EU: Japans neue Forschungsprogramme verstoßen gegen internationale Konventionen.

München, 19. Januar 2017. Mit scharfen Worten kritisiert die EU die erneuten Pläne für ein japanisches Forschungsprogramm im Nordpazifik („NEWREP-NP“), für das Walfänger in den kommenden zwölf Jahren bis zu 3.768 Wale töten sollen. Auch ein neues Programm für die Jagd in der Antarktis („NEWREP-A“) soll Japan nach dem Willen der EU umgehend verwerfen. Pro Wildlife begrüßt die klare Position aus Brüssel: „Selten haben wir so scharfe Worte von der EU zu Japans Waljagd gelesen“, kommentiert Sandra Altherr, Biologin bei der Artenschutzorganisation.

Ausgerechnet am Tag der US-Präsidentschaftswahlen hatte Japan sein neues „Forschungsprogramm“ im Nordpazifik veröffentlicht. „Wir vermuten ein genau kalkuliertes Timing, um möglichst wenig internationale Reaktionen auszulösen“, so Altherr. Dabei provoziert das Programm, denn Japan will nun deutlich mehr Wale töten: „Im Vergleich zum Vorgängerprogramm hat Japan die Fangquoten für Zwerg- und Seiwale drastisch aufgestockt: von 90 auf 140 Seiwale – das entspricht einem Anstieg um 55 Prozent. Bei den Zwergwalen hat Japan seine Quoten sogar um 70 Prozent erhöht: Statt 102 sollen 174 Tiere gejagt werden“, berichtet Altherr.

EU übt scharfe Kritik

Am Mittwoch veröffentlichte die Internationale Walfangkommission (IWC) nun die offizielle Stellungnahme der EU zu den japanischen Plänen. Sie verurteilt die Programme als Verstoß gegen zwei IWC-Resolutionen von 2014 und 2016, wonach die IWC jedes Forschungsprogramm vor Beginn kritisch prüfen muss. Die nächste IWC-Tagung findet erst im Sommer 2018 statt, NEWREP-NP soll schon im Frühjahr 2017 beginnen. Die EU sieht Japans Fang von Seiwalen zudem als Verstoß gegen die Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Zu recht, findet Pro Wildlife: „Alle Großwale sind bei CITES streng geschützt. Auch wenn Japan einen formellen Vorbehalt gegen den hohen Schutzstatus von z.B. Zwerg- und Finnwalen eingelegt hat und somit nicht daran gebunden ist, gilt dieser Ausnahme nicht für Seiwale. Japan darf diese Tiere aus hoher See nicht anlanden“. Auch die Zwergwal-Jagd im Nordpazifik ist für die EU Anlass zur Sorge: Während diese Walart global nicht bedroht ist, lebt vor den Küsten Japans eine besonders seltene Unterpopulation, der „J-Bestand“, der von der Jagd unmittelbar betroffen wäre. Darüber hinaus hält die EU es für nicht notwendig, Wale zu töten, um die anvisierten Forschungsergebnisse zu erzielen.

Die EU fordert in ihrem Schreiben die Regierung von Tokio nachdrücklich auf, die Genehmigungen für den angeblichen Forschungswalfang zurückzuziehen. „Dieser Forderung schließen wir uns an. Wir hoffen, dass die EU die gesamte Klaviatur diplomatischer Möglichkeiten nutzt, um Japan zum Umdenken zu bewegen“, so Altherr.

Forschungsobjekte enden im Supermarkt

Japan fängt in zwei Gebieten Wale: In der Antarktis und im Nordpazifik, nahe der japanischen Küsten – beides getarnt als angebliche Forschungsvorhaben, für die die IWC Ausnahmegenehmigungen vom Walfangverbot vorsieht. Jedoch wird das Walfleisch in japanischen Supermärkten und Restaurants verkauft. Nach einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes von 2014 stoppte Japan sein früheres stark umstrittenes Forschungsprogramm in der Antarktis (JARPA) – stellte jedoch kurz danach ein neues Programm (NEWREP-A) für die Antarktis vor, mit deutlich reduzierten Fangquoten. Jetzt soll also ein neues Programm NEWREP-NP das vorherige Programm (JARPN) im Nordpazifik ablösen.

Hintergrundinformationen:

>> Schreiben der EU

>> Hintergründe zu Japans Walfang

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