Cites-Artenschutzkonferenz lehnt besseren Schutz für Eisbären ab

Bangkok/München, 7. März 2013. Auf der CITES-Artenschutzkonferenz in Bangkok (Thailand) haben die Vertragsstaaten ein internationales Handelsverbot in erster Instanz abgelehnt. Nur 38 Länder stimmten für den Eisbär, 42 dagegen, bei 46 Enthaltungen (darunter die EU-Länder). „Die Hauptgefahr für den Eisbären ist natürlich der Klimawandel, aber die zusätzliche Bedrohung durch den internationalen Fellhandel hätte man heute ausschalten müssen“, kritisiert Sandra Altherr, die für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt.

Als einziges Land erlaubt Kanada Jagd und Handel zu rein kommerziellen Zwecken. Über 600 Eisbären wurden dort im letzten Jahr legal gejagt, zwei Drittel von ihnen gingen in den internationalen Fellhandel.

Der Schutzantrag der USA scheiterte am Widerstand von Kanada und der EU. Ein eigener Vorschlag der EU, der aus Sicht der Artenschützer nicht zum Schutz des Eisbären beigetragen hätte, war zuvor ebenfalls gescheitert.

„Heute ist ein schwarzer Tag für den Artenschutz. Ein Handelsverbot hätte jedes Jahr 400 Eisbären das Leben retten können“, sagt Altherr, die mit ihrer Artenschutz-Organisation Pro Wildlife seit Monaten für das Handelsverbot gekämpft hat. „Profitgier und politische Absprachen haben erneut verhindert, dass eine aussterbende Art wie der Eisbär streng geschützt wird – ein Armutszeugnis“. Bereits auf der letzten Artenschutzkonferenz in Doha 2010 war der strenge Schutz des Eisbären am Widerstand Kanadas und der EU gescheitert. Gegner des Eisbären-Antrags argumentieren, dass sie die USA für ihre Klimaschutz-Politik abstrafen wollten. „Es ist kontraproduktiv, dass Differenzen beim Klimaschutz auf dem Rücken der Eisbären ausgetragen wurden – dem Symboltier des Klimawandels“, so Altherr.

Während die EU auf der letzten Cites-Konferenz gegen den Antrag stimmte, enthielt sie sich diesmal. Deutschland und die Mehrheit der EU-Staaten hatten sich für den Eisbärenschutz ausgesprochen, doch Dänemark und wenige andere Staaten blockierten ein positives Votum der EU, die auf der Artenschutzkonferenz einheitlich abstimmen muss. Die EU-Kommission drängte auf einen Alternativvorschlag, der jedoch den Handel mit Eisbären nicht eingeschränkt hätte. „Die EU zeigte sich hier erneut undiplomatisch, zerstritten und beschlussunfähig. Durch ihre Blockade trägt sie die Hauptverantwortung für das Scheitern des Eisbärenschutzes“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.

 

Schwarze Prognose für weiße Bären

Etwa 20 000 Eisbären gibt es weltweit noch. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen werden.“Damit sind Eisbären laut Cites-Definition eindeutig vom Aussterben bedroht und der Handel mit ihnen sollte verboten werden“, so Altherr. In Kanada sind sieben der 13 lokalen Eisbärbestände bereits rückläufig, trotzdem werden alle Bestände weiterhin bejagt. Fellhändler und Trophäenjäger haben es auf große Tiere abgesehen, deshalb sind rund 80 Prozent der geschossenen Tiere männliche, erwachsene Eisbären, die für die Fortpflanzung fehlen. Der Eisbär-Experte Dr. Nikita Ovsyanikov von der russischen Delegation betonte auf der Artenschutzkonferenz, dass der legale Fellhandel den illegalen anheize – gerade in Russland merke man das: Hier werden inzwischen 200 Eisbären jährlich gewildert und nicht wenige von ihnen landen mit kanadischen Papieren im internationalen Handel.

 

Rekordpreise für Kaminvorleger aus Eisbärfell

Weil immer mehr Japaner, Europäer, Russen und Chinesen Eisbärenfelle kaufen, hat der Jagddruck auf Eisbären in Kanada in den letzten Jahren stark zugenommen. Bei Fellauktionen haben sich binnen fünf Jahren die Preise mehr als verdoppelt, die Zahl verkaufter Felle gar vervierfacht. Etwa 20.000 Euro erzielt das Fell eines großen Eisbären in Europa. Auch der Export ist seit 2007 deutlich angestiegen. „Ein einträgliches Geschäft für die Händler, aber für die Eisbären wird es eng“, sagt die Biologin Altherr.

Die heutige Entscheidung fiel im Fachausschuss, muss jedoch im Plenum nächste Woche noch bestätigt werden. Die 16. Vertragsstaaten-Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch Cites findet vom 3. bis 14. März in Bangkok, Thailand, statt.

