentlichte Zahl von 400.000 Terrarien in Deutschland wird von Halterverbänden inzwischen als viel zu niedrig eingestuft.

Plünderung der Natur: Die Wildnis als billiger Lieferant

Was viele Tierkäufer nicht ahnen: Ein Großteil der Tierimporte nach Deutschland stammt aus der freien Wildbahn – so auch der beliebteste Zierfisch der Deutschen, der Rote Neon, der zum Schleuderpreis in Baumärkten und Gartencentern verkauft wird. “Wer denkt bei Preisen von 50 Cent schon daran, dass die meisten dieser Tiere im Amazonasgebiet eingefangen und nach Deutschland gebracht werden?“ sagt Altherr. „Bei solchen Dumpingpreisen lohnt sich die Nachzucht kaum, die gerade bei dieser Fischart sehr aufwändig und schwierig ist.“ Während der Rote Neon in der Natur noch häufig vorkommt, sind andere Arten durch den Heimtierhandel bereits an den Rand der Ausrottung gedrängt. So wie der Banggai-Kardinalbarsch, der nur vor zwei Inselgruppen Indonesiens vorkommt und dessen Bestand binnen weniger Jahre drastisch zurückgegangen ist. Inzwischen gilt er als stark bedroht, dennoch landen jährlich tausende Banggai-Kardinalbarsche in deutschen Aquarien. Auch Zierfische aus Afrika stehen hierzulande hoch im Kurs: „Das weltgrößte Zoofachgeschäft in Duisburg wirbt in seiner Buntbarsch-Preisliste mit `sehr seltenen Wildfängen´“, berichtet Altherr.

 

„Neue Arten braucht das Land?“

Träger der Interzoo ist der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF), dem etwa ein Drittel der deutschen Zoogeschäfte angeschlossen sind. Während der ZZF Anfang der 1990er Jahre ein Grundsatzprogramm namens „Roter Punkt“ startete, um tierschutzwidrige Fang- und Transportmethoden einzudämmen, forciert er inzwischen wieder Wildfänge. „Seit 2010 präsentiert in der Verbandszeitschrift des ZZF ein Reptilienhändler in der Rubrik Neue Arten braucht das Land Arten für die Terrarienhaltung –  und stellt sogar hoch bedrohte Arten wie den türkisfarbenen Zwerggecko als geeignetes Terrarientier vor“, kritisiert Altherr. Dieser Zwerggecko kommt nur in einem kleinen Waldgebiet in Tansania vor, wird seit 2005 hierzulande massenhaft verkauft und gilt inzwischen als vom Aussterben bedroht. Dennoch ist der Handel mit der farbenprächtigen kleinen Echse uneingeschränkt erlaubt. Pro Wildlife fordert generell ein Importverbot für Wildfänge und eine Beschränkung des Handels mit Wildtieren.

Pro Wildlife kritisiert Wildtierimporte für deutsche Heimtierhaltung

 

München, 14. Mai 2012. Anlässlich der internationalen Messe für Heimtierbedarf Interzoo, die vom 17. bis 20. Mai in Nürnberg stattfindet, verweist die Organisation Pro Wildlife auf Tier- und Artenschutzprobleme, die entstehen, weil immer mehr Wildtiere für den Heimtiermarkt gefangen werden. „Der Heimtiermarkt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verlagert: von klassischen Haustieren hin zu exotischen Wildtieren mit speziellen Ansprüchen an Klima, Futter und Platzbedarf“, sagt Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. „Wenn Wildtiere als Heimtiere gehalten werden, schafft das Probleme für das Tier selbst, aber auch für die Bestände in den Herkunftsländern. Auch die hiesige Natur kann Schaden nehmen – nämlich dann, wenn nicht-heimische Tiere ausgesetzt werden oder entwischen und mit heimischen Tierarten um Brutplätze und Nahrung konkurrieren.“ Dies betrifft auch die Aquaristik, die einen Schwerpunkt der diesjährigen Interzoo-Messe darstellt. Viele Fische, die im Zoofachhandel zu Dumpingpreisen verkauft werden, sind Wildfänge aus exotischen Gewässern.

