Pro Wildlife: „Großwildjagd ist Neokolonialismus“.

München, 5. August 2015. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife fordert ein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen. Die Großwildjagd macht selbst vor hochbedrohten Arten wie Nashörnern, Waldelefanten und Eisbären nicht halt. Auf Jagdmessen, im Internet und bei speziellen Jagdreiseanbietern können solche Abschüsse ganz legal gebucht werden. „Die Großwildjagd ist nicht nur sinnlose Lust am Töten. Sie gefährdet Tierbestände, leistet dem illegalen Tierhandel Vorschub und fördert Korruption. Das muss endlich ein Ende haben“, fordert Daniela Freyer von Pro Wildlife. Punktuelle Jagd-, Einfuhr- und Transportverbote für bestimmte Arten und Länder werten die Tierschützer als ersten Schritt, der jedoch nicht weit genug geht.

Beispiel Löwe

Laut der Roten Liste gefährdeter Arten sank Afrikas Löwenbestand in 21 Jahren um 42 Prozent. Der Gesamtbestand wird auf nur noch 20.000-36.000 Tiere geschätzt. In mindestens 12 Ländern ist die Raubkatze mittlerweile ausgerottet. Seit Jahren warnen Wissenschaftler, dass die Jagd verschiedene Löwenpopulationen gefährdet, trotzdem sterben jedes Jahr Hunderte Tiere durch Trophäenjäger. Eine Studie der Universität Oxford in Simbabwe zeigt: 72 Prozent der mit Funkhalsbändern ausgestatteten erwachsenen Männchen, die den Hwange-Nationalpark kurzfristig verließen, wurden von Trophäenjägern erlegt. Die Forscher vermuten, dass sie wie Cecil mit Ködern an die Parkgrenze gelockt wurden. „Eine Löwenjagd kann 50.000 US-Dollar und mehr einbringen, deswegen wird noch den letzten männlichen Tieren gnadenlos nachgestellt“, so Freyer. „Die Großwildjagd hat auch deshalb so fatale Auswirkungen, weil sie auf die stärksten, erfahrensten und für die Arterhaltung wichtigsten Tiere abzielt.“ Studien belegen, dass Jäger zunehmend jüngere Tiere erlegen, weil die begehrten kapitalen männlichen Löwen inzwischen fehlen. Der Abschuss eines Rudelchefs ist in der Regel auch das Todesurteil für seinen Nachwuchs: Übernimmt ein neues Männchen das Rudel, dann tötet es die Jungen des Vorgängers, um schneller eigenen Nachwuchs zeugen zu können.

Trophäenjagd ist grausam und rechtlich fragwürdig

Mit dem deutschen Tierschutzgesetz, nach dem das Töten ohne vernünftigen Grund strafbar ist, ist die reine Trophäenjagd ohnehin nicht vereinbar. Zudem sind im Ausland erlaubte Jagdpraktiken – wie die Jagd mit Pfeil und Bogen, die Gatterjagd oder Jagd mit Ködern – in Deutschland illegal. Die Branche schreckt auch nicht davor zurück, an die Grenzen der Legalität zu gehen: Gleich mehrere deutsche Jagdreiseveranstalter bieten den Abschuss von Elefanten in Kamerun an, obwohl die Einfuhr von dort in die EU seit Jahren verboten ist. In Südafrika nutzten Jagdfarmbesitzer Ausnahmegenehmigungen für Trophäenjäger, um das Horn gejagter Rhinozerosse in den illegalen Handel nach Asien einzuschleusen.

Armutsbekämpfung als Feigenblatt

Jäger propagieren die Großwildjagd gerne als Beitrag zum Artenschutz und zur Armutsbekämpfung. „Die Armut vor Ort wird gerne als Feigenblatt missbraucht, um die Trophäenjagd gesellschaftsfähig zu machen“, betont Freyer. In Afrika erhält die lokale Bevölkerung im Durchschnitt jährlich nur 0,2 € pro Person aus dem Jagdtourismus. In Botsuanas Okavango-Delta schafft der Fototourismus 39 Mal mehr Jobs als die Jagd. „Für die Menschen vor Ort ist auch nicht nachvollziehbar, warum ausländische Großwildjäger bedrohte Tiere abschießen dürfen, während ihnen selbst dafür Gefängnis droht. Großwildjagd ist schlimmster Neokolonialismus und setzt ein fatales Signal in Zeiten massiven Artenschwundes“, so Freyer.

Jagd- und Einfuhrverbote infolge steigender Artenschutzprobleme

Um die negativen Auswirkungen der Jagd einzudämmen, beschließen immer mehr Länder und auch Airlines Jagd-, Einfuhr- und Transportverbote:

  • Simbabwe kündigte nach Cecils Tod an, die Jagd vorübergehend auszusetzen.
  • Kenia (seit 1977) und Botswana (seit Januar 2014) verbieten die Großwildjagd und setzen stattdessen auf den wesentlich lukrativeren Fototourismus.
  • Viele Fluglinien, darunter Lufthansa Cargo, Delta, United, American Airlines . British Airways, Virgin Atlantic, KLM, Iberia, Air France, Emirates, Qantas, Singapore Airlines, Air Canada stoppten in den letzten Wochen den Transport von Trophäen verschiedener Arten aus Afrika.
  • Die USA verbieten seit 2014 die Einfuhr von Elefanten aus Simbabwe und Tansania und prüfen derzeit Einfuhrbeschränkungen für Löwen.
  • Australien verbietet Jägern die Einfuhr von Löwen, Elefanten und Nashörnern.
  • In der EU gelten bereits Einfuhrverbote für Löwen aus Benin, Burkina Faso, Kamerun und Äthiopien. Aus den wichtigsten Löwenjagdländern Tansania, Südafrika und Simbabwe ist die Einfuhr jedoch weiterhin erlaubt.
  • Anfang Juni verbot die EU die Einfuhr von Elefantentrophäen aus Tansania, Mosambik und Sambia. Hierzu rang sich die EU erst durch, nachdem Pro Wildlife einen Rückgang der Elefantenbestände um bis zu 60 Prozent nachwies. „Aus vielen Ländern, in denen die Wildtierbestände dezimiert sind, wo Korruption und Missmanagement herrschen, dürfen Großwildjäger weiterhin Trophäen importieren, denn die EU tritt das Vorsorgeprinzip mit Füßen“, kritisiert Freyer.

Hintergrund:

Viele bei Trophäenjägern begehrte Tiere stehen nicht nur auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten, sondern sind auch international durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Englisch: CITES) geschützt. Der Handel mit ihnen ist verboten (Anhang I-Arten wie z.B. Elefant, Nashorn, Leopard) oder beschränkt (Anhang II-Arten wie Löwe, Eisbär, Braunbär, Wolf). Für die Einfuhr von Jagdtrophäen gelten jedoch Ausnahmen: Sogar streng geschützte Arten dürfen eingeführt werden, wenn entsprechende Genehmigungen vorliegen. Laut EU-Artenschutzverordnung dürfen die zuständigen EU-Behörden (in Deutschland das Bundesamt für Naturschutz) die Einfuhr nur dann genehmigen, wenn sie überprüft haben, dass die Jagd legal war und die Art und das Verbreitungsgebiet der betroffenen Population nicht beeinträchtigt. Für ungeschützte Arten (z.B. Büffel) gelten keinerlei Einfuhrkontrollen.

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