Tierschützer kritisieren deutsche Regierung: Koalitionsbruch statt Schutz von Wildtieren.

München, 24. März 2016. In Österreich gilt ab 1. April ein Verkaufsverbot für Wildtiere auf Börsen, künftig ist nur noch der Tausch von Wildtieren unter Privathaltern möglich. Die Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife gratuliert Österreich zu diesem Schritt und fordert die Bundesregierung auf, auch in Deutschland den unkontrollierten Handel mit exotischen Haustieren zu begrenzen.
„Österreich macht Schluss mit dem kommerziellen Verramschen von Wildtieren auf Börsen. In Deutschland hingegen schaut die Politik tatenlos zu, wie Arten geplündert und auf Flohmärkten verkauft werden, die vom Aussterben bedroht oder gar in ihrem Herkunftsland streng geschützt sind“, kommentiert Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. „Zwar ist im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien ein Verbot für „gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere“ vereinbart, aber die Union blockiert bislang die Umsetzung.“

Österreich reguliert Wildtierhandel

In der sog. Tierschutz-Veranstaltungsverordnung des österreichischen Bundesgesundheitsministeriums heißt es schlicht „Kaufbörsen mit Wildtieren sind verboten.“ Der Verkauf von Wildfängen war bereits seit 2005 in Österreich verboten, doch wurden Wildfänge oft einfach als „Nachzuchten“ ausgegeben; die neue Verordnung schließt diese gefährliche Gesetzeslücke.

Tierbörsen – ein Tier- und Artenschutzproblem

Kommerzielle Wildtierbörsen stellen ein großes Tier- und Artenschutzproblem dar: Die Tiere werden in kleine Plastikboxen gepfercht und teils quer durch Europa transportiert, um sie auf großen Börsen zu verkaufen. „Sogar bedrohte Arten, gerade erst entdeckte Raritäten oder in ihrer Heimat streng geschützte Tiere landen auf diesen Tier-Flohmärkten“, so die Pro Wildlife Sprecherin. „Gerade kommerzielle Händler bieten ein breites Artenspektrum sowie viele Wildfänge an und setzen auf den schnellen Umsatz statt gründlicher Beratung.“

Deutschland: Koalitionsbruch statt Regelungen für den Exotenhandel

In Deutschland hatte die SPD in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung 2013 folgenden Passus hinein verhandelt: „Wir verbessern den Wildtierschutz und gehen gegen  Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel und deren Produkte vor; Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren wird bundeseinheitlich geregelt. Importe von Wildfängen in die EU sollen grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden.“  CDU und CSU blockieren seither die Umsetzung dieser Vereinbarung – aus Sicht von Pro Wildlife ein klarer Koalitionsbruch. „Statt den Koalitionsvertrag umzusetzen, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium gerade eine Studie gestartet, die über eineinhalb Jahre untersuchen soll, ob es überhaupt ein Problem gibt“, so Altherr. „Und damit die eklatanten Probleme nicht allzu deutlich werden, findet die Studie unter Ausschluss der Tier- und Naturschutzorganisationen statt und beruht auf einer Befragung der Tierhalter.“ Österreich hingegen schränkt den Handel mit Wildtieren immer weiter ein.
Die österreichische Reptilienbörse Exotica, mit Veranstaltungen in Wien und St. Pölten, war bislang Treffpunkt von über 100 Verkäufern und tausenden Besuchern aus ganz Europa – Die Börse am 6. März in St. Pölten war wohl die letzte ihrer Art. In Deutschland findet viermal jährlich die weltgrößte Reptilienbörse statt, die Terraristika in Hamm / NRW.
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