29 europäische Tier- und Naturschutzverbände fordern diplomatische Schritte

München, 8. Mai 2014. Tier- und Umweltschützer aus 13 Ländern appellieren an die EU, umgehend diplomatische Schritte gegen Islands Walfang einzuleiten. In einem gemeinsamen Schreiben an EU-Umweltkommissar Janez Potočnik verweisen die 29 Verbände auf den Beschluss der isländischen Regierung, in den nächsten fünf Jahren Fangquoten für  770 bedrohte Finnwale und 1.145 Zwergwale zu erteilen. Island setzt sich seit elf Jahren über das kommerzielle Walfangverbot hinweg.Erst im Frühjahr hat US-Präsident Obama angekündigt, den diplomatischen Druck auf Island wegen der eigenmächtigen Jagd auf bedrohte Finnwale zu erhöhen. Die EU hatte bisher mit Rücksicht auf Islands Beitrittsverhandlungen gezögert, doch Reykjavik hat im Frühjahr die Verhandlungen auf Eis gelegt. Ein EU-Beitritt hätte den Walfang in Island beendet.

Verbände fordern konkrete Schritte der EU

In ihrem Schreiben fordern die Verbände die EU auf, eine Demarche gegen Island zu verfassen und für die kommende Tagung der Internationalen Walfangkommission im September eine Resolution gegen Islands Walfang vorzubereiten. Im Brief heißt es: „Unsere Millionen Mitglieder erwarten, dass die Europäische Union eine führende Rolle einnimmt, um den nicht-autorisierten Walfang in Europa zu beenden.(…) Wir fordern, dass die EU Aktivitäten nicht länger hinausschiebt und umgehend strenge Maßnahmen ergreift, um Islands Walfang und -Handel zu stoppen.“

 

Europäische Union in der diplomatischen Starre

Mit Blick auf die schleppenden EU-Beitrittsverhandlungen verzichtet die EU seit Jahren auf diplomatische Schritte gegen Island – trotz steigender Fangzahlen und Rekordexporten. Innerhalb der EU sind Wale vor Jagd und Handel geschützt, als EU-Mitgliedsstaat hätte sich auch Island daran halten müssen. Doch seit dem Regierungswechsel in Island vor einem Jahr ruhen die Beitrittsverhandlungen, im Februar beschloss die Regierung in Reykjavik ein Gesetzesvorhaben, um das Beitrittsgesuch zurückzuziehen. „Die US-Regierung prüft derzeit Handelssanktionen gegen Island. Jetzt muss auch die EU den Druck auf Reykjavik erhöhen“, sagt Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

 

Islands eigenmächtiger Walfang

Aus Angst vor internationalen Boykottaktionen setzte Island zwischen 1990 und 2002 den Walfang aus. Seit Wiederaufnahme der Jagd 2003 wurden dort 423 Finnwale und 433 Zwergwale getötet. Während die Zwergwaljagd als Zubrot für die Fischer dient, liegt die Jagd auf Finnwale in der Hand eines einflussreichen Fischereiunternehmers: Kristjan Loftsson. Der Vorstandsvorsitzende des Fischkonzerns  HB Grandi verkauft Walfleisch nach Japan. Island genehmigt immer wieder den Export von Walfleisch– zuletzt die Rekordmenge von 2.000 Tonnen, die Ende März nach Japan verschifft wurde.

Island nutzt juristische Schlupflöcher, um das kommerzielle Walfangmoratorium und das internationale Handelsverbot zu unterwandern. Im Dezember 2013 gab die Regierung in Reykjavik für die Jahre 2014-2018 erneut eine jährliche Fangquote für  154 Finnwale und 229 Zwergwale frei.

Die Unterzeichner des Schreibens sind nationale Organisationen aus 13 Ländern sowie internationale Verbände: Asociación Defensa Derechos Animal (Spanien), Animal Friends Croatia, Animal Welfare Institute (USA), Campaign Whale (England), CEEweb for Biodiversity (Zentral- und Osteuropa), Cetacean Society International, Dzivnieku Dranga Fonds (Lettland), Environmental Investigation Agency, GAIA (Belgien), Deutscher Tierschutzbund, Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, Helsinki Humane Society HESY (Finnland), Humane Society International, International Fund for Animal Welfare, Meer e.V., Milvus Group – Association for Bird and Nature Protection (Rumänien), Naturschutzbund Deutschland, NY4Whales (USA), OceanCare (Schweiz), One Voice (Frankreich), Pro Wildlife (Deutschland), Robin des Bois (Frankreich), Polish Society for Nature Conservation „Salamandra“ (Polen), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere, Society for the Conservation of Marine Mammals (Dänemark), Gesellschaft zur Rettung der Delfine, Whale & Dolphin Conservation, World Society for the Protection of Animals

Teilen: Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone