Walfleisch-Delikatessen für Touristen verärgert Teilnehmer der Walfangtagung

Panama-Stadt/München, 5. Juli 2012. Auf der aktuellen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) scheiterte ein Antrag Dänemarks, seine Quote für Grönlands Ureinwohner zur Selbstversorgung zu erhöhen. „Dreiviertel der grönländischen Restaurants bieten Walfleisch an. Sie locken vor allem Touristen mit Delikatessen wie Wal-Sushi oder „Grönland-Barbecue“, so Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnimmt. „Dies widerspricht eindeutig einer Selbstversorgung von Ureinwohnern: Das ist klare Geschäftemacherei mit streng geschützten Tieren – und genau damit disqualifizierte sich Grönland heute für eine erhöhte Fangquote.“ Dänemark hat nun angekündigt, mit Grönland bilateral die Fangquoten festzulegen.

Aktuell fängt Grönland jährlich 190 Zwergwale, 10 Finn-, neun Buckel- und zwei Grönlandwale, beantragt waren nun neun Finn- und ein Buckelwal mehr. Schon in den kontroversen Vorverhandlungen am Dienstag wurde deutlich, wie groß der Widerstand vieler IWC-Mitgliedsstaaten gegen den dänischen Antrag ist. Zentrale Kritikpunkte waren die zunehmende Kommerzialisierung des Walfleisches und die wenig überzeugenden Berechnungen des Bedarfes der Ureinwohner:

Wal-Carpaccio mit Mozzarella

Ureinwohner erhalten von der IWC Fangquoten zur Selbstversorgung – aber nur, wenn diese nicht-kommerziell sind und lokal von den Einheimischen konsumiert werden. Über Dreiviertel der Restaurants auf Grönland bieten jedoch Delikatessen wie Wal-Barbecue, `Grönland-Sushi´, `Walfleisch mit Chilli und Basilikum´ oder `Wal-Tagliatelle mit Tomatensauce´ an. „Solche Angebote zielen eindeutig auf Touristen ab, die in ihrem Urlaub etwas Exotisches probieren wollen – sie entsprechen wohl kaum den typischen Gerichten der Ureinwohner“, betont Altherr. Berichte darüber, dass bedrohte Arten wie Finnwale in Grönland als extravaganter Snack verkauft werden, hatten viele IWC-Delegationen verärgert, die ansonsten großes Verständnis für den Bedarf von Ureinwohnern zur Selbstversorgung haben.

Fragwürdiger Bedarfsnachweis

Auch die von Grönland vorgelegten Bedarfsberechnungen, die die IWC zur Genehmigung von Selbstversorgungsquoten verlangt, waren wenig überzeugend: „In den letzten zehn Jahren ging die Zahl professioneller Jäger, zu denen die Walfänger gehören, um 75 Prozent zurück. Grönland schöpft seit Jahren seine IWC-Fangquote gar nicht aus“, berichtet die Expertin von Pro Wildlife. „Mehr als die Hälfte des Fleisches von Zwergwalen und bis zu 81 Prozent von Finnwalen landet zudem auf dem Müll – weit mehr als mit nicht verwendbaren Körperteilen zu erklären ist.“

Gute Entscheidung nach schwacher EU-Vorstellung

Die EU präsentierte sich, wie bereits in den letzten Jahren, als schlecht vorbereitet und entschied erst in letzter Minute (in einer Sitzung am Mittwochmorgen) im Ständigen Ausschuss in Brüssel – obwohl der Antrag Dänemarks bereits seit Ende April auf dem Tisch lag. Die Position der EU war zudem uneins: Dänemark hatte für seinen Antrag Unterstützung aus Finnland, Schweden, Slowakei und Estland erhalten, was jedoch nicht reichte, um eine Absage der EU an höhere Fangquoten zu verhindern.

Dank der Stimmen der EU-Länder wurde Dänemarks Antrag schließlich mit 25 Ja- zu 34 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. „Diese Entscheidung verhindert, dass die Grenzen zwischen Ureinwohner- und kommerziellem Walfang weiter verwischt werden“, begrüßt Altherr die heutige Entscheidung. Aber sie fordert gleichzeitig, dass die EU-Länder Dänemark nun drängt, die bisherigen Quoten für Grönland weiter zu kürzen, solange ernste Zweifel an dem tatsächlichen Bedarf der Ureinwohner bestehen.

