München/Oslo, 7. März 2018.

Regierung in Oslo will Walfangindustrie pushen

Norwegens Regierung hat die Walfangquote für 2018 gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent erhöht – statt 999 sind nun 1.287 Zwergwale für die am 1. April startende Saison zum Abschuss freigegeben. „Oslo versucht, durch höhere Quoten und laxere Auflagen den kommerziellen Walfang wiederzubeleben. Doch Quote und Wirklichkeit klaffen auseinander: Im Vorjahr wurden mit 428 tatsächlich gefangenen Tieren so wenige Zwergwale getötet wie seit 20 Jahren nicht mehr, “ kommentiert Dr. Sandra Altherr von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Lagen die genehmigten Fangquoten über Jahre bei 880 Tieren, erhöhte die Regierung die Quote bereits 2017 auf 999 Tiere, nun sogar auf 1.286 Zwergwale. Darüber hinaus hat Norwegen in den letzten Jahren sukzessive die Auflagen für den Walfang gelockert:

  • War die Walfangsaison lange Jahre auf April bis Ende August begrenzt, wurde sie 2010 und 2012 verlängert; seit 2013 gibt es kein offizielles Ende der Fangsaison mehr.
  • Bis 2010 war die Gesamtquote auf verschiedene Walfanggebiete aufgeteilt, um die Bestände zu schonen; 2011 wurde dies aufgehoben.
  • Bis 2003 war die Anwesenheit eines Inspektors auf den Walfangbooten Pflicht, danach wurde schrittweise eine Computerüberwachung eingeführt, 2007 waren schließlich alle Inspektoren an Bord abgeschafft.

Diese Lockerungen konnten zwischenzeitlich die Zahl gefangener Zwergwale erhöhen: 2014 wurden mit 736 Zwergwalen die meisten Tiere seit Wiederaufnahme der Jagd im Jahr 1993 getötet. Damit war Norwegen Walfangland Nr. 1 – vor Japan und Island. Seither hagelte es internationale Kritik: Ein Bericht von Pro Wildlife und anderen Verbänden zeigte 2016 Norwegens besorgniserregende Entwicklung. Auf der Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) wenig später äußerten die EU und die USA scharfe Kritik; im September 2017 forderte eine Resolution des EU-Parlamentes ein Ende von Norwegens Walfang. Zwar gilt seit 1986 ein kommerzielles Walfangverbot der IWC, jedoch hat Norwegen fristgerecht einen Vorbehalt eingelegt und ist damit formaljuristisch nicht daran gebunden.

2017 meldeten sich nur 11 Fischerboote für die Waljagd an – weit weniger als in den Jahre zuvor. „Die niedrige Fangzahl von 2017 gibt uns Grund zur Hoffnung – doch andererseits ist es schockierend, dass Norwegens Regierung mit immer neuen Maßnahmen versucht, die Waljagd auszubauen. Die Europäische Union muss ihren Druck auf Norwegen erhöhen, wenn dieser überflüssige und grausame Walfang aufhören soll“, so Altherr abschließend. In Norwegen selbst gibt es keine nennenswerte Nachfrage nach Walfleisch, in den letzten Jahren fanden deshalb verstärkt Exporte nach Japan statt.

Mehr Informationen:

>> Pressemitteilung der norwegischen Regierung

>> Mehr zu Norwegens Walfang

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