Brüssel/München, 12.9.2017

Artenschützer begrüßen deutliche Worte: Politischer Druck auf Oslo war überfällig. 

Soeben hat das EU-Parlament in Brüssel eine Resolution verabschiedet, die Norwegen auffordert, den kommerziellen Walfang zu beenden und die Exporte von Walfleisch einzustellen. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt die Resolution: „Bis 2016 konnte Norwegen, weitgehend unbehelligt von internationaler Kritik, seine Jagd auf Zwergwale systematisch und leise ausbauen. Unser Bericht „Frozen in Time“ hat von einem Jahr gezeigt, dass in europäischen Gewässern die größte Waljagd der Welt stattfindet: Norwegen fängt seit einigen Jahren mehr Wale als Japan und Island zusammen. Die heutige Resolution war wichtig, um Norwegen zu zeigen, dass die Europäische Union nicht mehr länger gewillt ist, diese grausame und überflüssige Jagd hinzunehmen“, erläutert die Biologin Dr. Sandra Altherr.

Seit 1986 gilt das weltweite Moratorium für kommerziellen Walfang, beschlossen von der Internationalen Walfangkommission (IWC). Norwegen legte hiergegen formallen Widerspruch ein und ist somit formal nicht an das Moratorium gebunden. Aus Angst vor internationalen Protesten und Boykottaufrufen pausierte das nordische Land jedoch bis 1993. Seither starben mehr als 13.000 Zwergwale durch norwegische Explosivharpunen. Jüngste Berichte zeigen, dass fast 90% der getöteten Tiere Weibchen sind, viele von ihnen trächtig. Dennoch konzentrierte sich die internationale Kritik auf Japan und Island – die ausbleibende Kritik wertete die Regierung in Oslo als Duldung.

Seit der Veröffentlichung von „Frozen in Time“ im Sommer 2016 hat sich dies jedoch geändert: Auf der letzten IWC-Tagung im September 2016 verurteilten die teilnehmenden EU-Länder den Walfang Norwegens. Zum Jahreswechsel fand die EU in ihrem „Council Conclusions On A Homogeneous Extended Single Market And EU Relations With Non-EU Western European Countries” ebenfalls klare Worte gegenüber Norwegen. „Der Druck auf Norwegen nimmt zu – das freut uns sehr. Die heutige Entscheidung des EU-Parlamentes war ein wichtiger Schritt hierzu. Nun erwarten wir von der EU, dass sie u.a. bei der kommenden IWC-Tagung 2018 weitere Schritte gegen Norwegens Walfang unternimmt“, so Altherr abschließend.

>> Originaltext der EU-Resolution

>> Infos zu Norwegens Walfang

>> Bericht „Frozen in Time“

 

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