München, 24. August 2018.

Pro Wildlife begrüßt wichtigen Schritt für den Artenschutz

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt, dass Hessen mit der Vernichtung von Elfenbein und anderen Produkten aus geschützten Tieren ein Zeichen gegen den illegalen Artenhandel setzt. Heute, Freitag den 24. August 2018, werden die hessische Umweltministerin Priska Hinz und Darmstadts Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid erstmals öffentlichkeitswirksam rund 150 Kilogramm Schnitzereien aus Elfenbein, Elefanten-Stoßzähne, Taschen aus Schlangen- und Krokodilleder, Pelze sowie weitere Produkte bedrohter Wildtiere vernichten, die in Hessen beschlagnahmt wurden. Die öffentliche Zerstörung findet um 12.30 Uhr im Regierungspräsidium Darmstadt statt. „Wir halten die öffentlichkeitswirksame Zerstörung von Elfenbein in Hessen für ein wichtiges Signal gegen die Wilderei. Die Nachfrage nach Elfenbein und anderen Produkten aus bedrohten Arten muss nachhaltig verringert werden, um bedrohte Arten wie Elefanten zu retten“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife.

In Afrika werden jedes Jahr mehr als 20.000 Elefanten alleine wegen ihres Elfenbeins gewildert. Tonnenweise beschlagnahmtes Elfenbein lagert weltweit in staatlichen Archiven. Diese Lagerbestände dürfen nicht verkauft werden, stellen aber ein enormes Risiko für lebende Elefanten dar. „Die Lagerbestände wecken Begehrlichkeiten, halten die Nachfrage am Leben, befeuern Diebstähle, Korruption und Spekulation. Zahlreiche Regierungen setzten deshalb in den vergangenen Jahren mit öffentlichen Zerstörungen ein Zeichen gegen Elfenbeinhandel und Wilderei. Die Bundesregierung hat diesen wichtigen Schritt bisher nicht getan“, ergänzt Freyer.

Der Hauptabsatzmarkt für Elfenbein ist heute in Asien. Doch Europa spielt als Drehscheibe für den legalen und illegalen Handel mit Elfenbein noch immer eine zentrale Rolle. Elfenbein ist in Deutschland und der EU eines der am häufigsten beschlagnahmten illegalen Wildtierprodukte. Auch in deutschen Asservatenkammern lagern zum Teil große Mengen beschlagnahmten Elfenbeins. Zwischen 2006 und 2017 wurden nach Angaben der Bundesregierung 99 Stoßzähne und 4.502 Elfenbeinschnitzereien beschlagnahmt. 2016 wurden in dem bisher größten deutschen Aufgriff 1,2 Tonnen Elfenbein beschlagnahmt und eine illegale Schnitzwerkstatt geschlossen. Zudem gibt es in Privatbesitz noch immer große Altbestände an Elfenbein, das bis 1990 legal aus Afrika eingeführt werden durfte. Laut Bundesregierung gab es 2014 noch einen kommerziell genutzten Elfenbeinbestand von rund 11,6 Tonnen. In Deutschland ist der hessische Odenwaldkreis seit langem ein Zentrum von Elfenbeinschnitzerei und -handel.

Zwar ist der Handel mit Elfenbein durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Engl. CITES) international seit 1990 grundsätzlich verboten. Allerdings dürfen in Deutschland und anderen EU-Ländern Antiquitäten und legaler Altbestand aus Elfenbein noch immer offen verkauft und auch exportiert werden. Dieses Schlupfloch wird genutzt, um illegales Elfenbein zu verkaufen. Die EU ist zudem der größte Exporteur von Elfenbeinschnitzereien, vor allem nach Asien, wo der illegale Elfenbeinhandel boomt.

Artenschützer fordern deshalb seit langem ein umfassendes Verbot des Elfenbeinhandels in Deutschland und der EU und haben im Juli 171.296 Unterschriften an das Bundesumweltministerium übergeben. In der EU haben England und Luxemburg bereits nationale Handelsverbote angekündigt, Frankreich hat strengere Regelungen erlassen, in Belgien liegt ein Gesetzesvorschlag vor und auch in Holland wird ein nationales Verbot diskutiert. Die deutsche Regierung plant bisher keine eigenen Schritte. Zwar fordert sie EU-weit strengere Regeln, allerdings will sie den Handel mit „vollständig bearbeiteten Exemplaren“ wie zum Beispiel Elfenbeinschnitzereien weiterhin erlauben. „Genau solche Ausnahmen sind es, die die Handelsbeschränkungen ad absurdum führen. Gerade fertig verarbeitetes Elfenbein wird in Deutschland und der EU offen im Internet, auf Märkten und Geschäften gehandelt. Aktuelle Testkäufe und Untersuchungen der Universität Oxford zeigen, dass der legale Handel genutzt wird, um illegales Elfenbein einzuschleusen“, so Freyer.

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