Pro Wildlife-Bericht „Endstation Wohnzimmer“.

München, 25. Juli 2015. Ein Sugarglider für 300 Euro, ein Weißbüscheläffchen für 500 und ein Stinktier für 350 Euro – in Deutschland floriert der Handel mit exotischen Säugetieren. Verkauft werden die Trend-Haustiere meist über Internetbörsen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife wertete für den Bericht „Endstation Wohnzimmer“ die Angebote zweier Plattformen aus fünf Jahren aus. Das Ergebnis: Mehr als zehntausend exotische Säugetiere aus 291 verschiedenen Arten wurden zum Verkauf angeboten. Darunter fanden sich 54 Affenarten, 73 Raubtier- und 117 Nagerarten – ein enormes Artenspektrum. Die Tierschützer sehen diese Mode kritisch – denn oft enden die Exoten in Auffangstationen.
 „Der Trend zur Individualisierung hat die Haustiere erreicht: Des Menschen bester Freund soll heute exotisch sein, ausgefallen und selten“, sagt Adeline Fischer, Wildtier-Biologin bei Pro Wildlife. „Doch diese Tiere sind Wildtiere – und leiden oft in Menschenhand“. Wie viele und welche Exoten unter deutschen Dächern gehalten werden, ist nicht bekannt. Solange ein exotisches Tier nicht unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen fällt, kann es frei verkauft werden und ist nicht einmal meldepflichtig. In acht Bundesländern gibt es zwar Auflagen für die Haltung gefährlicher Haustiere, die Regelungen weichen aber stark voneinander ab. Dies nutzen Tierhändler aus.

Enormes Artenspektrum

Allein die Analyse von zwei Exotenportalen brachte Angebote für 291 Arten exotischer Säugerarten zutage. Darunter fanden sich allein 54 Affen- und 73 Raubtierarten, insgesamt standen mehr als 10 000 Tiere zum Verkauf. Das Preisspektrum reicht von wenigen Euro für eine Rennmaus bis hin zu tausenden Euro für eine Raubkatze.

Die Top Seller: Weißbüschelaffen, Stinktiere, Sugarglider

In den Online-Angeboten fand das Rechercheteam 2.409 angebotene Affen, darunter über 800 Weißbüschelaffen und 275 Lisztaffen, die Preise variierten zwischen 125 Euro und 1.500 Euro pro Tier. Doch Affen werden mit Eintreten der Geschlechtsreife zunehmend aggressiv, sie erkranken zudem leicht. Stubenrein werden sie nie. Die holländische Auffangstation Stichting AAP berichtet, dass sie jährlich bis zu hundert Anfragen aus Deutschland bekommt, um Tiere aufzunehmen, meistens Affen.

467 Angebote für Stinktiere wurden gefunden, für bis zu 350 Euro pro Tier. „Skunks sind Raubtiere und als Haustiere fehl am Platz: Bei der Anschaffung wird oft übersehen, dass Skunks sehr aggressiv werden können, und sie übertragen Krankheiten“, sagt Adeline Fischer. Die Kletter- und Grabekünstler büxen gern aus. Sie können in unseren Breiten überleben und gelten deshalb als potenziell invasive Art.

Immer beliebter wird der Sugarglider. Das aus Australien und Neuguinea stammende Beuteltier wurde 165-mal angeboten, zu Preisen bis zu 300 Euro. Die nachtaktiven Baumwipfel-Bewohner ernähren sich in der Natur von Harz, Pflanzensaft und Insekten – eine Ernährung, die in Gefangenschaft schwer zu ersetzen ist. Platzmangel und falsche Ernährung führen in Gefangenschaft zu Verfettung und Krankheiten.

Tierschützer fordern eine Positivliste

Die Hürden, um sich ein exotisches Haustier zuzulegen, sind gering: Im Internet sind exotische Säugetiere schnell, einfach und anonym gekauft. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife betrachtet den Trend mit Sorge: „Viele Arten haben ganz spezielle Anforderungen an Nahrung, Klima, Platz und Umweltfaktoren. Haltungsfehler sind bei so hohen Ansprüchen der Tiere vorprogrammiert. Für Affen und viele andere Arten können Privathalter keine artgerechte Haltung gewährleisten“, sagt Fischer.

Die Wildtier-Biologin empfiehlt, dass nur Tiere in Privathand gehalten werden dürfen, die dafür geeignet sind. „Eine Positivliste legt fest, welche Arten geeignet sind. Wenn sie nach Kriterien des Tier- und Artenschutzes, der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit erstellt wird, könnte sie die negativen Folgen des Exotenbooms zumindest eindämmen. Ein Vorbild hierfür könnten die Listen Belgiens und der Niederlande sein.

