Immer mehr Länder verbieten die Einfuhr von Löwen-Jagdtrophäen.

München, 21. Dezember 2015. Schwere Zeiten für Kendall Jones, Walter Palmer und andere Löwenjäger: Ab Januar gelten Löwen in den USA als bedrohte Art. Einfuhren von Jagdtrophäen und anderen Produkte werden damit weitgehend verboten. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt diesen Schritt und  fordert die Bundesregierung auf, ebenfalls keine Löwentrophäen mehr ins Land zu lassen. Nach Spanien ist Deutschland das EU-Land mit den meisten Trophäeneinfuhren.
Ab dem 23. Januar verbieten die US-Behörden weitgehend die Einfuhr von Löwen-Jagdtrophäen. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung möglich, wenn der Import nachweislich einen Beitrag zum Artenschutz leistet. Bestände in West- und Zentralafrika gelten als stark gefährdet, in Süd- und Ostafrika als bedroht. Eine weitere Regelung soll zudem dafür sorgen, dass Personen, die gegen Artenschutzbestimmungen verstoßen haben, zukünftig keine gefährdeten Arten oder deren Trophäen mehr einführen dürfen.

EU beschränkt Importe von Löwentrophäen – ein bisschen

Die meisten Löwenjäger kommen aus den USA, alleine 2014 importierten sie 741 Tiere. An zweiter Stelle steht die EU. Auch sie erschwert die Einfuhr von Löwen-Trophäen: Sie verbietet mittlerweile den Import aus fünf Ländern. Doch Pro Wildlife geht das nicht weit genug. Die Organisation fordert, dass die EU die Trophäen-Importe gefährdeter Arten ganz stoppt. „Jagdländer wie Südafrika, Tansania und Simbabwe geben jedes Jahr hunderte Löwen zum Abschuss frei und können weiterhin ungehindert Trophäen in die EU exportieren“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Dabei ist Afrikas Löwenbestand dramatisch eingebrochen und es gibt aus keinem Land verlässliche Zahlen“. Vorbild könnte Frankreich sein: Frankreichs Umweltministerin hatte im November als erstes EU-Land ein Einfuhrverbot für alle Löwentrophäen erlassen und angekündigt, sich in der EU für strengere Kontrollen von Jagdtrophäen anderer Tierarten einzusetzen. Auch das britische Ministerium hatte Anfang Dezember Schritte gegen die Löwenjagd angekündigt. Australien verbot bereits im März 2015 die Einfuhr aller Löwentrophäen. In der Kritik steht auch die in Südafrika übliche „Gatterjagd“ auf gezüchtete, handaufgezogene Löwen. Ihr fallen jährlich 800 Tiere zum Opfer. Es wird erwartet, dass die neuen US-Regelungen auch die Einfuhr gezüchteter Löwen beenden werden.
Löwen sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) international geschützt. Eine Einfuhr in die EU ist nur möglich, wenn die zuständige Behörde des Importstaates – in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz – bescheinigt, dass die Einfuhr die Erhaltung der Art oder das Verbreitungsgebiet der Population nicht beeinträchtigt und dass Jagd und Ausfuhr legal sind. Artenschützer wie Pro Wildlife bezweifeln, dass diese Voraussetzungen für Löwen und andere bedrohte Arten erfüllt sind und fordern Einfuhrverbote. „Wir beobachten, dass viele EU-Mitgliedsstaaten mittlerweile sensibilisiert sind was die Jagd auf bedrohte Arten angeht“, so Freyer.

Löwen sterben aus

Der Löwenbestand in Afrika ist in den letzten 21 Jahren um mehr als  40 Prozent zurückgegangen, in manchen Gebieten sogar um 60 Prozent. In mindestens 12, vielleicht sogar 16 afrikanischen Ländern sind Löwen bereits ausgestorben. Afrikaweit wird der Bestand auf weniger als 20.000 Tiere geschätzt. Zudem gehen genetische Untersuchungen davon aus, dass es in Afrika zwei getrennte Unterarten gibt: Löwen in West- und Zentralafrika sind näher mit dem Asiatischen Löwen verwandt als mit der in Süd- und Ostafrika lebenden Unterart.
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