IWC-Tagung 2012 in Panama City vom 2. bis 6. Juli

München, 28.  Juni 2012.  Vom 2. bis 6. Juli 2012 findet die 64. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission  in Panama City statt. Zentrale Themen werden neue Quoten für den Walfang der Ureinwohner und ein neues Walschutzgebiet im Südatlantik sein. „Wir wollen verhindern, dass manche Länder durch die Hintertür wieder den kommerziellen Walfang einführen“, sagt die Biologin Dr. Sandra  Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnehmen wird. Auf der Agenda steht zudem eine Resolution Deutschlands zur Giftigkeit von Walfleisch, die auf einer Studie von Pro Wildlife basiert.

Indigener Walfang als Deckmantel: Grönland will mehr Wale fangen

USA, Russland, Dänemark und St. Vincent und die Grenadinen haben Ausnahmegenehmigungen für ihre Ureinwohner beantragt. Umstritten ist der dänische Antrag, noch mehr Großwale in den Gewässern um Grönland töten zu dürfen, darunter einen zusätzlichen  Buckelwal sowie neun weitere Finnwale, die als bedroht gelten. Indigene Völker sind vom Walfangmoratorium ausgenommen und dürfen ein festgelegte Anzahl an Großwalen fangen, allerdings nur zur Selbstversorgung. Bereits bei der letzten Verhandlungsrunde 2010 gab es Zweifel daran, ob die grönländischen Quoten gerechtfertigt sind. Denn mehr als die Hälfte des Fleisches von Zwergwalen und bis zu 81 Prozent der gefangenen Finnwale landen auf dem Müll. Zudem wird Walfleisch in Grönland kommerziell verarbeitet und in Restaurants und Supermärkten verkauft. „Wir erkennen das Recht der Ureinwohner an, Wale zu fangen – doch wir wollen auch verhindern, dass Grönland dieses Recht dazu missbraucht, wieder kommerziellen Walfang einzuführen“, sagt Altherr. Der in diesem Jahr vorgelegte Bedarfsnachweis ignoriert darüber hinaus die Gesundheitsrisiken für die Inuit: Walfleisch ist sehr hoch mit Quecksilber und giftigen Chlorverbindungen belastet.

Die deutsche Resolution – Anstoß zum Umdenken?

Alarmierende Studien wie der Bericht „Toxic Menu“ von Pro Wildlife belegen die enormen Gesundheitsrisiken von Walfleisch. Denn die langlebigen Tiere häufen in ihrem Gewebe hohe Konzentrationen an Quecksilber und PCB an. Die Folgen für die Konsumenten: Konzentrationsstörungen, Immunschwächen und Parkinson-Risiko, Spermienrückgang bei Männern. In diesem Jahr hat die deutsche Regierung  eine Resolution eingereicht, die die Walfangländer auffordert, ihre Bevölkerung über die Risiken aufzuklären. „Anstatt bei der Bevölkerung Walfleisch als gesunde, traditionelle Nahrung zu propagieren, müssen die Behörden der Walfangländer endlich dazu verpflichtet werden, auf die Giftstoff-Belastung hinzuweisen“, fordert Pro-Wildlife-Sprecherin Altherr.

 

Ein Schutzgebiet als Verhandlungsmasse?

Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragen gemeinsam ein Schutzgebiet für Wale – dies wäre das dritte Schutzgebiet neben der Antarktis und dem Indischen Ozean. Einen solchen Antrag stellte Brasilien seit 1999 alljährlich – und scheiterte bislang an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit. „Wir unterstützen ein neues Schutzgebiet, befürchten aber, dass Japan als „Gegenleistung“ Fangquoten vor seiner Küste durchsetzen möchte. Einen solchen Deal wollen wir verhindern“, kündigt Altherr an.

 

Norwegens Abschied vom Nachhaltigkeitsprinzip

Auch Norwegen zieht wieder den Unmut der Artenschützer auf sich. Das skandinavische Land fordert die Erlaubnis, „freien Walfang“ betreiben zu dürfen, also die gesamte eigenmächtig  gesetzte Quote frei auf alle Gebiete verteilen zu können.  „Norwegen hat sich damit anscheinend vom Nachhaltigkeitsprinzip  verabschiedet und tritt die Vorgaben der IWC erneut mit Füßen“, kritisiert Altherr.

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