Jagdreise-Agenturen verkaufen Abschuss von bedrohten Elefanten

München/Dortmund, 2. Februar 2015.  Vom 3. bis 8. Februar findet  in den Westfalenhallen Dortmund Europas größte Jagdmesse Jagd & Hund statt. Dutzende Agenturen bieten dort Großwildjagd im Ausland an, darunter fünf Vermittler, die den Abschuss von Elefanten in Kamerun verkaufen. Stoßzähne und andere Trophäen dürfen die Jagdreisenden aus Kamerun jedoch nicht in die EU importieren, aus Artenschutzgründen hat die EU die Einfuhr von Elefanten-Trophäen aus dem afrikanischen Land verboten. Nur zwischen 2.600 und 5.000 Euro Abschussgebühr bezahlen Jagdreisende, um in Kamerun einen Elefanten zu töten. Ein Vermittler für Jagdreisen wirbt in seinem aktuellen Katalog mit „exzellenter Trophäenqualität“. Auf das Importverbot für Elefanten-Trophäen verweist keiner der Anbieter. „Solche Angebote regen zu einer Straftat an. Und sie verdeutlichen, wie skrupellos Geschäfte mit dem Abschuss bedrohter Tierarten gemacht werden“, so Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.Erst im Januar wurden in Kamerun wieder zehn gewilderte Elefanten entdeckt, 2012 wurden ganze Elefantenherden für den illegalen Elfenbeinhandel abgeschlachtet. Bestandsschätzungen sind völlig veraltet und schwanken zwischen knapp 1.000 bis zu etwa 14.000 Tieren. Waldelefanten gelten mittlerweile als eigene Art und besonders bedroht.

Kamerun ist  bisher das einzige Land, aus dem die EU die Einfuhr von Elefantentrophäen verbietet. Aus etlichen weiteren Ländern Afrikas können Großwildjäger weiterhin ganz legal und mit behördlicher Genehmigung Stoßzähne importieren, obwohl die Bestände dort teils extrem dezimiert sind, Kontrollen der Jagd weitgehend fehlen und Einnahmen aus der lukrativen Trophäenjagd häufig in dunklen Kanälen verschwinden. Für Elefanten-Stoßzähne gilt grundsätzlich ein weltweites Verbot des kommerziellen Handels – für Jagdtrophäen gibt es aber Ausnahmen, weil  sie als „persönliche Erinnerungsstücke“ gelten und nicht als Handelsware.

Immerhin treten in der EU zum 5. Februar neue Bestimmungen in Kraft. Die EU-Behörden haben damit zukünftig die Möglichkeit, die Trophäen-Einfuhr von sechs bei Trophäenjägern beliebten Arten zu verbieten, für die dies rechtlich bisher nicht möglich war. „Pro Wildlife setzt sich seit Jahren für strengere Bestimmungen ein und  fordert, dass die rechtlichen Möglichkeiten nun auch voll ausgeschöpft werden“ , so Freyer.

Oft wird behauptet, die Großwildjagd leiste einen  Beitrag zum Artenschutz – ein wissenschaftlicher Nachweis hierfür steht jedoch seit Jahren aus.  Statt dessen belegen immer wieder Studien (z.B. auch für Löwen), dass zu hohe und willkürlich gesetzte Jagdquoten die Bestände dezimieren und die Sozialstrukturen von Tieren zerstören, dass im lukrativen Jagdtourismus die Korruption grassiert und trotz gegenteiliger Behauptungen die lokale Bevölkerung nicht von den Einnahmen profitiert.

 

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