München/Sochi, 1. Oktober 2018.

Illegale Jagd auf Seiwale

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife fordert Handelssanktionen gegen Japan wegen des fortgesetzten Fangs der stark gefährdeten Seiwale im Nordpazifik. Der vom 1.-5. Oktober in Sochi (Russland) tagende Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) könnte dies am Dienstag beschließen, weil Japan die Art entgegen dem geltenden Handelsverbot für kommerzielle Zwecke fängt. Pro Wildlife wird vor Ort sein und fordert CITES auf, endlich Zähne zu zeigen und Japans anhaltende Artenschutzverstöße zu bestrafen. „Japans Anlandung von aktuell 134 streng geschützten Seiwalen pro Jahr ist ein fortwährender, bewusster Verstoß gegen die CITES Bestimmungen. Die internationale Staatengemeinschaft darf hier nicht länger tatenlos zusehen“, erläutert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Japans Walfang – Wissenschaft oder Kommerz?

In den letzten 16 Jahren hat Japan insgesamt 1.584 Seiwale gefangen. Die Meeresriesen werden noch an Bord der riesigen Fabrikschiffe in kleine Portionen zerteilt, tiefgefroren, eingeschweißt und dann an Supermärkte verkauft. Japan versucht das Verbot zu umgehen, indem es behauptet, die Waljagd erfolge zu wissenschaftlichen Zwecken, für die Gewebeproben einzelner Organe entnommen würden. Das CITES-Sekretariat bestätigte jetzt hingegen bei einem Kontrollbesuch vor Ort, was Tierschützer seit Jahren kritisieren: Fleisch und Speck (Blubber) der gefangenen Wale werden nicht zur Forschung, sondern für kommerzielle Zwecke genutzt – insgesamt etwa 1.600 Tonnen pro Jahr. Die japanische Regierung stellt unrechtmäßig Einfuhrgenehmigungen für „wissenschaftliche Zwecke“ aus.

Alle Großwale sind durch CITES geschützt, Einfuhr und kommerzieller Handel sind streng verboten. Die Anlandung von Hoher See, außerhalb der Hoheitsgewalt Japans, gilt nach CITES als Einfuhr. Während Japan in den 1980er Jahren einen formellen Vorbehalt (Reservation) für andere Walarten eingelegt hat und damit nicht an das Verbot gebunden ist, gilt dies nicht für Seiwale im Nordpazifik.

Sanktionen sind überfällig

Seit 2016 steht der Seiwal-Fang Japans auf Initiative Deutschlands und der EU unter der Beobachtung von CITES. Die CITES-Vertreter könnten auf der bevorstehenden Konferenz wegen der fortgesetzten, gravierenden Verstöße Japans Handelssanktionen erlassen – wie sie regelmäßig auch bei CITES-Verstößen von Entwicklungsländern mit begrenzten Kapazitäten verhängt werden. „Die Regierung in Tokio überschreitet bewusst seit vielen Jahren alle Grenzen“, so die Pro Wildlife Sprecherin.“Es ist höchste Zeit, dass der Ständige Ausschuss der CITES-Konferenz die diplomatische Rücksichtnahme gegenüber dem Industriestaat Japan beendet und endlich die Rote Karte zieht.“

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