Neue Analyse zeigt: Dänemark unterstützt kommerziellen Walfang

München, 31. Mai 2012. Im Vorfeld der diesjährigen Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juli fordern Artenschützer ein Umdenken der dänischen Walfangpolitik. Wie der neue Bericht „Breaking Ranks“ internationaler Umweltschutzgruppen belegt, unterstützt Dänemark seit zwanzig Jahren aktiv die Walfangpolitik von Staaten, die kommerzielle Walfanginteressen verfolgen. Dies führt zu Konflikten mit den anderen EU-Mitgliedsstaaten. Nach EU-Recht dürfen Wale weder gejagt noch gehandelt werden.Während in den übrigen EU-Staaten Einigkeit darüber herrscht, dass Wale und Delfine geschützt werden sollen, schert ein Land immer wieder aus: Dänemark. „Mit seiner Außenseiterrolle unterläuft Dänemark die Bemühungen der EU-Staaten, Wale besser zu schützen – was dringend nötig wäre“, sagt Dr. Sandra Altherr, Pro Wildlife, eine der beiden Autorinnen des Berichts und fügt hinzu: „Wir erwarten, dass Dänemark seine Walfangposition überdenkt.“

Dänemark will wieder mehr Wale fangen – auch bedrohte Arten

Die im letzten Herbst neu gewählte Regierung setzt offensichtlich den Kurs ihrer Vorgänger fort: Kurz vor Beginn der dänischen EU-Ratspräsidentschaft, im Dezember 2011, stellte sich Dänemark mit einer offiziellen Erklärung erneut gegen eine auf Walschutzinteressen ausgerichtete gemeinsame EU-Position. Diplomatisch noch brisanter dürfte aber das Verhalten Dänemarks in der Vorbereitung zur bevorstehenden Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC, 2.-6. Juli in Panama) sein. So beantragte Dänemark die neuerliche Ausweitung der Walfangquoten für Grönland, ohne dies mit den anderen EU-Ländern abzusprechen. „Dieser Alleingang sorgt innerhalb der EU erneut für Ärger“, sagt Jennifer Lonsdale, Co-Autorin des Berichtes, Environmental Investigation Agency. „Gerade während der Ratspräsidentschaft erwartet man sich von einem Land eine transparente, auf Lösung und interne Abstimmung ausgerichtete Koordinationspolitik.“

„Dass die Ureinwohner in Grönland eine ihrem tatsächlichen Bedarf entsprechende Fangquote bekommen sollen, ist unstrittig. Aber Dänemark verlangt höhere Quoten als bisher, auch für stark bedrohte Arten wie Finnwale – und hat die Diskussion mit der EU gezielt umgangen“, kritisiert Altherr, von Pro Wildlife. Bei der IWC  muss die EU als wichtiger Stimmenblock ihre Position intern absprechen.

Umstrittener Balanceakt

Grund für die immer wiederkehrenden Konflikte sind die dänischen semi-autonomen Gebiete Grönland und Färöer Inseln. Diese gehören nicht zur EU, werden in internationalen Foren wie der IWC aber von Dänemark vertreten. Grönland betreibt den so genannten indigenen Walfang, den die IWC als Ausnahme für den lokalen Verbrauch genehmigt, die Bewohner der Färöer-Inseln fangen Kleinwale außerhalb der Kontrolle der IWC. Dänemark versuchte deshalb, einen Balanceakt zwischen den Interessen dieser Walfänger und der EU zu beschreiten. Die Artenschützer werfen Dänemark jedoch vor, weit über die Verpflichtungen den autonomen Gebieten gegenüber eine aktive Walfang-Politik betrieben zu haben. So wollte Dänemark beispielsweise Ende letzten Jahres verhindern, dass die EU in ihrer gemeinsamen IWC-Position den Wissenschafts-Walfang Japans kritisiert.

Die Mehrheit der Dänen möchte Wale lieber schützen als schlachten
Umfragen haben gezeigt, dass nur fünf Prozent der Dänen den kommerziellen Walfang befürworten. Dreiviertel aller Dänen erwarten von ihrer Regierung, dass sie sich dagegen ausspricht. Doch die dänische Regierung verfolgt eine andere Politik. „Wir fordern, dass Dänemark kommerziellen Walfang nicht weiter unterstützt und sich stattdessen zusammen mit den EU-Ländern für einen wirksamen Walschutz einsetzt“, sagt Laura Döring von der Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS). „Die Interessen der Ureinwohner in Grönland, die Dänemark natürlich auch vertreten muss, wären hiervon nicht beeinträchtigt.“

Der Bericht „Breaking Ranks“

 „Breaking Ranks“ erscheint im Vorfeld der IWC, die vom 2. bis 6. Juli in Panama stattfindet. Auftraggeber der Analyse ist die Agentur Shifting Values, die sich einem Wertewandel im Tier- und Artenschutz verschrieben hat. Herausgegeben wird die Analyse von den Tier- und Artenschutzorganisationen Pro Wildlife, Environmental Investigation Agency, Humane Society International, OceanCare und der Whale and Dolphin Conservation Society. Die Naturschutzorganisationen haben die dänische Politik der letzten 20 Jahre analysiert und zeigen zahlreiche Beispiele auf, wie Dänemark sich in internationalen Foren verhalten hat. Die Verbände hoffen, dass der Bericht die seit Oktober 2011 amtierende Regierung Dänemarks dazu bewegt, ihre Walfangpolitik zu überdenken.

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