Geschützte Seiwale und seltene Zwergwale im Visier.

München, 14. Juni 2017. Japans Walfangflotte ist für die Jagd im Nordpazifik ausgelaufen. Trotz internationaler Kritik und Verstößen gegen internationales Artenschutzrecht sollen in den kommenden Wochen 134 Seiwale und bis zu 170 Zwergwale harpuniert werden. Mit dem Auslaufen der Schiffe ist auch der Startschuss für ein neues zwölfjähriges Programm unter dem Deckmantel der Wissenschaft gefallen; mehr als 3.600 Wale sollen getötet werden. Dabei hatte sich erst vergangene Woche der Wissenschaftsausschuss der Internationalen Walfangkommission (IWC) gegen die Waljagd im Nordpazifik ausgesprochen.

Bedrohte Wale im Visier

 „Seiwale sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (englisch CITES) streng geschützt – dies gilt auch für Japan. Zudem töten japanische Walfänger auch die stark bedrohten Zwergwale der sogenannten J-Population. Damit setzt sich Japan über internationale Bestimmungen und Kritik hinweg“, betont Dr. Sandra Altherr, Walexpertin bei Pro Wildlife. Zwergwale im Nordpazifik sind in zwei Subpopulationen aufgeteilt, den häufigeren „O-Stock“ „und den äußerst seltenen „J-Stock“. Gerade erst hat der IWC-Wissenschaftsausschuss auf die kritische Situation des J-Stocks hingewiesen: Jeglicher Fang stellt eine starke Bedrohung für diese seltenen Tiere dar.

Japan ignoriert internationale Artenschutzkonventionen

Ende vergangenen Jahres schockierte Japan die internationale Staatengemeinschaft mit der Präsentation seines neuen Walfangprogramms im Nordpazifik, NEWREP-NP. Das Programm läuft über zwölf Jahre, zunächst war eine jährliche Quote von 140 Seiwalen und 173 Zwergwalen vorgesehen, diese wurde vergangene Woche auf 134 bzw. 170 Tiere reduziert. NEWREP-NP ignoriert und unterwandert gleich mehrere internationale Beschlüsse:

  • Seit 1986 gilt ein kommerzielles Walfangverbot der IWC. Japan umgeht dieses Verbot, indem es ein Schlupfloch der IWC nutzt: „Im Rahmen von Forschungsprojekten dürfen Wale getötet werden – im Sinn hatte die IWC dabei jedoch die Entnahme einzelner Tiere, nicht das Abschlachten tausender Wale“, erläutert Altherr.
  • Seiwale sind in CITES Anhang I gelistet, ein kommerzieller Handel ist damit nicht erlaubt. Japan hatte es versäumt, fristgerecht einen Einspruch gegen diesen Schutzstatus einzulegen – das Anlanden von Seiwalen aus internationalen Gewässern für kommerzielle Zwecke ist somit ein klarer Verstoß gegen CITES. Denn der kommerzielle Hintergrund ist unbestritten: Die angeblichen Forschungsobjekte landen in Restaurants und Supermärkten Japans.
  • Erst vergangene Woche veröffentlichte der IWC-Wissenschaftsausschuss seinen Bericht, in dem beide Walfangprogramme, NEWREP-NP und NEWREP-A, abgelehnt wurden: Weder können die Programme wertvolle Neuerkenntnisse durch das Töten von Walen liefern, noch hatte Japan überzeugen können, warum die Forschung nicht am lebenden Wal möglich ist.
  • Auf den beiden letzten IWC-Tagungen 2014 und 2016 wurden Resolutionen verabschiedet, die Japans fadenscheinige Wissenschaftsjagd unter Kontrolle bringen sollten: Die Forschungsprogramme Japans müssen künftig auch vom IWC-Plenum abgesegnet werden. Doch statt die nächste IWC-Tagung im Herbst 2018 abzuwarten, ließ Tokio nun die Walfangschiffe auslaufen.
  • Im März 2014 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag das damalige Walfangprogramm Japans im Antarktisschutzgebiet als unwissenschaftlich und damit nicht im Konsens mit internationalen Abkommen eingestuft. Daraufhin legte Japan sowohl für die Antarktis (NEWREP-A) als auch den Nordpazifik (NEWREP-NP) neue Walfangprogramme vor.

„Wir appellieren an die Europäische Union, endlich gegen Japans eigenmächtigen Walfang vorzugehen. Der Seiwalfang ist ein klarer Verstoß gegen CITES – deshalb sollte die EU dringend CITES-Handelssanktionen gegen Japan einfordern. Auch für die IWC-Tagung nächstes Jahr sollte die EU dringend Initiativen vorbereiten, um Japans Waljagd zu beenden“, so die Pro Wildlife Sprecherin.

Hintergrundinformationen:

>>Japans Walfang in der Arktis und im Nordpazifik

>>Wale im Fokus der Harpunen

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