Gestohlen in der Heimat, frei verkäuflich in der EU

München, 24. November 2014. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife fordert die Einfuhr bedrohter Reptilien nach Europa zu beschränken. Die Artenschützer kritisieren, dass in der Europäischen Union Wildfänge frei verkäuflich sind, die nur in ihren Herkunftsländern geschützt sind und dort nicht eingesammelt werden dürfen – geschweige denn außer Landes gebracht und verkauft. Die Organisationen hat für den Bericht „Stolen Wildlife“ Online-Angebote für national geschützte Arten analysiert. „Professionelle Tierschmuggler haben sich auf solche Arten spezialisiert, denn dies verspricht maximalen Profit bei minimalem Risiko“, so Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife.

Bedroht, aber international nicht geschützt

Der internationale Handel mit gefährdeten Arten wird durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geregelt (englisch CITES). Doch bei weitem nicht alle seltenen Tiere sind durch dieses Abkommen geschützt. Viele Arten sind stark bedroht und dennoch nur in ihrem Ursprungsland geschützt. „Manche dieser Tiere sind so selten oder erst neu entdeckt, dass man kaum etwas über sie weiß – also kann es für die Art noch gar keine internationale Handelsregulierung geben. Das nutzen Händler mit krimineller Energie aus“, berichtet Sandra Altherr, die für Pro Wildlife den Reptilienhandel seit vielen Jahren beobachtet.  Sie beobachtet, dass seltene und nur national geschützte Reptilien aus biologischen „Hotspots“ wie Sri Lanka, Indonesien, Neuseeland oder Guatemala Preise von mehreren tausend Euro pro Paar erzielen können.

8.000 Euro für ein Paar kleiner Echsen

Reptilien sind stumm, zäh und meistens klein –  und damit einfach zu schmuggeln. Kuriere bringen die illegalen Wildfänge national geschützter Arten über die Grenze.  Ab dann haben die Schmuggler nichts mehr zu befürchten. Die Reptilien wurden zwar illegal gefangen, die Behörden in den Absatzländern, allen voran die EU, haben jedoch keine rechtliche Handhabe. „Entsprechend sicher fühlen sich die Händler und bieten solche Tiere ganz offen auf einschlägigen Internetportalen und auf Facebook an – auch wenn viele Inserate nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden“, berichtet Altherr. „Besonders wertvoll gelten aktuell Borneo-Taubwarane mit 8.000 Euro/Paar, neuseeländische Waldgeckos mit 5.300 Euro/Paar und fransige Baumschleichen aus Guatemala mit 2.800 Euro pro Paar.“

Deutschland ist Drehscheibe für Reptilien-Handel

„Oft ziehen die Fänger in der Brutsaison los und sammeln trächtige Weibchen ein – der Nachwuchs schlüpft dann schon im heimischen Terrarium und der Händler kann angebliche Nachzuchten anbieten“, berichtet Altherr.  Für den Bericht „Stolen Wildlife“ hat Pro Wildlife Angebote für national geschützte Arten im Internet analysiert, die Händler aus ganz Europa , aber auch aus Russland inserieren . Als Übergabeort geben die Inserenten oft Hamm an. In der nordrhein-westfälischen Stadt hat sich im Umfeld der weltweit größten Reptilienbörse eine Drehscheibe für den Reptilienhandel in ganz Europa entwickelt.

Pro Wildlife: EU muss bedrohte Arten schützen

„Arten, die in ihrem Herkunftsland geschützt sind, müssen in Europa genau den gleichen Schutz bekommen. Es ist völlig inakzeptabel, dass die EU-Länder den Verkauf illegal eingefangener und außer Landes geschmuggelter Tiere dulden“, sagt Altherr. „Die USA haben mit ihrem so genannten Lacey Act ein Gesetz, das den illegalen Fang und Export im Herkunftsland auch in den USA strafbar macht. Unsere Recherchen haben gezeigt: In Europa ist so ein Gesetz mehr als überfällig“.

 

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