Island, Grönland und Norwegen unterwandern Walfangverbot – EU muss reagieren

München, 1. April 2014. Während das Urteil des UN-Gerichts zum japanischen Walfang die Schlagzeilen dominiert, beginnt im April fast unbemerkt in europäischen Gewässern die Jagd auf etwa 1.200 Großwale sowie mehr als 2.000 Kleinwale und Delfine. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife fordert von der Europäischen Union, gegen den außer Kontrolle geratenen Walfang in Grönland, Island, Norwegen und den Färöer-Inseln vorzugehen.

„In Island ist die Jagd auf die bedrohten Finnwale eskaliert, auf den Färöer-Inseln starben 2013 so viele Kleinwale und Delfine wie seit 16 Jahren nicht mehr, und in Grönland findet seit 2013 sogar Piratenwalfang statt“, sagt Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. „Nachdem Australien über den Internationalen Gerichtshof erfolgreich Japans Waljagd in der Antarktis gestoppt hat, muss die EU jetzt gegen den Walfang vor der eigenen Haustür vorgehen, der das Walfangverbot ebenfalls unterwandert.“

Island

Seit Island 2003 wieder in den kommerziellen Walfang eingestiegen ist, starben 423 Finnwale und 433 Zwergwale in isländischen Gewässern. Mit Blick auf die schleppenden EU-Beitrittsverhandlungen verzichtet die EU seit Jahren auf diplomatische Schritte gegen Island. „Mit falscher Rücksichtnahme riskiert die EU in diesem Jahr den Tod von 154 Finn- und 229 Zwergwalen, so Altherr. „Die US-Regierung prüft derzeit Handelssanktionen gegen Island, nun muss auch die EU den Druck auf Reykjavik erhöhen.“

Grönland betreibt Piratenwalfang

Obwohl Grönland seit Anfang 2013 keine Walfangquoten der Internationalen Walfangkommission (IWC) erhalten hat, kündigte die semi-autonome Region Dänemarks an, sich darüber hinwegzusetzen und 217 Großwale zu jagen. „Schon im letzten Jahr betrieb Grönland Piratenwalfang – und die EU schaut tatenlos zu“, sagt Altherr. Die Walfangkommission verweigert Grönland seit 2012 die Jagdquote zur Selbstversorgung der Ureinwohner, weil immer mehr Walfleisch in Supermärkten und Touristen-Restaurants kommerziell angeboten wird. Neben den bedrohten Großwalen will Grönland in der kommenden Walfangsaison auch 748 Kleinwale jagen.

Norwegen

Auch wenn die Norweger kaum mehr Walfleisch essen, versucht die norwegische Regierung die Jagd auf Wale anzukurbeln. Auflagen für Fangzonen und Kontrollgeräte am Bord wurden gelockert. Tatsächlich stieg die Jagd 2013 wieder leicht an: 590 Zwergwale fielen den Harpunen zum Opfer. Seit das kommerzielle Walfangmoratorium 1986 in Kraft getreten ist, töteten norwegische Walfänger mehr als 11.000 Zwergwale –  mehr als Japan in seinen Antarktis-„Forschungsprogrammen“ gefangen hat. Norwegen hat wie Island Widerspruch gegen das kommerzielle Walfangverbot eingelegt und sieht sich nicht an das internationale Handelsverbot für Wale gebunden.

 

Massenjagd auf Kleinwale und Delfine – vor unserer Haustür

Wenn es um die Jagd auf Kleinwale und Delfine geht, denken viele Menschen zunächst an die blutigen Treibjagden im japanischen Fischerort Taiji, bei denen jährlich bis zu 1.500 Delfine getötet werden. Ebenso grausame Jagden finden mehrmals im Jahr auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln statt. „1.533 Kleinwale und Delfine wurden 2013 dort mit Eisenhaken und kurzen Messern brutal abgeschlachtet. Obwohl das Fleisch der Tiere wegen hoher Giftstoffbelastung nahezu ungenießbar ist, berufen sich die Färinger auf eine Tradition aus Wikingerzeiten“, so Altherr. Pro Wildlife fordert, dass auf der nächsten Walfangtagung im September die lange ignorierte Jagd auf Delfine und Kleinwale zur Sprache kommt – sowohl in Japan als auch in Europa.

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