30 Jahre Walfangverbot – doch EU versagt beim Schutz der Meeressäuger.

München/Portorož, 20. Oktober 2016. Am 24. Oktober beginnt im slowenischen Portorož die 66. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Auf der Agenda stehen auch Versuche Japans, neue Legitimation für Walfang zu erhalten sowie ein neues vermeintliches Forschungsprogramm in der Antarktis. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert, dass Kritik am kommerziellen Walfang Norwegens und Islands auf der offiziellen Agenda fehlt. Wale zu kommerziellen Zwecken zu jagen, hat die Walfangkommission bereits 1986 verboten, doch Norwegen und Island haben dagegen Vorbehalte eingelegt.

EU: Interne Querelen vereiteln Walschutz-Initiativen

Pro Wildlife wird auf der IWC-Tagung den Bericht „Frozen in Time“ vorstellen, der zeigt, dass sich Norwegen in den letzten Jahren zum weltgrößten Walfangland entwickelt hat und die Walfleischexporte Norwegens und Islands nach Japan regelrecht explodiert sind. „Zum dreisten kommerziellen Walfang Norwegens und Islands schweigt sich die IWC aus“, kritisiert Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC teilnimmt. Die Europäische Union konnte sich auf keine konkrete Initiative für die IWC einigen. Deutschland, England und Belgien haben im Vorfeld der IWC eine Resolution gegen den kommerziellen Walfang vorgeschlagen, doch die EU-Kommission und Dänemark haben dies vereitelt. Die EU kommt nun mit leeren Händen zur IWC. Sie schaut weiterhin untätig zu, wie die Meeressäuger in europäischen Gewässern zu Hunderten abgeschlachtet werden“.

Walfang als Beitrag zur Welternährung?

Seit 70 Jahren gibt es die Internationale Walfangkommission, doch das Jubiläumsjahr gibt wenig Anlass zum Feiern: Das kommerzielle Fangverbot hat zwar hunderttausenden Walen das Leben gerettet, aber Norwegen, Japan und Island nutzen formale Schlupflöcher der IWC. „Vor allem Japan sucht nach immer neuen Hintertüren: Walfang als Rettung für angeblich darbende japanische Küstengemeinden oder als Maßnahme gegen den Welthunger – das sind die kruden Pläne Tokios, die wir auf dieser Tagung vereiteln müssen“, so die Biologin Altherr. „Der Antrag fünf afrikanischer Länder, Walfang als Beitrag zur Welternährung anzuerkennen, ist geradezu zynisch: Dahinter steckt Japan. Doch gerade japanische Fischereiflotten tragen eine große Mitverantwortung für das Überfischen der Meere vor Westafrikas Küsten. Arme Länder auszubeuten und dann in Sachen Walfang vor den eigenen Karren zu spannen, ist wirklich dreist.“

Lob für Ozeanien

Positiv bewertet Pro Wildlife das Engagement von Australien und Neuseeland, die seit Jahren mit Abstand die aktivsten Walschutzländer sind: Sie hatten 2010 erfolgreich vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Japans angeblichen Wissenschaftswalfang in der Antarktis geklagt und 2014 Recht bekommen. Auf der Walfangtagung beantragen die beiden Länder nun strikte Vorgaben für jeglichen Wissenschaftswalfang – ihr Versuch, ein bestehendes Schlupfloch der IWC zumindest zu verkleinern. Zudem fordern Australien und Neuseeland eine Modernisierung der IWC, die mit 70 Jahren eine der ältesten Umweltkonventionen der Welt ist. „Ein solch starkes Engagement würden wir uns auch von der EU wünschen“, so Altherr.

Weitere Informationen:

» Die wichtigsten Themen der diesjährigen IWC-Tagung

» IWC-Blog aus Portoroz

» Bericht: „Frozen in time – how modern Norway clings to its whaling past“ (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Japans Walfang (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Islands Walfang (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Norwegens Walfang (pdf)

 

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