Erfreuliche Absage an kommerziellen Walfang – Sorge um Koreas Walfangoffensive

Panama-Stadt/München, 6. Juli 2012. Für die heute zu Ende gegangene Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) zieht die Artenschutzorganisation Pro Wildlife Bilanz: „Es ist ein positives Signal, dass Grönlands nicht noch mehr Wale jagen darf, die dann in Touristenrestaurants enden. Die Warnung vor den Gesundheitsrisiken durch belastetes Walfleisch wird bis nach Tokio und Kopenhagen zu hören sein. Endlich ist die IWC auch wieder in der Lage, Entscheidungen zu treffen – nach jahrelangem Stillstand“, resümiert Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt. Eine große Sorge bleibt jedoch: „Erst die nächsten Monate werden zeigen, ob Südkorea seine Drohung wahr macht, unter dem Deckmantel der Wissenschaft wieder Wale zu töten. Dagegen werden wir weiter kämpfen.“
Korea hatte seine Walfangoffensive bereits auf früheren Konferenzen angekündigt. „Der Vorstoß Koreas kam nicht völlig überraschend. Seit Jahren beobachten wir, dass die Beifangraten dort extrem hoch sind – und wir wissen, dass die Walfanglobby in Südkorea nicht untätig ist“, sagt Altherr.

„Im Gegensatz zu den IWC-Tagungen der letzten Jahre zeigte sich die IWC diesmal in der Lage, kontroverse Fragen zu entscheiden statt zu vertagen oder bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Damit zeigt sie eine frühere Stärke, die sie angesichts der zunehmenden Gefahren für Wale und Delfine auch dringend braucht“, berichtet Altherr aus Panama. „Wichtig ist auch, dass die Konferenz sich mit Umwelt-Gefahren für Wale beschäftigt wie der Vermüllung der Meere, Beifang, Ölförderung und Schiffskollisionen.“

Die wichtigsten Ergebnisse der diesjährigen IWC-Tagung:

Dänemarks Antrag auf noch mehr Wale zur Selbstversorgung der Ureinwohner in Grönland zu fangen, ist gescheitert: Die Mehrheit der IWC-Länder war empört darüber, dass immer mehr Walfleisch in Touristen-Restaurants als Sushi und Carpaccio angeboten wird – was dem Prinzip der Selbstversorgung widerspricht. Der Antrag, der eine Dreiviertelmehrheit gebraucht hätte, erhielt mit 25 Ja- zu 34 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen eine klare Absage. „Die Absage an Grönland war ein Erfolg dieser Konferenz. In Grönland werden streng geschützte Wale kommerziell verkauft – der dreiste Versuch, das mit dem Bedarf der Ureinwohner zu rechtfertigen, wurde erfolgreich abgeschmettert“, so Pro Wildlife.

Im Gegensatz hierzu billigten die IWC-Mitgliedsstaaten den Ureinwohnern in Alaska und Russland ihre Quoten auf Grau- und Grönlandwale für die nächsten sechs Jahre zu (48 Ja- bei 10 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen). „Hier gab es keinerlei Zweifel am tatsächlichen Bedarf der Ureinwohner – und die IWC zeigte sich fähig, solche Anträge differenziert zu entscheiden“, lobt Altherr.

Eine Resolution Deutschlands zur hohen Giftstoffbelastung von Walfleisch wurde einstimmig angenommen. Diese Resolution fordert die Walfangländer auf, ihre Verbraucher über die Gesundheitsrisiken durch Walfleisch aufzuklären, und sie verlangt eine bessere Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation. „Die Resolution wird helfen, die Nachfrage nach Walfleisch zu senken – das ist gut für Mensch und Tier“, so der Kommentar der Expertin.

Ein Walschutzgebiet im Südatlantik erreichte mit 38 Ja- bei 21 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen nicht die ausreichende Dreiviertelmehrheit, die solche Statutenänderungen erfordern. „Dies ist insbesondere für die lateinamerikanische Region enttäuschend, die viel Engagement investiert hat, aber sie können auch ohne Absegnung ein Schutzgebiet in ihrer 200 Seemeilenzone einrichten. Und Walfang findet in diesem Gebiet ohnehin nicht statt“, resümiert die Pro Wildlife Sprecherin.

Als große Sorge bleibt jedoch die Ankündigung Südkoreas, unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“ wieder Wale fangen zu wollen. Unter diesem formaljuristischen Schlupfloch der IWC tötete Japan seit dem Moratorium von 1986 knapp 14.000 Wale. „Ob Südkoreas Ankündigung nur eine Drohung ist, um bei der anstehenden Wahl im eigenen Land Stärke zu zeigen, oder ob es wirklich das Risiko eingeht, sich weltweiten Protesten auszusetzen, zeigen erst die nächsten Wochen. Wir sind jedenfalls alarmiert“, so Altherr.

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