München, 26. Juli 2021.

Auch Europas Jagdindustrie ist in den illegalen Nashorn-Handel verstrickt.

Am 21. Juli wurden zwei Vertreter der südafrikanischen Jagdindustrie  mit 19 Nashorn-Hörnern festgenommen. Der eine ist professioneller Jäger und Besitzer einer Jagdagentur, die unter anderem den Abschuss von Breitmaulnashörnern anbietet. Der andere besitzt eine Jagdfarm, ist Nashornzüchter und gilt seit Jahren als einer der Drahtzieher der südafrikanischen Nashorn-Mafia. Seit 2010 läuft gegen ihn und weitere Mitangeklagte ein Verfahren mit fast 1,800 Anklagepunkten u.a. wegen illegaler Jagd, illegalem Handel und Transport von Nashörnern bzw. deren Horn. 2013 wurden 26 tote Nashörner auf seiner Farm gefunden. Das Gerichtsverfahren gegen ihn wurde jedoch seit 11 Jahren immer wieder verschleppt. Viele Schlüsselfiguren in Südafrikas illegalem Tierhandel sind bisher auf freiem Fuß. Auch die beiden jetzt Verhafteten wurden kurz nach ihrer Festnahme gegen Zahlung einer geringen Kaution (2.800 €) auf freien Fuß gesetzt, obwohl beide in der Vergangenheit wegen illegalem Tierhandels verhaftet worden waren. Der Wert des beschlagnahmten Horns wurde auf etwa 148.000 € geschätzt.

Es ist bei weitem nicht das erste mal, dass gegen Vertreter der südafrikanischen Jagdindustrie ermittelt wird, weil sie in den illegalen Tierhandel verstrickt sind. Immer wieder stehen in Südafrika Jäger, Jagdanbieter, Züchter, Farmbesitzer, Tierärzte und andere Vertreter der Wildtierindustrie wegen illegaler Geschäfte mit Nashörnern vor Gericht.

Auch Europas Jagdindustrie ist in den illegalen Nashorn-Handel verstrickt: Laut einem Bericht tschechischer Artenschutzbehörden von 2013 war die Jagdfarm eines der beiden Verhafteten der Schauplatz der meisten sog. „Pseudo-Jagden“ tschechischer Staatsbürger: Tschechische Jagdreiseagenturen vermittelten dort gezielt legale Trophäenjagdabschüsse von Nashörnern und halfen anschließend, die Jagdtrophäen in den illegalen Handel in Vietnam zu schleusen. Tschechien ermittelte zwischen 2009 und 2013 insgesamt 50 Verdächtige, die von Tschechien aus in Südafrika auf Nashorn-Jagd gingen. Auch andere europäische Länder sind involviert, wie ein aktueller Prozess zeigt: Anfang Juli 2021 wurde in Polen Anklage gegen 10 Personen wegen illegalem Nashorn-Handel erhoben, insgesamt liefen im Zusammenhang mit der Trophäenjagd Ermittlungen in 38 Fällen gegen 33 Verdächtige. Die meisten Verfahren wurden allerdings gegen Zahlung von Geldbußen eingestellt.

„Die Verstrickung der Jagdindustrie in den illegalen Handel mit Nashörnern ist alarmierend. Auch Jagdanbieter in Europa waren hier nachweislich involviert. Ausnahmegenehmigungen für europäische Trophäenjäger wurden gezielt ausgenutzt, um Körperteile bedrohter und geschützter Arten in den illegalen Handel einzuschleusen. Zudem sind die Täter seit Jahren auf freiem Fuß. Die Behörden in allen beteiligten Staaten müssen dringend besser zusammenarbeiten und härter durchgreifen. Illegaler Handel mit Nashorn ist kein Kavaliersdelikt“, so Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Erst wenige Tage vor der jüngsten Festnahme der beiden Jagdanbieter wurden am Flughafen Johannesburg und in einem Hafen in Vietnam große Mengen Rhino-Horn (insgesamt 300 kg) sowie 3,1 Tonnen Knochen und Schädel von Löwen beschlagnahmt. Sie waren illegal aus Südafrika exportiert worden, in Asien sind diese Wildtierprodukte als Statussymbole und zur Verwendung in der Traditionelle Medizin gefragt. Die Wilderei für die Nachfrage in Asien stellt die größte Bedrohung für das Überleben der Nashörner dar. Alleine in Südafrika wurden in den letzten 10 Jahren 8.349 Nashörner gewildert. Insbesondere in Südafrikas Kruger Nationalpark hat die Wilderei die Nashornbestände dramatisch dezimiert: Bei Breitmaulnashörner ging der Bestand um 67 Prozent zurück (von 10.621 auf 3.549 zwischen 2011 und 2019), bei Spitzmaulnashörnern um 35 Prozent (von 415 auf 268 zwischen 2013 und 2019).

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