Neue interne Daten belegen: Jagdquoten werden überschritten

München, 3. Dezember 2013. Gleich zwei Tagungen beschäftigen sich diese Woche mit der Zukunft des Eisbären: Vom 3. bis zum 6. Dezember beraten Regierungsvertreter aus aller Welt in Moskau über den Schutz des Eisbären. In Brüssel diskutieren am 6. Dezember die EU-Artenschutzbehörden über die Einfuhr von Eisbärfellen aus Kanada. Kanadas Umweltbehörde hat der EU jetzt interne Zahlen zur Eisbärjagd in Kanada vorgelegt. Aus dem Papier geht zudem hervor, dass kanadische Jäger weit mehr Eisbären abgeschossen haben als die Jagdquoten erlauben – zum Teil bereits seit Jahren. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert, dass die kanadische Behörde diese Zahlen bisher zurückgehalten hat – und damit im März ein weltweites Handelsverbot für Eisbärprodukte blockierte. Pro Wildlife fordert die EU auf, nun die Einfuhr von Eisbärfellen zu verbieten.Die legale Jagd in Kanada hat in den letzten zwei Jahren um fast 50 Prozent zugenommen. 2010 wurden 500 Eisbären von Jägern getötet, 2012 waren es 740. „Angesichts der ohnehin äußerst düsteren Prognosen für Eisbären ist das unverantwortlich“, so Daniela Freyer von Pro Wildlife. Nach Angaben von Kanadas Umweltbehörde „Environment Kanada“ wurden zudem die Abschussquoten im Jahr 2012 für sechs von 13 Eisbärpopulationen erheblich überschritten – um bis zu 42 Prozent. In manchen Regionen werden die Abschussquoten sogar bereits seit fünf Jahren überschritten, auch dies wurde erst jetzt bekannt gegeben. „Angeblich sollen die Jagdquoten garantieren, dass Kanadas Jagd nachhaltig ist und das Überleben der Eisbären nicht gefährdet. Die neuen Zahlen wiederlegen dies“, so Freyer.

Ein Grund für die starke Zunahme der Jagd sind die hohen Preise, die für Eisbärfelle gezahlt werden: Im Juni erzielten Eisbärfelle bei Auktionen in Kanada Rekordpreise von 22,000 kanadischen Dollar. Die Endpreise in den Hauptabsatzmärkten Asien und Europa sind noch höher.

Kanada ist weltweit das einzige Land, dass den Abschuss von jährlich Hunderten Eisbären für den Handel mit Fellen und für Jagdtrophäen zulässt. Auch bereits dezimierte und rückläufige Bestände bleiben nicht verschont.  Die Regierungen mancher kanadischer Territorien garantieren Jägern sogar einen Mindestpreis für jeden erlegten Eisbären, in Northwest Territories wurde dieser 2012 noch erhöht.

Artenschützer fordern seit langem ein internationales Handelsverbot für alle Eisbärprodukte. Ein entsprechender Antrag der USA scheiterte jedoch auf der internationalen Artenschutzkonferenz (Washingtoner Artenschutzübereinkommen, engl. CITES) 2010 und im März 2013 am Widerstand Kanadas – und auch der EU.

Noch im Sommer 2013 hatten die EU-Artenschutzbehörden den Vorschlag Belgiens, die Einfuhr von Eisbärfellen zumindest aus besonders bedrohten Eisbärbeständen Kanadas zu verbieten, abgelehnt. „Die EU-Artenschutzgesetzgebung verpflichtet die EU-Staaten dazu, die Einfuhr bedrohter Tierarten zu stoppen, wenn diese nicht nachhaltig ist“, so Freyer. „Die nun vorliegenden Daten aus Kanada unterstreichen, dass ein EU-Importstopp überfällig ist. Im Gegensatz zum Klimawandel sind Jagd und Fellhandel die unmittelbaren Bedrohungsfaktoren, die sich sofort ausschalten ließen.“

Wissenschaftler und Artenschützer sehen schwarz für die weißen Bären

Forscher haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen könnten. Viele Eisbärbestände sind bereits jetzt rückläufig. Ursachen hierfür sind Lebensraumverlust durch den Klimawandel und die Jagd. Langfristig werden auch verringerte Fortpflanzungsraten durch Umweltgifte sowie die zunehmende Erschließung der Arktis für Öl- und Gasbohrungen sowie den Abbau von Bodenschätzen die Eisbärbestände reduzieren. Höchstens 20 000 bis 25 000 Tiere soll es weltweit noch geben. Genaue Zahlen existieren nicht, zum Teil sind die Bestandschätzungen zehn Jahre alt. 

