CDU verhindert besseren Schutz für Wildtiere

München, 07. Juni 2013. Am Freitag hat die Regierungskoalition im Bundestag ihre Unterstützung für einen Antrag von SPD und Grünen verweigert, den weitgehend unkontrollierten Handel mit nicht heimischen Wildtieren in Deutschland zu regulieren. Auch ein ähnlicher Antrag der Linken fand keine Mehrheit. Beide Anträge wurden in den Umwelt-Ausschuss verwiesen. „Aufgrund des Endes der Legislaturperiode bedeutet dies ein Versenken im Papierkorb. Hiermit hat sich die CDU in Tier- und Artenschutzfragen einmal mehr disqualifiziert. Sie trägt die Verantwortung dafür, dass der Ausverkauf der Natur in armen Herkunftsländern ungebremst weitergehen kann – für den Nachschub in deutschen Terrarien“, sagt Sandra Altherr von der Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife.
Beide Anträge hatten gefordert, den kommerziellen Handel und die Haltung von Wildtieren auf die Arten zu begrenzen, die nicht bedroht und artgerecht zu halten sind. Die Importe von Wildfängen für den Heimtierhandel sollten beschränkt und  Tierbörsen strenger reglementiert werden.

Deutschland ist Zentrum des internationalen Wildtierhandels

Mit durchschnittlich 600.000 lebenden Reptilien jährlich importiert Deutschland innerhalb der EU mit Abstand die meisten lebenden Reptilien –  ganz legal. Zu anderen Wildtiergruppen wie Meerwasserzierfischen, Amphibien oder exotischen Säugetieren liegen keine detaillierten Einfuhrzahlen vor.  Massenentnahmen aus der Natur für den Heimtierhandel führen in Herkunftsländern wie Honduras, Madagaskar, Sri Lanka oder Indonesien oft zum Zusammenbruch der Bestände. „Immer neue Arten werden durch diesen Handel bedroht. Da viele gefährdete Arten international nicht geschützt sind, wie bestimmte Geckos aus Tansania, Leguane aus Honduras oder Agamen aus Sri Lanka, geht die Plünderung ihrer Bestände ungehindert weiter. Je seltener eine Art, umso beliebter ist sie bei Sammlern“, betont die Pro Wildlife Sprecherin.

Überraschende Kehrtwende der CDU

Noch im Frühjahr hatten die Experten aller Bundestagsfraktionen den Antrag miteinander erarbeitet, doch nun machte die CDU eine Kehrtwende: „Dieser  Sinneswandel ist nicht nachvollziehbar “, kritisiert die Biologin Altherr. „Die Ablehnung der CDU ist nicht fachlich begründet, sondern rein politisch motiviert.“ Im April 2013 hatte die SPD einen Antrag „Wildtierhandel und -haltung in Deutschland einschränken und so den Tier- und Artenschutz stärken“ in den Bundestag eingebracht. Im Umwelt- und Agrarausschuss verständigten sich alle Fraktionen darauf, diesen zu einem gemeinsamen Antrag zu machen. Nach der überraschenden Kehrtwende der CDU folgten CSU und FDP. SPD und Grüne reichten den mit Schwarz-Gelb zuvor koordinierten Antrag ein, der am Freitag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP blockiert und verschleppt wurde.

Die weltweit größte Wildtierbörse findet in Deutschland statt

Die Entscheidung des Bundestages fiel zwei Tage vor der „Terraristika“, der weltgrößten Reptilienbörse. Am kommenden Samstag werden in Hamm/Westfalen wieder zahllose Wildfänge aus allen Kontinenten verkauft. „Diese Veranstaltung ist der Inbegriff eines völlig außer Kontrolle geratenen Handels mit Wildtieren – und auch in Zukunft werden dort Zehntausende Reptilien und Amphibien in Plastikdosen verscherbelt, und wieder werden bedrohte Arten darunter sein“, resümiert Altherr.
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>> Hier finden Sie den Originaltext der Anträge von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen sowie der Linken

