Artenschützer loben dies als ersten Schritt, fordern aber komplettes Verbot des Elfenbeinhandels

München, 3. Januar 2014. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt die Ankündigung der chinesischen Regierung, am 6. Januar beschlagnahmtes Elfenbein verbrennen zu wollen. Gleichzeitig verweisen die Artenschützer darauf, dass China nicht nur der weltweit größte Absatzmarkt für illegales, sondern auch für legales Elfenbein ist. „Seit China 2008 erstmals wieder 60 Tonnen Elfenbein legal aus südafrikanischen Ländern importieren durfte, ist auch der illegale Handel eskaliert“, betont Daniela Freyer von Pro Wildlife. „Die Öffnung des Marktes signalisierte, Elfenbein sei wieder akzeptabel. Doch legales und illegales Elfenbein lassen sich kaum unterscheiden“. Pro Wildlife fordert ein striktes Verbot jeglichen Elfenbeinhandels: „Derzeit werden in Afrika jährlich weit über 30.000 Elefanten gewildert. Erst wenn China seinen legalen Markt schließt, haben Afrikas Elefanten wieder eine Überlebenschance.“ Auch Frankreich hat für Februar 2014 eine Zerstörung seiner Elfenbeinvorräte angekündigt, die USA haben dies bereits im vergangenen November getan.

Eskalierte Elefantenwilderei

Schätzungen von Pro Wildlife zufolge stirbt mindestens alle 14 Minuten ein Elefant, entsprechend über 100 Tiere am Tag. Solche dramatischen Ausmaße hatte die Wilderei zuletzt in den 1980er Jahren, bevor der internationale Elfenbeinhandel durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl. CITES) verboten wurde. Verantwortlich sind die gestiegene Nachfrage nach Elfenbein in Asien und Ausnahmen vom Handelsverbot in den Jahren 1999 und 2008. Sie ließen zu, dass zunächst Japan und dann auch China legal Elfenbein importieren durften. In China wurde so eine Grauzone geschaffen, die den illegalen Handel im Land bis heute befeuert. Elfenbein gilt in China als Symbol für Wohlstand und Status, die Nachfrage stieg in den letzten Jahren mit der wachsenden Kaufkraft in China rasant an. Der legale Handel bietet einen Deckmantel für illegale Händler: Für sie ist es ein Leichtes, ihre blutige Ware als „legal“ auszugeben. „In China gibt es unzählige Elfenbein-verarbeitende Fabriken und Verkaufsshops, die offiziell von der Regierung lizenziert sind. Doch die Auflagen sind leicht zu unterwandern, die Herkunft des Elfenbeins lässt sich kaum überwachen“, kritisiert Freyer. Chinas Zollbehörden greifen in den letzten Jahren zwar stärker durch – erst im November 2013 wurden 12 Tonnen Stoßzähne beschlagnahmt – doch das unüberschaubare Lizenzsystem der Fabriken und Geschäfte lässt riesige Lücken.

Ernste Absichten oder diplomatische Geste?

Für den 6. Januar 2014 hat die chinesische Regierung Diplomaten und Vertreter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen eingeladen, an einer Verbrennungszeremonie für beschlagnahmtes Elfenbein und anderen Wildtierprodukten teilzunehmen (Schreiben anbei). China steht seit Jahren in der Kritik, weil dort der Handel mit hochbedrohten und streng geschützten Arten boomt. So begrüßenswert es ist, dass ausgerechnet China als weltgrößter Absatzmarkt nun beschlagnahmtes Elfenbein zerstören will, so groß bleibt doch die Skepsis unter Artenschützern: „Bislang ist nicht bekannt, wie viel Elfenbein China zerstören will. Es darf nicht bei einem symbolischen Akt bleiben, sondern wir appellieren an die chinesische Regierung, nun konsequent alles beschlagnahmte Elfenbein zu zerstören und den legalen Elfenbeinmarkt zu schließen,“ so die Pro Wildlife Expertin.

Elfenbeinzerstörung als internationale Bewegung

China wäre mit einer Zerstörung aller Elfenbeinvorräte nicht allein: Mitte November 2013 zermalmten die USA knapp sechs Tonnen beschlagnahmte Stoßzähne und Schnitzereien. Im Juni 2013 zerstörten bereits die Philippinen ihre Elfenbeinvorräte, 2012 Gabun und in den Jahren 2011 und 1989 Kenia. Im kommenden Februar will auch Frankreich dem Beispiel folgen. Pro Wildlife fordert Bundeskanzlerin Merkel auf, dem Beispiel dieser Länder zu folgen: „Wir brauchen jetzt klare Zeichen, dass der Elfenbeinhandel nicht mehr akzeptabel ist. Nur wenn wir die die Nachfrage eindämmen und die Absatzmärkte schließen, wird die Wilderei ein Ende haben“, heißt es in einem Schreiben der Organisation an die Regierungschefin.

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