Cites-Artenschutzkonferenz lehnt besseren Schutz für Eisbären ab

 

Bangkok/München, 7. März 2013. Auf der CITES-Artenschutzkonferenz in Bangkok (Thailand) haben die Vertragsstaaten ein internationales Handelsverbot in erster Instanz abgelehnt. Nur 38 Länder stimmten für den Eisbär, 42 dagegen, bei 46 Enthaltungen (darunter die EU-Länder). „Die Hauptgefahr für den Eisbären ist natürlich der Klimawandel, aber die zusätzliche Bedrohung durch den internationalen Fellhandel hätte man heute ausschalten müssen“, kritisiert Sandra Altherr, die für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt.

Als einziges Land erlaubt Kanada Jagd und Handel zu rein kommerziellen Zwecken. Über 600 Eisbären wurden dort im letzten Jahr legal gejagt, zwei Drittel von ihnen gingen in den internationalen Fellhandel.

Der Schutzantrag der USA scheiterte am Widerstand von Kanada und der EU. Ein eigener Vorschlag der EU, der aus Sicht der Artenschützer nicht zum Schutz des Eisbären beigetragen hätte, war zuvor ebenfalls gescheitert.

„Heute ist ein schwarzer Tag für den Artenschutz. Ein Handelsverbot hätte jedes Jahr 400 Eisbären das Leben retten können“, sagt Altherr, die mit ihrer Artenschutz-Organisation Pro Wildlife seit Monaten für das Handelsverbot gekämpft hat. „Profitgier und politische Absprachen haben erneut verhindert, dass eine aussterbende Art wie der Eisbär streng geschützt wird – ein Armutszeugnis“. Bereits auf der letzten Artenschutzkonferenz in Doha 2010 war der strenge Schutz des Eisbären am Widerstand Kanadas und der EU gescheitert. Gegner des Eisbären-Antrags argumentieren, dass sie die USA für ihre Klimaschutz-Politik abstrafen wollten. „Es ist kontraproduktiv, dass Differenzen beim Klimaschutz auf dem Rücken der Eisbären ausgetragen wurden – dem Symboltier des Klimawandels“, so Altherr.

Während die EU auf der letzten Cites-Konferenz gegen den Antrag stimmte, enthielt sie sich diesmal. Deutschland und die Mehrheit der EU-Staaten hatten sich für den Eisbärenschutz ausgesprochen, doch Dänemark und wenige andere Staaten blockierten ein positives Votum der EU, die auf der Artenschutzkonferenz einheitlich abstimmen muss. Die EU-Kommission drängte auf einen Alternativvorschlag, der jedoch den Handel mit Eisbären nicht eingeschränkt hätte. „Die EU zeigte sich hier erneut undiplomatisch, zerstritten und beschlussunfähig. Durch ihre Blockade trägt sie die Hauptverantwortung für das Scheitern des Eisbärenschutzes“, so die Pro Wildlife-Sprecherin.

 

Schwarze Prognose für weiße Bären

Etwa 20 000 Eisbären gibt es weltweit noch. Wissenschaftler haben errechnet, dass die Eisbärbestände bis 2050 allein aufgrund des Klimawandels um zwei Drittel zurückgehen werden.“Damit sind Eisbären laut Cites-Definition eindeutig vom Aussterben bedroht und der Handel mit ihnen sollte verboten werden“, so Altherr. In Kanada sind sieben der 13 lokalen Eisbärbestände bereits rückläufig, trotzdem werden alle Bestände weiterhin bejagt. Fellhändler und Trophäenjäger haben es auf große Tiere abgesehen, deshalb sind rund 80 Prozent der geschossenen Tiere männliche, erwachsene Eisbären, die für die Fortpflanzung fehlen. Der Eisbär-Experte Dr. Nikita Ovsyanikov von der russischen Delegation betonte auf der Artenschutzkonferenz, dass der legale Fellhandel den illegalen anheize – gerade in Russland merke man das: Hier werden inzwischen 200 Eisbären jährlich gewildert und nicht wenige von ihnen landen mit kanadischen Papieren im internationalen Handel.

 

Rekordpreise für Kaminvorleger aus Eisbärfell

Weil immer mehr Japaner, Europäer, Russen und Chinesen Eisbärenfelle kaufen, hat der Jagddruck auf Eisbären in Kanada in den letzten Jahren stark zugenommen. Bei Fellauktionen haben sich binnen fünf Jahren die Preise mehr als verdoppelt, die Zahl verkaufter Felle gar vervierfacht. Etwa 20.000 Euro erzielt das Fell eines großen Eisbären in Europa. Auch der Export ist seit 2007 deutlich angestiegen. „Ein einträgliches Geschäft für die Händler, aber für die Eisbären wird es eng“, sagt die Biologin Altherr.

Die heutige Entscheidung fiel im Fachausschuss, muss jedoch im Plenum nächste Woche noch bestätigt werden. Die 16. Vertragsstaaten-Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch Cites findet vom 3. bis 14. März in Bangkok, Thailand, statt.

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