Walfleisch-Delikatessen für Touristen verärgert Teilnehmer der Walfangtagung

 

Panama-Stadt/München, 5. Juli 2012. Auf der aktuellen Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) scheiterte ein Antrag Dänemarks, seine Quote für Grönlands Ureinwohner zur Selbstversorgung zu erhöhen. „Dreiviertel der grönländischen Restaurants bieten Walfleisch an. Sie locken vor allem Touristen mit Delikatessen wie Wal-Sushi oder „Grönland-Barbecue“, so Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnimmt. „Dies widerspricht eindeutig einer Selbstversorgung von Ureinwohnern: Das ist klare Geschäftemacherei mit streng geschützten Tieren – und genau damit disqualifizierte sich Grönland heute für eine erhöhte Fangquote.“ Dänemark hat nun angekündigt, mit Grönland bilateral die Fangquoten festzulegen.

Aktuell fängt Grönland jährlich 190 Zwergwale, 10 Finn-, neun Buckel- und zwei Grönlandwale, beantragt waren nun neun Finn- und ein Buckelwal mehr. Schon in den kontroversen Vorverhandlungen am Dienstag wurde deutlich, wie groß der Widerstand vieler IWC-Mitgliedsstaaten gegen den dänischen Antrag ist. Zentrale Kritikpunkte waren die zunehmende Kommerzialisierung des Walfleisches und die wenig überzeugenden Berechnungen des Bedarfes der Ureinwohner:

 

Wal-Carpaccio mit Mozzarella

Ureinwohner erhalten von der IWC Fangquoten zur Selbstversorgung – aber nur, wenn diese nicht-kommerziell sind und lokal von den Einheimischen konsumiert werden. Über Dreiviertel der Restaurants auf Grönland bieten jedoch Delikatessen wie Wal-Barbecue, `Grönland-Sushi´, `Walfleisch mit Chilli und Basilikum´ oder `Wal-Tagliatelle mit Tomatensauce´ an. „Solche Angebote zielen eindeutig auf Touristen ab, die in ihrem Urlaub etwas Exotisches probieren wollen – sie entsprechen wohl kaum den typischen Gerichten der Ureinwohner“, betont Altherr. Berichte darüber, dass bedrohte Arten wie Finnwale in Grönland als extravaganter Snack verkauft werden, hatten viele IWC-Delegationen verärgert, die ansonsten großes Verständnis für den Bedarf von Ureinwohnern zur Selbstversorgung haben.

 

Fragwürdiger Bedarfsnachweis

Auch die von Grönland vorgelegten Bedarfsberechnungen, die die IWC zur Genehmigung von Selbstversorgungsquoten verlangt, waren wenig überzeugend: „In den letzten zehn Jahren ging die Zahl professioneller Jäger, zu denen die Walfänger gehören, um 75 Prozent zurück. Grönland schöpft seit Jahren seine IWC-Fangquote gar nicht aus“, berichtet die Expertin von Pro Wildlife. „Mehr als die Hälfte des Fleisches von Zwergwalen und bis zu 81 Prozent von Finnwalen landet zudem auf dem Müll – weit mehr als mit nicht verwendbaren Körperteilen zu erklären ist.“

 

Gute Entscheidung nach schwacher EU-Vorstellung

Die EU präsentierte sich, wie bereits in den letzten Jahren, als schlecht vorbereitet und entschied erst in letzter Minute (in einer Sitzung am Mittwochmorgen) im Ständigen Ausschuss in Brüssel – obwohl der Antrag Dänemarks bereits seit Ende April auf dem Tisch lag. Die Position der EU war zudem uneins: Dänemark hatte für seinen Antrag Unterstützung aus Finnland, Schweden, Slowakei und Estland erhalten, was jedoch nicht reichte, um eine Absage der EU an höhere Fangquoten zu verhindern.

Dank der Stimmen der EU-Länder wurde Dänemarks Antrag schließlich mit 25 Ja- zu 34 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. „Diese Entscheidung verhindert, dass die Grenzen zwischen Ureinwohner- und kommerziellem Walfang weiter verwischt werden“, begrüßt Altherr die heutige Entscheidung. Aber sie fordert gleichzeitig, dass die EU-Länder Dänemark nun drängt, die bisherigen Quoten für Grönland weiter zu kürzen, solange ernste Zweifel an dem tatsächlichen Bedarf der Ureinwohner bestehen.

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