Löwe Cecil: Was kommt nach der Empörung?

München, 2. Februar 2016. Am 9. Februar startet in Dortmund wieder Europas größte Jagdmesse „Jagd & Hund“ – dutzende Reiseveranstalter verkaufen dort Jagd-Safaris in aller Welt. Seit im Sommer 2015 der berühmte afrikanische Löwe Cecil von einem Trophäenjäger abgeschossen wurde, fordern immer mehr Menschen, die Großwildjagd auf bedrohte Tiere zu verbieten. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife berichtet, was sich verändert hat. Wie reagieren Regierungen, Fluglinien und die Jagdindustrie?

Jagdmesse: Verbot der Gatterjagd auf Löwen?

Die Messeleitung der Westfalenhalle Dortmund hat die Aussteller aufgefordert, die Jagdmethode des so genannten „canned hunting“ nicht mehr anzubieten. Gemeinsam mit dem Landesjagdverband NRW als „ideellem Träger“ der Messe Jagd & Hund hat sie sich gegen diese Jagdmethode ausgesprochen, bei der in Gefangenschaft aufgezogene Löwen und andere Tiere in Gattern getötet werden. Laut Jagdverband habe der Abschuss gezüchteter Löwen in Gattern mit dem Wesen der Jagd nichts zu tun und füge dem Ansehen von Jagd und Jägern in der Öffentlichkeit schweren Schaden zu.
„Die Jagdindustrie versucht vor allem ihr Image aufzupolieren. Wenn die Entscheidung der Messe in Dortmund kein Feigenblatt sein soll, müssen alle unethischen Praktiken und die Jagd auf alle gefährdeten Arten ausgeschlossen werden“, fordert Daniela Freyer von Pro Wildlife. “Eine freiwillige Selbstbeschränkung wird zudem ins Leere laufen, denn kein Jagdanbieter etikettiert sein Angebot offiziell als Gatterjagd“. Deutlich wird dies am Beispiel Südafrika: Hier werden ganz überwiegend in Gefangenschaft aufgezogene Löwen gejagt – etwa 800 Tiere pro Jahr. Für die Jagdmesse haben sich alleine 22 südafrikanische Jagdreise-Anbieter angemeldet, viele von ihnen bieten die Jagd auf Löwen an.

Einfuhrbeschränkungen: Frachtgesellschaften, USA, Frankreich und England reagieren – Deutschland nicht

Während deutsche Großwildjäger ihr Wohnzimmer ungehindert mit Löwenfellen dekorieren können, haben andere Länder die negativen Folgen der Trophäenjagd erkannt und die Einfuhrbestimmungen verschärft.
In den USA gelten Löwen seit Januar 2016 als bedrohte Art. Die Folge: Nur noch in Ausnahmefällen genehmigen die US-Behörden die Einfuhr von Löwentrophäen. Die meisten Löwenjäger kommen aus den USA, 741 Tiere wurden dort alleine 2014 importiert. An zweiter Stelle steht die EU.
Frankreichs Umweltministerin erließ im November ein Einfuhrverbot für alle Löwentrophäen und kündigte an, sich in der EU für strengere Kontrollen von Jagdtrophäen anderer Tierarten einzusetzen. Auch der britische Umweltminister kündigte Importverbote an, falls sich in der Jagdindustrie nichts ändert.
Die EU verbietet mittlerweile die Einfuhr von Löwen-Trophäen aus fünf Ländern, allerdings nicht aus Südafrika, Tansania, Simbabwe und Sambia  – Jagdländer, die seit langem in der Kritik stehen. „Afrikas Löwenbestand ist in nur 21 Jahren um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Afrikaweit wird der Bestand auf weniger als 20.000 Tiere geschätzt. Der Abschuss Hunderter Tiere pro Jahr ist unverantwortlich“, sagt Freyer.
Die deutsche Bundesregierung mauert: Die Forderungen von Artenschützern, die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland zu stoppen oder Einfuhrgenehmigungen für bedrohte Arten zu überdenken, stoßen bisher auf taube Ohren. Eine Kleine Anfrage der Grünen zeigt, dass das in Deutschland zuständige Bundesamt für Naturschutz 99,7 Prozent der Anträge von Großwildjägern für die Einfuhr von streng geschützten Tierarten genehmigt. In zehn Jahren wurden u.a. Jagdtrophäen von 323 Elefanten, 417 Leoparden, 195 Löwen und 26 Nashörnern nach Deutschland eingeführt. Zudem setzten sich Vertreter der Bundesregierung kurz nach dem Skandal um den Löwen Cecil bei einer EU-Sitzung dafür ein, die Einfuhr von Löwentrophäen aus Tansania weiterhin zu erlauben, obwohl Wissenschaftler die Jagd dort seit vielen Jahren kritisieren.
45 Luftfrachtgesellschaften haben erklärt, die Trophäen bestimmter oder aller Tierarten nicht mehr zu befördern. „Wir begrüßen es, dass immer mehr Länder und Frachtgesellschaften Verbote für Trophäen verhängen“, sagt die Biologin Freyer. „Doch die Regelungen sind bisher nur Stückwerk: Sie betreffen nur manche Arten wie Löwen und nur wenige Länder; die deutsche Bundesregierung hat bisher nichts unternommen. Die Einfuhr von Jagdtrophäen muss dringend auf den Prüfstand – und zwar von allen Arten, nicht nur von Löwen“.

19.000 Jagdtrophäen geschützter Arten nach Deutschland eingeführt

Deutschland ist nach Spanien das EU-Land mit den meisten Trophäenimporten. Über 19.000 Jagdtrophäen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützter Arten wurden zwischen 2004 und 2013 nach Deutschland importiert. Etwa 18.000 Menschen, darunter viele Deutsche, reisen jährlich nach Afrika, um dort über 100.000 Wildtiere abzuschießen, darunter viele bedrohte und geschützte Arten. Je seltener und je größer Hörner, Mähnen und Stoßzähne der getöteten Tiere, umso höher der Preis für den Abschuss: Löwen sind für 18.000 – 54.000 Euro zu haben, Elefanten für 17.000-65.000 Euro.
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