 

Der Wellensittich hat ausgedient

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der in Deutschland gehaltenen Ziervögel von 6,8 Millionen auf 3,5 Millionen nahezu halbiert – stattdessen werden Reptilien, Amphibien und Wirbellose wie Spinnen oder Skorpione in deutschen Wohn- und Kinderzimmern immer beliebter: „Allein Deutschland importiert jährlich 440.000 bis 850.000 lebende Reptilien und bis zu 380.000 Süßwasser-Zierfische – dazu kommen unzählige Meerwasserfische, Amphibien und Wirbellose, aber auch exotische Säugetiere wie Tanreks oder Flughunde“, berichtet Altherr. Deutschland ist innerhalb der EU der größte Absatzmarkt für lebende Wildtiere. Die Importe verlagern sich auf immer neue Arten. Zu den Verkaufsschlagern gehören Riesenschlangen, Chamäleons und tropische Frösche. Die vom Industrieverband Heimtierbedarf veröffentlichte Zahl von 400.000 Terrarien in Deutschland wird von Halterverbänden inzwischen als viel zu niedrig eingestuft.

 

Plünderung der Natur: Die Wildnis als billiger Lieferant

Was viele Tierkäufer nicht ahnen: Ein Großteil der Tierimporte nach Deutschland stammt aus der freien Wildbahn – so auch der beliebteste Zierfisch der Deutschen, der Rote Neon, der zum Schleuderpreis in Baumärkten und Gartencentern verkauft wird. “Wer denkt bei Preisen von 50 Cent schon daran, dass die meisten dieser Tiere im Amazonasgebiet eingefangen und nach Deutschland gebracht werden?“ sagt Altherr. „Bei solchen Dumpingpreisen lohnt sich die Nachzucht kaum, die gerade bei dieser Fischart sehr aufwändig und schwierig ist.“ Während der Rote Neon in der Natur noch häufig vorkommt, sind andere Arten durch den Heimtierhandel bereits an den Rand der Ausrottung gedrängt. So wie der Banggai-Kardinalbarsch, der nur vor zwei Inselgruppen Indonesiens vorkommt und dessen Bestand binnen weniger Jahre drastisch zurückgegangen ist. Inzwischen gilt er als stark bedroht, dennoch landen jährlich tausende Banggai-Kardinalbarsche in deutschen Aquarien. Auch Zierfische aus Afrika stehen hierzulande hoch im Kurs: „Das weltgrößte Zoofachgeschäft in Duisburg wirbt in seiner Buntbarsch-Preisliste mit `sehr seltenen Wildfängen´“, berichtet Altherr.

 

„Neue Arten braucht das Land?“

Träger der Interzoo ist der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF), dem etwa ein Drittel der deutschen Zoogeschäfte angeschlossen sind. Während der ZZF Anfang der 1990er Jahre ein Grundsatzprogramm namens „Roter Punkt“ startete, um tierschutzwidrige Fang- und Transportmethoden einzudämmen, forciert er inzwischen wieder Wildfänge. „Seit 2010 präsentiert in der Verbandszeitschrift des ZZF ein Reptilienhändler in der Rubrik Neue Arten braucht das Land Arten für die Terrarienhaltung –  und stellt sogar hoch bedrohte Arten wie den türkisfarbenen Zwerggecko als geeignetes Terrarientier vor“, kritisiert Altherr. Dieser Zwerggecko kommt nur in einem kleinen Waldgebiet in Tansania vor, wird seit 2005 hierzulande massenhaft verkauft und gilt inzwischen als vom Aussterben bedroht. Dennoch ist der Handel mit der farbenprächtigen kleinen Echse uneingeschränkt erlaubt. Pro Wildlife fordert generell ein Importverbot für Wildfänge und eine Beschränkung des Handels mit Wildtieren.

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