>> Bericht: Endstation Wohnzimmer  – Exotische Säugetiere als Haustiere

>> Hintergrundinfos Wildtierhandel

 

Pro Wildlife-Bericht „Endstation Wohnzimmer“

München, 25. Juli 2015. Ein Sugarglider für 300 Euro, ein Weißbüscheläffchen für 500 und ein Stinktier für 350 Euro – in Deutschland floriert der Handel mit exotischen Säugetieren. Verkauft werden die Trend-Haustiere meist über Internetbörsen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife wertete für den Bericht „Endstation Wohnzimmer“ die Angebote zweier Plattformen aus fünf Jahren aus. Das Ergebnis: Mehr als zehntausend exotische Säugetiere aus 291 verschiedenen Arten wurden zum Verkauf angeboten. Darunter fanden sich 54 Affenarten, 73 Raubtier- und 117 Nagerarten – ein enormes Artenspektrum. Die Tierschützer sehen diese Mode kritisch – denn oft enden die Exoten in Auffangstationen.

 

„Der Trend zur Individualisierung hat die Haustiere erreicht: Des Menschen bester Freund soll heute exotisch sein, ausgefallen und selten“, sagt Adeline Fischer, Wildtier-Biologin bei Pro Wildlife. „Doch diese Tiere sind Wildtiere – und leiden oft in Menschenhand“. Wie viele und welche Exoten unter deutschen Dächern gehalten werden, ist nicht bekannt. Solange ein exotisches Tier nicht unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen fällt, kann es frei verkauft werden und ist nicht einmal meldepflichtig. In acht Bundesländern gibt es zwar Auflagen für die Haltung gefährlicher Haustiere, die Regelungen weichen aber stark voneinander ab. Dies nutzen Tierhändler aus.

Enormes Artenspektrum

Allein die Analyse von zwei Exotenportalen brachte Angebote für 291 Arten exotischer Säugerarten zutage. Darunter fanden sich allein 54 Affen- und 73 Raubtierarten, insgesamt standen mehr als 10 000 Tiere zum Verkauf. Das Preisspektrum reicht von wenigen Euro für eine Rennmaus bis hin zu tausenden Euro für eine Raubkatze.

Die Top Seller: Weißbüschelaffen, Stinktiere, Sugarglider

In den Online-Angeboten fand das Rechercheteam 2.409 angebotene Affen, darunter über 800 Weißbüschelaffen und 275 Lisztaffen, die Preise variierten zwischen 125 Euro und 1.500 Euro pro Tier. Doch Affen werden mit Eintreten der Geschlechtsreife zunehmend aggressiv, sie erkranken zudem leicht. Stubenrein werden sie nie. Die holländische Auffangstation Stichting AAP berichtet, dass sie jährlich bis zu hundert Anfragen aus Deutschland bekommt, um Tiere aufzunehmen, meistens Affen.

467 Angebote für Stinktiere wurden gefunden, für bis zu 350 Euro pro Tier. „Skunks sind Raubtiere und als Haustiere fehl am Platz: Bei der Anschaffung wird oft übersehen, dass Skunks sehr aggressiv werden können, und sie übertragen Krankheiten“, sagt Adeline Fischer. Die Kletter- und Grabekünstler büxen gern aus. Sie können in unseren Breiten überleben und gelten deshalb als potenziell invasive Art.

Immer beliebter wird der Sugarglider. Das aus Australien und Neuguinea stammende Beuteltier wurde 165-mal angeboten, zu Preisen bis zu 300 Euro. Die nachtaktiven Baumwipfel-Bewohner ernähren sich in der Natur von Harz, Pflanzensaft und Insekten – eine Ernährung, die in Gefangenschaft schwer zu ersetzen ist. Platzmangel und falsche Ernährung führen in Gefangenschaft zu Verfettung und Krankheiten.

Tierschützer fordern eine Positivliste

Die Hürden, um sich ein exotisches Haustier zuzulegen, sind gering: Im Internet sind exotische Säugetiere schnell, einfach und anonym gekauft. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife betrachtet den Trend mit Sorge: „Viele Arten haben ganz spezielle Anforderungen an Nahrung, Klima, Platz und Umweltfaktoren. Haltungsfehler sind bei so hohen Ansprüchen der Tiere vorprogrammiert. Für Affen und viele andere Arten können Privathalter keine artgerechte Haltung gewährleisten“, sagt Fischer.

Die Wildtier-Biologin empfiehlt, dass nur Tiere in Privathand gehalten werden dürfen, die dafür geeignet sind. „Eine Positivliste legt fest, welche Arten geeignet sind. Wenn sie nach Kriterien des Tier- und Artenschutzes, der öffentlichen Sicherheit und Gesundheit erstellt wird, könnte sie die negativen Folgen des Exotenbooms zumindest eindämmen. Ein Vorbild hierfür könnten die Listen Belgiens und der Niederlande sein.

>> Bericht: Endstation Wohnzimmer  – Exotische Säugetiere als Haustiere

>> Hintergrundinfos Wildtierhandel

 

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