Ohrfeige für den Artenschutz: Exportverbot für Graupapageien aus Kamerun aufgehoben

Genf/München, 27. Juli 2012. Auf der Artenschutzkonferenz in Genf wurde am Donnerstagabend eine skandalöse Entscheidung getroffen: Kamerun darf künftig jährlich wieder 3.000 Graupapageien exportieren – und dies, obwohl der Bestand in den letzten 14 Jahren um 50 Prozent zurückging, und trotz massiver Vollzugsprobleme. Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife am Treffen des Ständigen Ausschusses des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) teilnimmt, kritisiert: „Diese Entscheidung ist aus Sicht von Pro Wildlife nicht nur für die Papageien eine Katastrophe, sondern auch für die Glaubwürdigkeit von CITES, denn offensichtlich war dies ein abgekartetes Spiel.“Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES) hatte gegen Kamerun wegen regelmäßiger, eklatanter Quotenüberschreitungen 2007 ein Exportstopp für Graupapageien verhängt – und dennoch wurden seither über 5.000 Vögel aus Kamerun exportiert.

Erfolgreiche Überrumpelungstaktik

Trotz dieser Artenschutzprobleme wurde heute die Nullquote aufgehoben und eine jährliche Quote von 3.000 Tieren genehmigt. „Kamerun hatte zuvor in letzter Minute eine 168-seitige Studie aus dem Ärmel gezaubert, eine gründliche wissenschaftliche Bewertung des vorgelegten „Managementplans“ fand laut Statement des Leiters des CITES-Tierausschusses nicht statt. Dennoch wurde er unkritisch akzeptiert“, berichtet die Pro Wildlife Expertin. Tatsächlich präsentiert die Studie lediglich ein Konzept, wie innerhalb der nächsten fünf Jahre der Handel mit Graupapageien verbessert werden könnte. Nichts davon hat das Land bisher umgesetzt. „Diese Art der Entscheidung ist für alle Länder ein Signal, wie sie selbst für bedrohte Arten Handelsquoten durchsetzen können – unter Umgehung aller wissenschaftlichen Fakten.“ Die EU billigte die Entscheidung und die skandalöse Vorgehensweise schweigend und macht sich aus Sicht von Pro Wildlife somit mitverantwortlich. „Wortmeldungen von Nichtregierungsorganisationen ließ der Leiter des Ständigen Ausschusses nicht zu, die Entscheidung wurde binnen weniger Minuten durchgewunken.“

Brutale Fangmethode

Pro Wildlife unterstützt seit 1999 eine Auffangstation für Wildtiere in Kamerun. Diese erhielt allein in den letzten Jahren über 2.000 beschlagnahmte Graupapageien – Tiere, denen durch die brutale Fangmethode mit Leimruten die Schwungfedern ausgerissen oder verklebt wurden. „Die zerstörten Federn müssen in mühsamer Kleinarbeit entfernt werden, damit neues Gefieder nachwachsen kann. Die Rehabilitation dauert monatelang, bevor die Papageien ausgewildert werden können“, betont Altherr. Auch für den legalen Handel werden die Vögel mit Leimruten eingefangen – mit Verlusten von bis zu 50 Prozent noch vor Export. Graupapageien sind aufgrund ihrer enormen Intelligenz und ihres Sprachtalents im internationalen Heimtierhandel begehrt. Erst in diesem Jahr wurden Graupapageien auf der Roten Liste aufgrund des massiven Handels und des Lebensraumverlustes als gefährdet hochgestuft.

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