München, 20. Februar 2018.

Löwen, Nashörner und Elefanten enden in Österreichs Wohnzimmern.

Vom 22. Februar bis zum 25. Februar findet die Jagdmesse „Hohe Jagd & Fischerei“ in Salzburg statt. 81 auf Jagdreisen spezialisierte Veranstalter präsentieren sich hier – etliche davon bieten ganz legal den Abschuss gefährdeter Arten wie Elefanten, Löwen, Leoparden, Nashörnern oder Eisbären an. Mindestens einer der Anbieter wird zudem beschuldigt, in illegale Wilderei verwickelt zu sein. „Die Jagd auf bedrohte Tierarten aus reiner Trophäengier hat in unserer Zeit keinerlei Existenzberechtigung mehr und muss endlich ein Ende haben“, so Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Alleine in Afrika gehen jedes Jahr über 18.000 Ausländer auf Trophäenjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere. Jäger aus Europa sind neben US-Amerikanern Spitzenreiter bei der Jagd auf geschützte Arten – und Österreich steht bei den Einfuhren in die EU an fünfter Stelle. Laut Datenbank des Washingtoner Artenschutzübereinkommens genehmigte Österreich zwischen 2006 und 2016 die Einfuhr von 142 Stoßzähnen und 59 weiteren Trophäen Afrikanischer Elefanten, 162 Jagdtrophäen von Leoparden, 121 von Braunbären, 102 von Geparden, 101 von Löwen, 8 von Eisbären, 14 von Breitmaulnashörnern, eine von Spitzmaulnashörnern und 173 Trophäen sowie 935 Felle von Bergzebras.

Legale Jagd auf Elefanten, Nashörner und Löwen

„Viele Arten, auf die es Trophäenjäger abgesehen haben, sind in ihrem Heimatland ebenso wie international geschützt. Einheimischen ist die Jagd streng verboten, betuchte Jäger dürfen die bedrohten Arten trotzdem abschießen“, so Freyer. Die meisten EU-Länder erlauben die Einfuhr von Trophäen, sofern eine behördliche Genehmigung bescheinigt, dass alle rechtlichen Bestimmungen eingehalten wurden und die Jagd die Bestände nicht gefährdet. Bei streng geschützten Arten muss die Trophäenjagd sogar einen nachweislichen, erheblichen Beitrag zum Artenschutz leisten. „Die rechtlichen Voraussetzungen für die Trophäeneinfuhr gelten vor allem auf dem Papier – im Auslandsjagdsektor grassiert nachweislich die Korruption und es werden noch die letzten „Trophäenträger“ abgeschossen“, so Freyer. „Hauptsache, es wird Kasse gemacht“.

„Ethische Grundsätze und Regeln, die in Europa gelten, werden bei der Jagd im Ausland missachtet“, ergänzt Freyer. In vielen Ländern ist beispielsweise kein Jagdschein erforderlich. Zudem kommen Jagdmethoden zum Einsatz, die hierzulande verboten sind. Darunter fallen zum Beispiel die Jagd mit Pfeil und Bogen, der Abschuss von gezüchteten Tieren in Jagdgattern oder das Hetzen mit Hunden.

Vom Unsinn der Trophäenjagd – Beispiel Elefant und Löwe

Die Elefantenbestände sind Afrika-weit zurückgegangen. Besonders betroffen von der Wildereikrise ist Tansania: Hier wurden in nur acht Jahren mehr als 60.000 Elefanten gewildert. Trotzdem genehmigen Österreich und andere EU-Länder Elefantenjägern die Einfuhr von Trophäen aus Tansania, ein 2015 verhängtes Einfuhrverbot hob die EU Ende 2017 wieder auf. Kurz darauf, Ende Januar 2018, veröffentlichte der tansanische Umweltminister Hamisi Kigwangalla eine Liste von Jagdbetreibern und Ministerialbeamten, die beschuldigt werden, Wilderei-Syndikate unterstützt zu haben. Sie sollen Jagdgenehmigungen genutzt haben, um mehr Tiere als erlaubt abzuschießen und Elfenbein und andere Körperteile geschützter Arten außer Landes zu bringen. Einer der Beschuldigten, Game Trackers Africa, bietet seine Dienste auch auf der Messe Hohe Jagd & Fischerei in Salzburg an.

Auch die Löwenbestände in Afrika sind kollabiert – in den vergangenen 21 Jahren fast um die Hälfte, auf weniger als 20.000 Tiere. Seit Jahren belegen Wissenschaftler, dass die Jagd zur Dezimierung der Löwenbestände beiträgt. Trotzdem werden weiterhin jedes Jahr Hunderte Tiere durch Trophäenjäger getötet. „Weil eine Löwenjagd 50.000 US-Dollar und mehr einbringen kann, wird noch den letzten männlichen Tieren gnadenlos nachgestellt“, so Freyer. Jäger haben es zudem auf die größten, kapitalsten Tiere abgesehen, die für die Arterhaltung besonders wichtig sind. Der Abschuss eines männlichen Löwen ist auch das Todesurteil für seinen Nachwuchs: Der Nachfolger im Rudel tötet die Jungtiere, um schneller eigenen Nachwuchs zeugen zu können. Infolge der Jagd wird so gleich noch die kommende Generation ausgelöscht. Besonders perfide ist die Löwenjagd in Südafrika. Die meisten dort geschossenen Tiere werden zunächst als Touristenattraktion von Hand auf Farmen großgezogen. Sind sie erwachsen, werden die halbzahmen Löwen beim sogenannten „canned hunting“ (Gatterjagd) in einem umzäunten Gehege erschossen.

Hintergrund: Artenschutz und Armutsbekämpfung

Das wichtigste Argument der Jagdbefürworter ist der Artenschutz, der angeblich mit dem Geld aus der Jagd betrieben wird. Immerhin kostet der Abschuss eines Löwen 15.000-54.000 Euro und eines Elefanten 17.000-65.000 Euro. „Von dem Geschäft mit der Jagd profitieren nachweislich vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter und reiche Jagdfarmbesitzer. Die Menschen vor Ort erhalten bestenfalls Almosen“, so Freyer. Laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) erhält die lokale Bevölkerung aus dem Jagdtourismus durchschnittlich gerade einmal 0,3 US Dollar pro Person und Jahr, sofern die Einnahmen überhaupt umverteilt werden und nicht in dunklen Kanälen verschwinden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass „der Beitrag der Großwildjagd zur sozioökonomischen Entwicklung praktisch null ist. Solche geringen Vorteile motivieren lokale Gemeinschaften nicht. Daher liegt es in ihrem Interesse, die Jagdgebietsgrenzen nicht zu respektieren und zu wildern“. Entsprechend grassiert die Wilderei auch in Jagdgebieten. „Den Menschen vor Ort ist zudem kaum vermittelbar, dass sie Wildtiere nicht jagen und mit deren Fellen, Stoßzähnen und Hörnern handeln dürfen, während dies reichen Jägern aus dem Ausland aus reiner Trophäengier erlaubt wird. Die profitorientierte Jagd auf bedrohte Arten setzt ein fatales Signal und unterläuft internationale Schutzbemühungen“, so Freyer. Holland hat die Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten bereits verboten, Frankreich verbietet immerhin die Einfuhr von Löwentrophäen.

Weitere Informationen:

Hintergrund Trophäenjagd: https://www.prowildlife.de/hintergrund/grosswildjagd-trophaenjagd

Artikel zu Jagdanbietern in Tansania, die der Wilderei beschuldigt sind: https://www.dailynews.co.tz/index.php/home-news/55582-poaching-syndicate-exposed

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