CDU verhindert besseren Schutz für Wildtiere

 

München, 07. Juni 2013. Am Freitag hat die Regierungskoalition im Bundestag ihre Unterstützung für einen Antrag von SPD und Grünen verweigert, den weitgehend unkontrollierten Handel mit nicht heimischen Wildtieren in Deutschland zu regulieren. Auch ein ähnlicher Antrag der Linken fand keine Mehrheit. Beide Anträge wurden in den Umwelt-Ausschuss verwiesen. „Aufgrund des Endes der Legislaturperiode bedeutet dies ein Versenken im Papierkorb. Hiermit hat sich die CDU in Tier- und Artenschutzfragen einmal mehr disqualifiziert. Sie trägt die Verantwortung dafür, dass der Ausverkauf der Natur in armen Herkunftsländern ungebremst weitergehen kann – für den Nachschub in deutschen Terrarien“, sagt Sandra Altherr von der Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife.
Beide Anträge hatten gefordert, den kommerziellen Handel und die Haltung von Wildtieren auf die Arten zu begrenzen, die nicht bedroht und artgerecht zu halten sind. Die Importe von Wildfängen für den Heimtierhandel sollten beschränkt und  Tierbörsen strenger reglementiert werden.

 

Deutschland ist Zentrum des internationalen Wildtierhandels

Mit durchschnittlich 600.000 lebenden Reptilien jährlich importiert Deutschland innerhalb der EU mit Abstand die meisten lebenden Reptilien –  ganz legal. Zu anderen Wildtiergruppen wie Meerwasserzierfischen, Amphibien oder exotischen Säugetieren liegen keine detaillierten Einfuhrzahlen vor.  Massenentnahmen aus der Natur für den Heimtierhandel führen in Herkunftsländern wie Honduras, Madagaskar, Sri Lanka oder Indonesien oft zum Zusammenbruch der Bestände. „Immer neue Arten werden durch diesen Handel bedroht. Da viele gefährdete Arten international nicht geschützt sind, wie bestimmte Geckos aus Tansania, Leguane aus Honduras oder Agamen aus Sri Lanka, geht die Plünderung ihrer Bestände ungehindert weiter. Je seltener eine Art, umso beliebter ist sie bei Sammlern“, betont die Pro Wildlife Sprecherin.

 

Überraschende Kehrtwende der CDU

Noch im Frühjahr hatten die Experten aller Bundestagsfraktionen den Antrag miteinander erarbeitet, doch nun machte die CDU eine Kehrtwende: „Dieser  Sinneswandel ist nicht nachvollziehbar “, kritisiert die Biologin Altherr. „Die Ablehnung der CDU ist nicht fachlich begründet, sondern rein politisch motiviert.“ Im April 2013 hatte die SPD einen Antrag „Wildtierhandel und -haltung in Deutschland einschränken und so den Tier- und Artenschutz stärken“ in den Bundestag eingebracht. Im Umwelt- und Agrarausschuss verständigten sich alle Fraktionen darauf, diesen zu einem gemeinsamen Antrag zu machen. Nach der überraschenden Kehrtwende der CDU folgten CSU und FDP. SPD und Grüne reichten den mit Schwarz-Gelb zuvor koordinierten Antrag ein, der am Freitag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP blockiert und verschleppt wurde.

 

Die weltweit größte Wildtierbörse findet in Deutschland statt

Die Entscheidung des Bundestages fiel zwei Tage vor der „Terraristika“, der weltgrößten Reptilienbörse. Am kommenden Samstag werden in Hamm/Westfalen wieder zahllose Wildfänge aus allen Kontinenten verkauft. „Diese Veranstaltung ist der Inbegriff eines völlig außer Kontrolle geratenen Handels mit Wildtieren – und auch in Zukunft werden dort Zehntausende Reptilien und Amphibien in Plastikdosen verscherbelt, und wieder werden bedrohte Arten darunter sein“, resümiert Altherr.
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>> Hier finden Sie den Originaltext der Anträge von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen sowie der Linken

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