IWC-Resolution fordert: Verbraucher sollen über Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden

Panama-Stadt/München, 5. Juli 2012. Auf der heutigen Sitzung der Internationalen Walfangkommission (IWC) wurde am späten Abend eine Resolution Deutschlands einstimmig angenommen, die vor der Belastung von Walfleisch mit Schadstoffen warnt. „Hohe Quecksilber- und PCB-Konzentrationen in Wal- und Delfinfleisch verursachen Aufmerksamkeits- und Sprachstörungen, Parkinson und Diabetes“, so Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Sie begrüßt den Vorstoß Deutschlands: „Die heute beschlossene Resolution hilft, die Nachfrage nach Wal- und Delfinfleisch zu senken – und davon profitieren Mensch und Tier.“ In Japan wird das belastete Fleisch bislang sogar an Schulkantinen verteilt.

Seit Mitte der 1990er Jahre häufen sich alarmierende Forschungsergebnisse, die vor allem in den nordischen Regionen einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Wal- und Delfinfleisch und bestimmten Krankheiten belegen. „Wale speichern über ihr langjähriges Leben große Giftstoffmengen wie Quecksilber oder polychlorierte Kohlenwasserstoffe (PCBs) an – insbesondere Arten, die am Ende eine komplexen Nahrungskette stehen, wie Belugas (Weißwale) und Grindwale“, erläutert Altherr.  2009 veröffentlichten Pro Wildlife und die Schweizer Organisation OceanCare den Bericht „Toxic Menu“, seither arbeiteten sie auf eine solche Resolution der IWC hin.

Giftalarm auf den dänischen Färöer-Inseln

Am besten untersucht sind die Gesundheitsrisiken auf den Färöer-Inseln, wo Mediziner ganze Jahrgänge an Kindern untersucht haben. Sie fanden erhöhte Aufmerksamkeits-, Sprach- und Gedächtnisstörungen bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft und Stillzeit regelmäßig Grindwal gegessen hatten. Jährlich töten die Färinger 800-1.000 dieser Tiere und verteilen das Fleisch kostenlos unter sich. Bei Erwachsenen erhöht der Verzehr das Risiko für Diabetes, Arteriosklerose und Parkinson. „Die Gesundheitsbehörde forderte bereits 2008, den Verzehr von Grindwalen zu stoppen, doch die Regierung empfiehlt dies lediglich Schwangeren und Stillenden“, kritisiert Altherr.

Schwache Schüler und träge Spermien

In Kanada wurden jüngst bei Grundschülern schwache intellektuelle Leistungen festgestellt, die mit dem Konsum ihrer Mütter von Weißwalen korrelieren. Und obwohl japanische Forscher regelmäßig in Wal- und Delfinfleisch viel höhere Quecksilberwerte als zulässig nachgewiesen haben, wird es sogar an Schul- und Krankenhauskantinen verteilt, um die überquellenden Lagerhäuser zu leeren. „In Japan ist die Belastung von Walfleisch in der Öffentlichkeit bislang kein Thema, doch lange kann es dies nicht mehr vor seiner Bevölkerung geheim halten“, so hector’s dolphin die Pro Wildlife Sprecherin. Und sie ergänzt: „Erste Indizien gibt es auch, dass die Spermien-Beweglichkeit der ostgrönländischen Männer geringer ist als in anderen Gebieten Grönlands. Dies steht offenbar mit der dort höheren Belastung an Chlorverbindungen im Zusammenhang.“

Appell an die Weltgesundheitsorganisation

Bislang hat sich die WHO nicht mit der Belastung von Walfleisch auseinandergesetzt – die heutige Resolution soll dies ändern: Sie fordert eine künftige Zusammenarbeit zwischen WHO und IWC. „Tier- und Artenschutzargumente haben die Walfangländer bislang nicht von ihrer Jagd abgehalten. Aber den Warnungen der Mediziner können sich die Regierungen in den Walfangländern nicht länger verschließen“, betont Altherr abschließend.

 

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