Was Urlauber über Attraktionen mit Elefanten wissen sollten.

München, 7. März 2016. Auf Druck von Tierschutzorganisationen haben einige Reiseveranstalter Angebote mit Elefanten aus dem Programm genommen. Andere werben nach wie vor mit Fotos strahlender Touristen im hautnahen Kontakt mit Elefanten: Beim Reiten, Baden oder Füttern. Anlässlich der Internationalen Tourismusbörse Berlin hat die Tierschutzorganisation Pro Wildlife die Argumente analysiert, mit denen Urlauber für Elefantentourismus angeworben werden.
Seit Elefantenreiten in die Kritik geraten ist, erkundigen sich viele Reisende, ob Urlaubsattraktionen tierfreundlich sind. Attraktionen mit Elefanten, Camps und Volunteer-Programme erfahren großen Zuspruch. „Selten stecken dahinter wirklich elefantenfreundliche Einrichtungen“, sagt Daniela Freyer, Biologin bei Pro Wildlife. „Für Menschen kann der Kontakt zu Elefanten sogar äußerst gefährlich werden“.

Gnadenbrot für Arbeitselefanten?

In Thailand ist der Einsatz von Arbeitselefanten seit langem verboten. Der Gedanke, die Arbeitselefanten im Ruhestand für den Tourismus einzusetzen, wird oft missbraucht. „Da viele Arbeitselefanten schon recht alt sind, müsste die Zahl der Elefanten im Tourismus eigentlich zurückgehen. Das ist aber nicht der Fall. Dutzende Elefanten werden jährlich illegal aus der Wildnis gefangen, weil das Tourismusgeschäft mit Elefanten so lukrativ ist“, sagt Freyer. „Misstrauen ist angebracht, vor allem wenn Elefantenkälber und Jungtiere gehalten werden. Die Zucht von Elefanten ist in Gefangenschaft nur sehr selten erfolgreich“.

Elefantenbabys: Wildfänge statt Nachzuchten

Einrichtungen mit Elefantenbabys behaupten häufig, es handele sich um Nachzuchten oder gerettete Tiere. Tatsächlich sind viele dieser Jungtiere Wildfänge, denn die niedlichen Winzlinge öffnen die Herzen – und damit die Geldbeutel der Touristen. Beim Versuch, ihre Jungen zu beschützen, werden häufig die Muttertiere und andere Familienmitglieder getötet. „Solange Elefantenbabys in Gefangenschaft als Touristenmagneten dienen, wird weiter Nachschub aus den Wäldern geholt“, sagt Freyer. „Seriöse Waisenhäuser halten die Besucher auf Abstand und bieten weder Elefantenreiten noch Baden und Füttern an“.

Elefanten sind Wildtiere

Elefanten sind keine domestizierten Tiere. Damit sie überhaupt Menschen an sich heranlassen, wird der Wille der starken Tiere brutal gebrochen: mit Futterentzug, Schlägen, spitzen Eisenhaken und Haltung in Ketten. „Es ist egal, ob die Tiere zum Reiten, für Shows und Prozessionen oder als Pflegeobjekt eingesetzt werden: Für alle Tourismus-Attraktionen, bei denen Menschen direkten Kontakt zu Elefanten haben, müssen die Tiere unglaublich grausame Prozeduren ertragen. Darüber sollten sich Urlauber im Klaren sein.“

Das Märchen vom sanften Riesen

Elefanten gelten als die gefährlichsten Tiere in Gefangenschaft. Wenn sich die Wut jahrelang misshandelter Tiere Bahn bricht, gibt es regelmäßig Schwerverletzte und Tote. In den letzten 20 Monaten töteten Elefanten in Gefangenschaft 18 Menschen.  Anfang Februar wurde im Island Safari Camp im thailändischen Koh Samui ein britischer Tourist von einem Reitelefanten abgeworfen und mit den Stoßzähnen aufgespießt, zwei weitere Personen wurden verletzt. Am 27. Februar trampelte ein Elefant seinen Mahout in einem anderen thailändischen Camp zu Tode. Im vergangenen Sommer tötete in Deutschland ein entlaufener Zirkuselefant einen Passanten.

Artenschutz: Fehlanzeige

Einige Anbieter von Touristenattraktionen mit Elefanten bezeichnen sich als Auffangstationen oder behaupten, sie leisteten einen Beitrag zur Arterhaltung. Das Gegenteil ist jedoch oft der Fall: Touristische Angebote mit gefangenen Tieren befeuern die Nachfrage nach mehr „Tourismus-Elefanten“ – und die allermeisten stammen aus freier Wildbahn. In Natur pflanzen sich Elefanten problemlos fort – in Gefangenschaft gelingt dies nur selten. Zudem gibt es nur wenige seriöse Auffangstationen, die Tiere wieder auswildern. „Wir raten von allen Einrichtungen ab, die mit dem direkten Kontakt zu Elefanten werben oder in denen die Tiere sich nicht frei bewegen können. Bei verantwortungsvollen Safaris in freier Natur kann man Elefanten besser erleben – und einen Beitrag zu ihrem Schutz leisten“, so Freyer.

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