Umweltminister beraten über Elefantenschutz und illegalen Artenhandel.

München/Montreux/London 17. Juni 2016: Die Umweltminister der Europäischen Union werden auf einer Ratssitzung in Luxemburg am 20. Juni über die Beschränkung des Elfenbeinhandels in und aus der EU beraten.

Der EU-Aktionsplan zur Bekämpfung des illegalen Artenhandels, der am 26. Februar von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurde, schlägt eine „weitere Beschränkung des Elfenbeinhandels innerhalb und aus der EU“ vor. Konkret soll die Ausfuhr von Rohelfenbein, das aus der Zeit vor Inkrafttreten des Artenschutzübereinkommens (vor 1975) stammt, ausgesetzt werden. Zudem soll sichergestellt werden, dass in der EU nur legale, antike Elfenbeingegenstände gehandelt werden. Ausnahmen für den Handel mit legalem Alt- Elfenbein haben zu einem florierenden Export von Stoßzähnen und Schnitzereien aus der EU nach China und Hong Kong geführt. Es wird befürchtet, dass diese Lücke die Nachfrage anheizt und ermöglicht, dass gewildertes Elfenbein in den legalen Handel eingeschleust wird.

China ist im März 2016 gegen diesen Handel vorgegangen und hat die Einfuhr von Alt- Elfenbein verboten. Am 7. Juni kündigte China an, bis Jahresende einen Zeitplan für die Schließung seines Elfenbeinmarktes vorzulegen. Die Vereinigten Staaten erklärten kurz zuvor, den Elfenbeinhandel ab Juli 2016 weitgehend zu verbieten.

Tier- und Naturschützer fordern die EU auf, dem Beispiel von China und den Vereinigten Staaten zu folgen und den Elfenbeinhandel aus und in der EU ein für allemal zu verbieten.

“Weltweit wächst die Ablehnung gegen den Elfenbeinhandel. Bisher hat die EU es versäumt, im eigenen Haus Ordnung zu schaffen, dass wird sie zunehmend isolieren. Während Hauptabsatzmärkte des Elfenbeinhandels geschlossen werden hinkt die EU hinterher. Sie sollte sich China und den USA anschließen“ so Sally Case, CEO der David Shepherd Wildlife Foundation.

“ Die EU muss den Worten endlich Taten folgen lassen und den Elfenbeinhandel in und aus der EU ein für alle Mal verbieten. Aufrufe an die internationale Gemeinschaft, den Elfenbeinhandel endlich zu bekämpfen, reichen nicht aus. Die EU-Minister müssen jetzt Führungsstärke beweisen, um das Überleben der Elefanten in Afrika und Asien zu sichern“, so Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Die EU ist der weltgrösste Exporteur von angeblich legalem Elfenbein aus Altbeständen vor dem Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora). Ein vor kurzem veröffentlichter Bericht der EU-Kommission zeigt, dass die Exporte von Alt-Elfenbein seit 2008 drastisch zugenommen haben. 2008 genehmigte CITES den Verkauf von Elfenbeinlagerbeständen aus dem südlichen Afrika an China und Japan. Seitdem haben weltweit auch die Beschlagnahmungen von illegalem Elfenbein stark zugenommen. Elfenbein aus Afrika wird auch durch die EU in die asiatischen Hauptabsatzmärkte geschmuggelt.

Eine aktuelle Studie von Forschern der Universität von Kalifornien, Berkeley, und der Universität Princeton macht die Entscheidung für den Verkauf von Elfenbein-Lagerbeständen für die dramatische Zunahme der Elefantenwilderei verantwortlich.

Die African Elephant Coalition (AEC), 27 Staaten, die sich für das Überleben des Afrikanischen Elefanten einsetzen, reichte Ende April ein Paket von fünf abgestimmten Anträgen für die bevorstehende CITES-Konferenz ein. Gemeinsam würden diese den strengsten internationalen Schutz für Elefanten garantieren. Die AEC fordert alle Elefanten in die höchste Schutzkategorie (Anhang I) aufzunehmen, den Elfenbeinhandel zu verbieten und nationale Elfenbeinmärkte zu schließen.

Die Diskussion der EU-Umweltminister über den Elfenbeinhandel findet nur fünf Tage vor dem 7. Treffen der AEC in Montreux, Schweiz statt. Die 27 Mitgliedsstaaten werden dabei ihre Position für die 17. CITES-Vertragsstaatenkoferenz (24.September – 5.Oktober 2016) in Johannesburg, Südafrika, konsolidieren.

Die AEC umfasst die grosse Mehrheit der Staaten, in denen der Afrikanische Elefant in freier Natur lebt. Hingegen beantragt eine kleine Minderheit von drei Arealstaaten (Simbabwe, Namibia und Südafrika) den internationalen Elfenbeinhandel wieder zu öffnen.

“Die Länder der AEC bahnen den Weg zur Schließung der internationalen Elfenbeinmärkte. Wir fordern die EU auf, sich dieser Initiative anzuschließen, ihren eigenen Elfenbeinmarkt zu schließen und damit der Welt ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, bevor die CITES Vertragsstaaten im September zusammenkommen“ so Vera Weber, Präsidentin der Schweizer Tierschutzorganisation Fondation Franz Weber, eine Partnerorganisation der AEC.

Hintergrund

  • Ein Bericht (Seiten 21-23) der Europäischen Kommission belegt die drastische Zunahme der Exporte von legalem Alt-Elfenbein zwischen 2008 und 2014. Die EU-Mitgliedsstaaten stellten in diesem Zeitraum Ausfuhrgenehmigungen für ca. 3 bis 6,5 Tonnen ganze Stosszähne aus. Hinzu kommt die Ausfuhr von 4,1 Tonnen bearbeitetem und 2,8 Tonnen unbearbeitetem Elfenbein zwischen 2003 und 2014. Die Importe gingen fast ausschließlich nach China und Hong Kong.
  • Die African Elephant Coalition (AEC) wurde 2008 in Bamako, Mali gegründet. Sie umfasst 27 Mitgliedsstaaten die ein gemeinsames Ziel verfolgen: „eine überlebensfähige und gesunde Elefantenpopulation die frei von der Bedrohung durch den Elfenbeinhandel ist.“Die 27 Mitgliedsstaaten der AEC sind: Benin, Burkina Faso, Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, die Komoren, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Kongo, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste, Kenia Liberia, Mali Mauretanien, Niger, Nigeria, Rwanda, Senegal, Sierra Leone, Südsudan, Tschad, Togo und Uganda.
  • Die Anträge der AEC fordern die Aufnahme aller Elefanten in den Anhang I von CITES, die Schließung von Binnenmärkten, die Zerstörung von Elfenbeinlagerbeständen, die Beendigung des Entscheidungsmechanismus für die Legalisierung des Elfenbeinhandels sowie die Beschränkung des Exports lebender Elefanten auf Schutzprojekte in ihrem natürlichen Lebensraum.
  • Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) wurde 1973 ins Leben gerufen und trat 1975 in Kraft. Es gewährt über 35‘000 Tier- und Pflanzenarten unterschiedlichen Schutzstatus. Gegenwärtig sind 182 Mitglied des Abkommens. Die 17. Konferenz der Mitgliedsstaaten (CoP17) findet vom 24. September bis 5. Oktober 2016 in Johannesburg, Südafrika statt. Die Konferenz findet alle drei Jahre statt.
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