Kontroversen bei Welt-Artenschutzkonferenz erwartet.

München / Genf, 2. Mai 2016. Der Schutz von Elefanten, Nashörnern, Löwen und  Haien sorgt vor der Welt-Artenschutzkonferenz im Herbst für Diskussionen. Am Montag kündigte das CITES-Sekretariat 175 Initiativen aus 80 Ländern zum Handel von Wildtieren und -pflanzen an. 60 Anträge betreffen den künftigen Schutzstatus von bedrohten Wildtieren und -pflanzen. Die 17. CITES-Vertragsstaatenkonferenz entscheidet darüber vom 24. September bis 5. Oktober 2016 in Johannesburg, Südafrika.

Nashorn-Handelsantrag schockiert Tierschützer

Das kleine Königreich Swasiland sorgt für Empörung mit seinem Plan, Rhino-Horn als Wunderheilmittel nach Fernost zu verkaufen. Knapp 10 Millionen Dollar soll der Verkauf von 330 Kilo Horn aus Lagerbeständen bringen, das lebenden Tieren entfernt wurde oder sogar aus Wilderei und Beschlagnahmen stammt. Jedes Jahr würden angeblich weitere 20 Kilo Horn anfallen. Nur 73 Breitmaulnashörner gibt es in Swasiland. „Der Vorschlag würde das seit 1977 geltende internationale Handelsverbot mit Nashorn außer Kraft setzen und alle Versuche unterminieren, die Nachfrage in den illegalen Absatzmärkten in Asien und die Wilderei in den Griff zu bekommen. Wir gehen davon aus, dass die internationale Staatengemeinschaft diesem fatalen Plan eine Absage erteilen wird. Swaziland sollte seinen Antrag schleunigst zurück ziehen, um Wilderern keinen Anreiz zu geben“, so Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Während Naturschützer seit Jahren dafür kämpfen, jeglichen legalen Handel mit Nashorn zu stoppen, treiben private Nashornbesitzer den Verkauf voran. In Swaziland hält die Familie Riley das Monopol über Schutz und Nutzung von Wildtieren: Die Familie betreibt die Schutzgebiete des Landes und verdient an Safaris, Trophäenjagd und Tierhandel. Gleichzeitig stellt sie auch die CITES-Behörde und vertritt Swasiland bei Artenschutzkonferenzen. Sie ist also zugleich Antragsteller, nationale Schutz- und Genehmigungsbehörde und Nutznießer.

Unterstützung erhält Swasiland von Südafrika, dem Gastgeberland der kommenden CITES-Konferenz. „Südafrika kündigte vor wenigen Tagen an, seinen geplanten Handelsantrag fallen zu lassen. Offenbar soll jetzt Swaziland als Türöffner fungieren“, so Freyer. 60 000 Dollar erzielt ein Kilo Nashorn auf dem internationalen Schwarzmarkt. 2015 töteten Wilderer in Afrika die Rekordzahl von 1338 Nashörnern für den asiatischen Markt, davon 1175 in Südafrika. Fünf Nashorn-Arten gibt es weltweit – alle sind durch Wilderei für den lukrativen Nashorn-Handel bedroht.

Elefanten: Außenseiter Simbabwe und Namibia

Streit ist auch bei Elefanten vorprogrammiert: Angesichts der Wildereikrise fordern zahlreiche afrikanische Länder einen besseren Schutz für die grauen Riesen durch insgesamt fünf Initiativen. Sie wollen ein internationales Handelsverbot für Elfenbein sowie einen einheitlichen strengen Schutz aller Elefanten erreichen, die Entwicklung eines Handels-Systems für Elfenbein beenden und die nationalen Elfenbeinmärkte schließen. Außerdem setzen sie sich dafür ein, Lagerbestände zu kontrollieren und den Export lebender Elefanten nur noch für Auswilderungsprojekte zulassen.

Im Widerspruch hierzu stehen Anträge aus Simbabwe und Namibia, die jegliche Beschränkungen für den Handel mit Elfenbein und Tieren aus ihren Ländern aufheben wollen. Damit setzen sie sich über ein geltendes Handels-Moratorium hinweg, das sie selbst mit ausgehandelt haben. Sie ignorieren zudem internationale Vereinbarungen, die Nachfrage einzudämmen und die Ankündigungen der wichtigsten Abnehmerstaaten, die Absatzmärkte zu schließen . „Namibia und Simbabwe haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, sagt Daniela Freyer: „Die Anträge sind bestenfalls eine Provokation und es ist schwer vorstellbar, dass die internationale Staatengemeinschaft ihnen zustimmen wird.“

Haie & Rochen

Für Seidenhaie, drei Arten Fuchshaie und neun Arten Teufelsrochen soll künftig der internationale Handel beschränkt werden. Sie sind durch Überfischung bedroht, unter anderem enden die bedrohten Tiere in Haiflossensuppe und als Medikament in der Traditionellen Asiatischen Medizin. „Widerstand gegen einen besseren Schutz erwarten wir vor allem von Fischereinationen sowie den Hauptabsatzmärkten in Asien“, berichtet Freyer. „2003 wurden erstmals Haie, Rochen und Schwertfische durch CITES geschützt, 15 weitere Arten folgten seither. Jedes Mal war die Entscheidung knapp.“

Löwen: Trophäenjäger wollen keine Kontrollen

Gleich acht afrikanische Länder beantragen den höchsten Schutzstatus für Löwen. Eine Konsequenz des Bestandsrückgangs um 43 Prozent in den letzten 21 Jahren. „Es ist höchste Zeit, den boomenden kommerziellen Handel mit Fellen und Knochen zu verbieten. Wir befürchten jedoch, dass diesen Antrag die Jägerverbände bekämpfen werden, weil er auch Kontrollen für Jagdtrophäen bedeuten würde – wenn auch kein Verbot „, so Freyer. Seit im letzten Sommer der Tod des Löwen Cecil in Simbabwe für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte, verbieten immer mehr Länder den Import von Jagdtrophäen. Vor wenigen Tagen kündigten die Niederlande ein Verbot für Trophäen von insgesamt 200 Arten an, darunter auch Löwen. Die EU schlägt auf der CITES-Konferenz zudem vor, die Ausfuhr von Jagdtrophäen zukünftig strenger zu kontrollieren.

Exotische Heimtiere

Für insgesamt 65 Arten, die durch den Heimtierhandel bedroht sind, steht ein besserer Schutz zur Abstimmung. Für Graupapageien, Berberaffen sowie neun seltene Echsenarten wird ein absolutes Handelsverbot beantragt. Für alle Alligator-Baumschleichen, Zwergchamäleons und zwei afrikanische Giftschlangen soll der weltweite Handel ebenso begrenzt werden wie für eine Gecko-Art, fünf Amphibienarten, zwei Arten Korallenfische und einen Süßwasser-Stachelrochen.

Schuppentiere

Für je vier Arten asiatische und afrikanische Pangoline beantragen zahlreiche afrikanische und asiatische Staaten sowie die USA  ein absolutes Handelsverbot. Die Schuppen der Tiere sind in der Traditionellen Asiatischen Medizin so begehrt, dass der Schwarzmarktpreis circa 1.000 Euro pro Tier beträgt.

Tropenhölzer

350 Arten Rosenholz (Dalbergia) und fünf weitere tropische Baumarten (darunter Bubinga) sollen auf Antrag von Ländern aus Afrika, Lateinamerika und der Europäischen Union international nur noch eingeschränkt verkauft werden dürfen, für 22 Baumarten sollen Handelslücken geschlossen werden.

Teilen: Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone