Neuer Bericht zeigt Ausmaß und Folgen des Raubbaus an seltenen Arten.

München, 13. Juli 2016. 37 Feldforscher, Naturschützer und Zollbeamte aus 22 Ländern zeigen in einer gemeinsamen Veröffentlichung, wie Reptilien aus aller Welt geplündert werden, um in europäischen Terrarien zu enden. Der Bericht  im Fachjournal Biological Conservation deckt darüber hinaus auf, welche Tricks Schmuggler nutzen, um geschützte Tiere umzudeklarieren, und wie leicht sie nationale Schutzgesetze umgehen können. Konzipiert und koordiniert wurde das Papier vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und von Pro Wildlife.

„Unsere Veröffentlichung zeigt, dass weltweit seltene Reptilien systematisch für den europäischen Heimtiermarkt abgesammelt werden – teils legal, teils illegal – jedoch oft mit fatalen Folgen für die Wildbestände“, sagt Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife und Co-Autorin der Publikation. „Deutschland dient als Drehscheibe bei diesem Ausverkauf: Hier findet die weltgrößte Reptilienmesse statt. Und immer wieder werden Deutsche mit seltenen Reptilien im Gepäck aufgegriffen – sei es in Neuseeland, auf den Fidschi-Inseln oder in Indonesien.“

Für kleine Populationen mit begrenztem Verbreitungsgebiet kann dieser Raubbau bedrohliche Verluste bedeuten. Im Fokus sind vor allem Arten, die nur in ihrem Heimatland geschützt sind, denn sie bedeuten maximalen Profit bei minimalem Risiko: Haben die Schmuggler die Tiere einmal außer Landes geschafft, können sie ihre Beute ganz legal in der EU verkaufen – den hiesigen Behörden fehlt eine gesetzliche Grundlage, die Tiere zu beschlagnahmen. Sammler in Europa zahlen bis zu mehrere tausend Euro für ein solch seltenes Tier. Ende 2014 hatte Pro Wildlife in seinem Report „Stolen Wildlife“ dieses schmutzige Geschäft erstmals aufgezeigt.

„Die geltenden Artenschutzregelungen in Europa greifen zu kurz, um diesen Raubbau zu verhindern. Wir fordern deshalb ein Gesetz, das den Besitz und Verkauf von Tieren, die in ihrem Heimatland illegal eingefangen wurden, auch hierzulande verbietet“, so Altherr. Die USA hat mit ihrem Lacey Act längst ein solches Gesetz und macht damit gute Erfahrungen. Auch in der EU werden die Forderungen nach einem Lacey Act immer lauter“.

Die aktuelle Veröffentlichung in Biological Conservation mit dem Titel „Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market“ kommt zur rechten Zeit: Viele der Arten, deren Plünderung für den Heimtiermarkt das Papier aufzeigt, sind Gegenstand der Verhandlungen der bevorstehenden CITES[1]-Artenschutzkonferenz im September: Dort stehen zum Beispiel für Alligator-Baumschleichen aus Guatemala und Mexiko, Borneo-Taubwarane sowie den Masobe-Großkopfgecko aus Madagaskar erstmals weltweite Handelsbeschränkungen oder gar Handelsverbote zur Abstimmung. „Es wird Zeit, dass der Raubbau an diesen Tieren ein Ende findet“, so Altherr , „unser Bericht wird hoffentlich seinen Teil dazu beitragen.“

Weitere Informationen:

Auliya, M. et al. (2016): „Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market“. Biological Conservation in press.

