Welt-Artenschutzkonferenz verhandelt Rekordzahl von Schutzanträgen.

München/ Johannesburg, 20. September 2016. Vom Afrikanischen Elefanten bis zum Zwerggecko reicht die Bandbreite der bedrohten Arten, über deren Schutzstatus die 17. CITES-Artenschutzkonferenz vom 24. September bis 5. Oktober 2016 in Johannesburg entscheidet. Streit um den Elfenbein- und Nashornhandel sowie die Trophäenjagd sind vorprogrammiert. Auf der Tagesordnung stehen darüber hinaus mehr Anträge als je zuvor, Wildtiere besser vor Handel zu schützen – darunter Schuppentiere, Graupapageien, Haie und seltene Reptilien. Hoffnung besteht auch für Tropenhölzer: Für über 500 Rosenholz-Arten soll der Handel eingeschränkt werden. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife stellt eine Auswahl der 175 Initiativen für das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) vor.

Mit dem Handel von Wildtieren und -Pflanzen werden weltweit etwa jährlich 323 Milliarden Dollar umgesetzt. Heimtierhandel oder Trophäenjagd bringen viele Arten an den Rand der Ausrottung. Wildtiere werden zu Luxusprodukten, Statussymbolen und Medikamenten für die Traditionelle Medizin verarbeitet. Auch Fischerei und Tropenholzhandel dezimieren die Bestände. Solange wildlebende Tiere und Pflanzen nicht explizit durch CITES geschützt sind, dürfen sie international gehandelt werden. Alle drei Jahre treffen sich deshalb die 183 CITES-Vertragsstaaten zur Vollversammlung, um den zukünftigen Handel mit bedrohten Arten zu regulieren.

Löwe: Trophäenjagd und Traditionelle Asiatische Medizin gefährden den König der Tiere

Acht afrikanische Länder beantragen den höchsten Schutzstatus für Löwen – eine Folge des Bestandsrückgangs um 43 Prozent in den letzten 21 Jahren. Die westafrikanische Population ist akut vom Aussterben bedroht. Verantwortlich dafür ist der Verlust an Lebensraum und Beutetieren, Konflikte mit Viehzüchtern und die Großwildjagd. „In den letzten Jahren haben sowohl die Trophäenjagd als auch der Handel mit Löwenknochen für die Traditionelle Asiatische Medizin stark zugenommen – eine CITES-Anhang-I-Listung soll dies nun strenger regeln“, berichtet Daniela Freyer von Pro Wildlife. Die EU schlägt darüber hinaus in einer eigenen Initiative vor, die Ausfuhr von Jagdtrophäen zukünftig strenger zu kontrollieren.

Nashorn: Mehr wert als Gold

Weltweit gibt es nur noch etwa 20.000 Breitmaulnashörner. Das Horn wird ihnen zum Verhängnis, denn es wird für Traditionelle Chinesische Medizin und als Statussymbol genutzt. Seit 1977 gilt ein internationales Handelsverbot. Das will Swasiland jetzt ändern und fordert, den Rhino-Handel aus seinem Land freizugeben. Knapp 10 Millionen US-Dollar soll der Verkauf von 330 Kilo Horn aus Swasilands Lagerbeständen bringen. Es wurde lebenden Tieren entfernt oder stammt sogar aus Wilderei und Beschlagnahmen. „Eine Handelsfreigabe für Nashorn würde alle Versuche unterminieren, die Nachfrage in den illegalen Absatzmärkten in Asien und die Wilderei in den Griff zu bekommen“ so Freyer. Seit 2008 wurden in Afrika 6.000 Nashörner gewildert. „Wir gehen davon aus, dass Swasiland mit diesem Antrag bei der Staatengemeinschaft auf Granit beißen wird. Zudem gibt es hier einen massiven Interessenskonflikt: Der Vertreter der CITES-Behörde ist selbst Nashornfarmer und wäre direkter Nutznießer solcher Verkäufe“.