Neue interne Daten belegen: Jagdquoten werden überschritten

 

München, 3. Dezember 2013. Gleich zwei Tagungen beschäftigen sich diese Woche mit der Zukunft des Eisbären: Vom 3. bis zum 6. Dezember beraten Regierungsvertreter aus aller Welt in Moskau über den Schutz des Eisbären. In Brüssel diskutieren am 6. Dezember die EU-Artenschutzbehörden über die Einfuhr von Eisbärfellen aus Kanada. Kanadas Umweltbehörde hat der EU jetzt interne Zahlen zur Eisbärjagd in Kanada vorgelegt. Aus dem Papier geht zudem hervor, dass kanadische Jäger weit mehr Eisbären abgeschossen haben als die Jagdquoten erlauben – zum Teil bereits seit Jahren. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert, dass die kanadische Behörde diese Zahlen bisher zurückgehalten hat – und damit im März ein weltweites Handelsverbot für Eisbärprodukte blockierte. Pro Wildlife fordert die EU auf, nun die Einfuhr von Eisbärfellen zu verbieten.Die legale Jagd in Kanada hat in den letzten zwei Jahren um fast 50 Prozent zugenommen. 2010 wurden 500 Eisbären von Jägern getötet, 2012 waren es 740. „Angesichts der ohnehin äußerst düsteren Prognosen für Eisbären ist das unverantwortlich“, so Daniela Freyer von Pro Wildlife. Nach Angaben von Kanadas Umweltbehörde „Environment Kanada“ wurden zudem die Abschussquoten im Jahr 2012 für sechs von 13 Eisbärpopulationen erheblich überschritten – um bis zu 42 Prozent. In manchen Regionen werden die Abschussquoten sogar bereits seit fünf Jahren überschritten, auch dies wurde erst jetzt bekannt gegeben. „Angeblich sollen die Jagdquoten garantieren, dass Kanadas Jagd nachhaltig ist und das Überleben der Eisbären nicht gefährdet. Die neuen Zahlen wiederlegen dies“, so Freyer.

Ein Grund für die starke Zunahme der Jagd sind die hohen Preise, die für Eisbärfelle gezahlt werden: Im Juni erzielten Eisbärfelle bei Auktionen in Kanada Rekordpreise von 22,000 kanadischen Dollar. Die Endpreise in den Hauptabsatzmärkten Asien und Europa sind noch höher.

Kanada ist weltweit das einzige Land, dass den Abschuss von jährlich Hunderten Eisbären für den Handel mit Fellen und für Jagdtrophäen zulässt. Auch bereits dezimierte und rückläufige Bestände bleiben nicht verschont.  Die Regierungen mancher kanadischer Territorien garantieren Jägern sogar einen Mindestpreis für jeden erlegten Eisbären, in Northwest Territories wurde dieser 2012 noch erhöht.

Artenschützer fordern seit langem ein internationales Handelsverbot für alle Eisbärprodukte. Ein entsprechender Antrag der USA scheiterte jedoch auf der internationalen Artenschutzkonferenz (Washingtoner Artenschutzübereinkommen, engl. CITES) 2010 und im März 2013 am Widerstand Kanadas – und auch der EU.

Noch im Sommer 2013 hatten die EU-Artenschutzbehörden den Vorschlag Belgiens, die Einfuhr von Eisbärfellen zumindest aus besonders bedrohten Eisbärbeständen Kanadas zu verbieten, abgelehnt. „Die EU-Artenschutzgesetzgebung verpflichtet die EU-Staaten dazu, die Einfuhr bedrohter Tierarten zu stoppen, wenn diese nicht nachhaltig ist“, so Freyer. „Die nun vorliegenden Daten aus Kanada unterstreichen, dass ein EU-Importstopp überfällig ist. Im Gegensatz zum Klimawandel sind Jagd und Fellhandel die unmittelbaren Bedrohungsfaktoren, die sich sofort ausschalten ließen.“

 

Wissenschaftler und Artenschützer sehen schwarz für die weißen Bären

Forscher haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen könnten. Viele Eisbärbestände sind bereits jetzt rückläufig. Ursachen hierfür sind Lebensraumverlust durch den Klimawandel und die Jagd. Langfristig werden auch verringerte Fortpflanzungsraten durch Umweltgifte sowie die zunehmende Erschließung der Arktis für Öl- und Gasbohrungen sowie den Abbau von Bodenschätzen die Eisbärbestände reduzieren. Höchstens 20 000 bis 25 000 Tiere soll es weltweit noch geben. Genaue Zahlen existieren nicht, zum Teil sind die Bestandschätzungen zehn Jahre alt.

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