Norwegen will Walfang und Walfleischexporte weiter ausbauen.

München, 28. März 2017. Für die neue Jagdsaison in Norwegen ab 1. April hat die Regierung in Oslo den Abschuss von 999 Zwergwalen freigegeben – eine Erhöhung um 13 Prozent (880 Tiere) gegenüber dem Vorjahr. Mittelfristig sollen gar 2.000 Zwergwale pro Jahr getötet werden. „In den letzten zwei Jahrzehnten hat Norwegen seine Waljagd systematisch ausgebaut – mit immer höheren Fangquoten, steigenden Walfleischexporten und immer weniger Auflagen für die Jagd“, berichtet Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Norwegen ist Walfänger Nr. 1

Lange blieb Norwegens Waljagd weitgehend unbeachtet – die Kritik konzentrierte sich auf Japan und Island. 2016 hatte der Bericht „Frozen in Time“ von Pro Wildlife, OceanCare (Schweiz) und Animal Welfare Institute (USA) gezeigt, dass Norwegen sich in den letzten Jahren zum weltgrößten Walfänger entwickelt hat. Die Europäische Union und die USA hatten daraufhin bei der letzten Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) ein Ende der Jagd und der Walfleischexporte gefordert. Nun hat Norwegen die Fangquote sogar noch erhöht.

Norwegen ignoriert internationale Artenschutzübereinkommen

Norwegen setzt sich über das kommerzielle Jagdverbot der IWC hinweg, die Regierung setzt eigenmächtige Quoten fest: Für 2017 hat Oslo eine Quote von 999 Zwergwalen freigegeben, das Fischereiministerium hat erst kürzlich angekündigt, dass man diese Quote künftig gar verdoppeln könne. Norwegen nutzt seit Jahren eine eigene Berechnungsgrundlage, die von der IWC ausdrücklich abgelehnt wird.

Auch das internationale Handelsverbot durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (englisch CITES) wird ignoriert, die Walfleischexporte nach Japan begannen 2014 und sind seither regelrecht eskaliert: 2014 waren es 82 Tonnen, 2015 bereits 90 Tonnen und 2016 schließlich über 197 Tonnen, kleine Mengen gingen auch auf die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln und nach Island. „Bei beiden Artenschutzkonventionen hat Norwegen fristgerecht einen Vorbehalt eingelegt und ist somit formaljuristisch nicht daran gebunden. Jedoch torpediert Norwegen mit seiner eigenmächtigen Jagd diese wichtigen Artenschutzentscheidungen“, betont Altherr. „Es ist überfällig, dass die EU endlich gegen den Walfang in europäischen Gewässern aktiv wird.“

Die weitaus meisten getöteten Wale sind trächtige Weibchen

Ein neuer Dokumentarfilm „Slaget om kvalen“ – übersetzt etwa „Die Schlacht um die Wale“ – zeigt, dass 90 Prozent der dort getöteten Zwergwale weiblich sind, die meisten davon trächtig. „Norwegens Walfang beeinträchtigt damit den Bestand der Zwergwale weit mehr als bisher gedacht – denn pro getötetem Weibchen stirbt auch der Nachwuchs“, so die Biologin Altherr. Regierung und Walfänger wiegeln jedoch ab, der hohe Anteil trächtiger Tiere sei ein Zeichen, wie gesund die Wale seien. „Das ist zynisch. Der Zwergwal ist zwar aktuell keine bedrohte Art, aber die Tiere, insbesondere die Föten, sterben einen qualvollen Tod“, kritisiert die Pro Wildlife-Sprecherin.

Hintergrundinformationen:

» Hintergründe zu Norwegens Walfang

» Bericht „Frozen in Time“

» Norwegischer Artikel zum Anteil trächtiger Wale

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