Elefanten: Streit um Elfenbeinhandel

Trotz der dramatisch gestiegenen Elefanten-Wilderei beantragen Südafrika, Namibia und Simbabwe, den Elfenbeinhandel wieder frei zu geben. Dem gegenüber steht der Antrag von 29 afrikanischen Staaten, jeglichen Elfenbeinhandel zu verbieten, allen Elefanten den strengsten Schutz zu gewähren, nationale Elfenbeinmärkte zu schließen und Lagerbestände zu zerstören. Derzeit durchlöchern zahlreiche Ausnahmen den Elefantenschutz. In den letzten Jahren wurden fast 100 Elefanten pro Tag gewildert, allein in Tansania waren es in nur sechs Jahren über 60.000 Tiere. Ursache ist die Gier nach Elfenbein. „Wir unterstützen die Forderung der großen Mehrheit der afrikanischen Länder, Elefanten besser zu schützen“, sagt Freyer. „Sollte die Staatengemeinschaft Elfenbeinhandel wieder in Aussicht stellen, wäre das das Todesurteil für Afrikas Elefanten.“

Reptilien: Gestohlene Sammlerstücke fürs Terrarium

Seit exotische Reptilien als Heimtiere immer beliebter werden, sammeln Händler immer seltenere Arten ab und verkaufen sie für tausende Euro in Europa. Vor allem Deutschland dient als Drehscheibe. Bedrohte Reptilienarten wie Zwerggecko, Borneo-Taubwaran und Krokodilschleichen sind nur in ihrem Herkunftsland streng geschützt, dürfen aber – sobald sie außer Landes geschmuggelt sind – in anderen Ländern gehandelt werden. „Für kleine Populationen kann dieser Handel das Aus bedeuten“, sagt Sandra Altherr von Pro Wildlife, die Behörden seit zwei Jahren auf diese gesetzliche Grauzone aufmerksam macht. Gleich mehrere Herkunftsländer sowie die EU haben reagiert: Sie wollen für über 60 Reptilienarten den internationalen Handel beschränken oder gar verbieten.

Schuppentiere: Wundermittel für die Traditionelle Medizin

Für acht Arten Pangoline beantragen zahlreiche afrikanische und asiatische Staaten sowie die USA ein absolutes Handelsverbot. Kaum bekannt ist, dass Schuppentiere zu den meist gejagten Säugerarten der Welt gehören. Das Fleisch der bizarren Tiere wird in Asien als Delikatesse verzehrt, ihre Schuppen gelten in der Traditionellen Medizin als Mittel gegen Hauterkrankungen und Ödeme. Dies hat dazu geführt, dass alle acht Pangolin-Arten bedroht sind, vielerorts sind sie bereits ausgerottet. In China kollabierten die Bestände binnen 15 Jahren auf ein Zehntel. „Vor dem Aussterben retten kann diese Tiere nur ein komplettes internationales Handelsverbot, das streng überwacht wird“, so Wildlife-Managerin Adeline Fischer.

Graupapagei: Aus der Freiheit in den Käfig

Zehntausende Graupapageien werden jährlich in der afrikanischen Wildnis eingefangen – viele von ihnen legal. Denn der internationale Handel mit den intelligenten Vögeln ist bisher nicht vollständig verboten, sondern nur eingeschränkt. „Inzwischen sind die Graupapageien-Bestände in vielen Herkunftsländern zusammengebrochen, wie jüngste Studien aus Ghana oder Kongo zeigen“, so Fischer. Sieben afrikanische Länder, Europa und die USA fordern nun ein komplettes Handelsverbot.

Berberaffen: Illegaler Handel nach Europa

Der Bestand der einzigen Primaten Nordafrikas ist in den letzten 24 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Etwa 200 Jungtiere werden jedes Jahr für den Heimtiermarkt eingefangen und in Europa für etwa 2.000 Euro angeboten. Europa und Marokko haben ein internationales Handelsverbot beantragt, das längst überfällig ist.

Mit Daniela Freyer, Dr. Sandra Altherr und Adeline Fischer nehmen für Pro Wildlife drei Artenschutz-Expertinnen an der CITES-Konferenz in Johannesburg teil. Sie stehen für Interviews und weitere Informationen zur Verfügung.

Kontakt:
Daniela Freyer, Daniela.Freyer@prowildlife.de (Johannesburg)
Annette Sperrfechter, Annette.Sperrfechter@prowildlife.de (München)

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