Pro Wildlife-Bericht: „Stolen Wildlife – Why the EU needs to tackle smuggling of nationally protected species“ als pdf-Download

Pressemitteilung des Hemholtz-Zentrums für Umweltforschung zum Papier in Biological Conservation

CITES-Schutzanträge für die kommende Konferenz (siehe v.a. Proposals 25-35)Neuer Bericht zeigt Ausmaß und Folgen des Raubbaus an seltenen Arten

München, 13. Juli 2016. 37 Feldforscher, Naturschützer und Zollbeamte aus 22 Ländern zeigen in einer gemeinsamen Veröffentlichung, wie Reptilien aus aller Welt geplündert werden, um in europäischen Terrarien zu enden. Der Bericht  im Fachjournal Biological Conservation deckt darüber hinaus auf, welche Tricks Schmuggler nutzen, um geschützte Tiere umzudeklarieren, und wie leicht sie nationale Schutzgesetze umgehen können. Konzipiert und koordiniert wurde das Papier vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und von Pro Wildlife.

„Unsere Veröffentlichung zeigt, dass weltweit seltene Reptilien systematisch für den europäischen Heimtiermarkt abgesammelt werden – teils legal, teils illegal – jedoch oft mit fatalen Folgen für die Wildbestände“, sagt Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife und Co-Autorin der Publikation. „Deutschland dient als Drehscheibe bei diesem Ausverkauf: Hier findet die weltgrößte Reptilienmesse statt. Und immer wieder werden Deutsche mit seltenen Reptilien im Gepäck aufgegriffen – sei es in Neuseeland, auf den Fidschi-Inseln oder in Indonesien.“

Für kleine Populationen mit begrenztem Verbreitungsgebiet kann dieser Raubbau bedrohliche Verluste bedeuten. Im Fokus sind vor allem Arten, die nur in ihrem Heimatland geschützt sind, denn sie bedeuten maximalen Profit bei minimalem Risiko: Haben die Schmuggler die Tiere einmal außer Landes geschafft, können sie ihre Beute ganz legal in der EU verkaufen – den hiesigen Behörden fehlt eine gesetzliche Grundlage, die Tiere zu beschlagnahmen. Sammler in Europa zahlen bis zu mehrere tausend Euro für ein solch seltenes Tier. Ende 2014 hatte Pro Wildlife in seinem Report „Stolen Wildlife“ dieses schmutzige Geschäft erstmals aufgezeigt.

„Die geltenden Artenschutzregelungen in Europa greifen zu kurz, um diesen Raubbau zu verhindern. Wir fordern deshalb ein Gesetz, das den Besitz und Verkauf von Tieren, die in ihrem Heimatland illegal eingefangen wurden, auch hierzulande verbietet“, so Altherr. Die USA hat mit ihrem Lacey Act längst ein solches Gesetz und macht damit gute Erfahrungen. Auch in der EU werden die Forderungen nach einem Lacey Act immer lauter“.

Die aktuelle Veröffentlichung in Biological Conservation mit dem Titel „Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market“ kommt zur rechten Zeit: Viele der Arten, deren Plünderung für den Heimtiermarkt das Papier aufzeigt, sind Gegenstand der Verhandlungen der bevorstehenden CITES[1]-Artenschutzkonferenz im September: Dort stehen zum Beispiel für Alligator-Baumschleichen aus Guatemala und Mexiko, Borneo-Taubwarane sowie den Masobe-Großkopfgecko aus Madagaskar erstmals weltweite Handelsbeschränkungen oder gar Handelsverbote zur Abstimmung. „Es wird Zeit, dass der Raubbau an diesen Tieren ein Ende findet“, so Altherr , „unser Bericht wird hoffentlich seinen Teil dazu beitragen.“

Weitere Informationen:

Auliya, M. et al. (2016): „Trade in live reptiles, its impact on wild populations, and the role of the European market“. Biological Conservation in press.

Pro Wildlife-Bericht: „Stolen Wildlife – Why the EU needs to tackle smuggling of nationally protected species“ als pdf-Download

Pressemitteilung des Hemholtz-Zentrums für Umweltforschung zum Papier in Biological Conservation

CITES-Schutzanträge für die kommende Konferenz (siehe v.a. Proposals 25-35)

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