Erfolg bei Haien, Schildkröten und Tropenholz  – Tragischer Verlierer: der Eisbär

Bangkok, München, 14. März 2013. Für 65 bedrohte Tier- und 144 Pflanzenarten haben die 178 Vertragsstaaten in Bangkok (Thailand) auf der 16. Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) einen strengeren Schutz beschlossen: Für 20 Schildkrötenarten und für Sägerochen wird der Handel ganz ausgesetzt. Beschränkt gehandelt werden künftig unter anderem 128 Tropenholzarten, fünf Haie, Manta-Rochen, Grüne Baumgeckos, eine Schlangenart und 30 weitere Schildkrötenarten. Den Eisbären versagte die Staatengemeinschaft jedoch den strengen Schutz. „Abgesehen von der Niederlage für die Eisbären war diese die erfolgreichste Artenschutztagung seit langem“, sagt Sandra Altherr, die für Pro Wildlife auf der Konferenz verhandelt hat. „Der Schutz von fünf Haiarten ist ein Meilenstein, ebenso der Schutz so vieler Reptilien, und wir sind einen entscheidenden Schritt beim Tropenwaldschutz vorangekommen.“

Mehr Schutz für Fische

Für Heringshaie, Weißspitzen-Hochseehaie und drei Hammerhaiarten gelten künftig internationale Handelsbeschränkungen. Die Entscheidung blieb bis zum Schluss spannend: Der am Montag getroffene Beschluss musste am Donnerstag im Plenum bestätigt werden, der Widerstand asiatischer Länder war groß. “ Bei der vergangenen Artenschutzkonferenz kippte der Schutz für den Heringshai in letzter Minute im Plenum“, berichtet Altherr. Doch diesmal konnten sich die Haischützer endlich durchsetzen, entscheidend waren die Stimmen afrikanischer Staaten. Diese Haie vermehren sich nur sehr langsam und sind deshalb besonders anfällig für Überfischung. Der Heringshai landet als Haisteak auf den Tellern, die anderen vier Haiarten werden für Haiflossensuppe gejagt. Auch der Handel mit Manta-Rochen, die zunehmend für die traditionelle Medizin in Asien gefangen werden, wird nun durch CITES kontrolliert. Der Handel mit australischen Sägerochen ist künftig verboten.

 

Grüne Baumgeckos und Schildkröten

Zu den Gewinnern der Konferenz zählen auch dutzende Reptilienarten: Neun Arten Grüner Baumgeckos sind derzeit bekannt, die Konferenz hat nun den Handel erstmals beschränkt. Gefährdet sind die in Neuseeland beheimateten Tiere durch den internationale Heimtierhandel: Sie enden oft in deutschen Terrarien. Bisher waren Grüne Baumgeckos nur in Neuseeland geschützt. Durch den CITES-Beschluss können in Zukunft auch die europäischen Artenschutzbehörden gegen die Schmuggler vorgehen. Für 20 Schildkrötenarten wurde der internationale Handel verboten, darunter Tiere, die auch für den Heimtiermarkt in Deutschland gehandelt werden und Preise bis zu 2 000 Euro pro Tier erzielen. Für Raritäten wie die Goldkopf-Scharnierschildkröte bezahlen Sammler sogar 10 000 Euro. Für 30 weitere Arten, die bislang nicht geschützt waren, wird der internationale Handel künftig durch CITES kontrolliert. In Asien sind Schildkröten durch den Handel für den Verzehr und für die Traditionelle Medizin bedroht.

 

Schutz der Tropenwälder kommt voran

„Beim Schutz der Tropenwälder sind wir auf dieser Konferenz einen Riesenschritt vorangekommen“, so Altherr. Der bisher unkontrollierte internationale Handel mit Tropenhölzern wie Palisander aus Südostasien und Südamerika sowie Rosenholz (48 Arten) und Ebenholz (83 Arten) aus Madagaskar wird künftig zumindest überwacht. Ursprungsländer aus drei Kontinenten hatten Schutzanträge für Tropenholz gestellt. „Der Kampf gegen die Holzmafia ist ab sofort nicht mehr nur Sache der Herkunftsländer“, sagt Altherr. „Jetzt sind auch die Importländer wie China, USA und die EU  in der Pflicht, den Kampf gegen den Tropenholzhandel aufzunehmen.“

 

Diplomatische Ränkespiele auf Kosten der Eisbären

Den Antrag der USA für ein internationales Handelsverbot mit Eisbärfellen schmetterten die Vertragsstaaten ab – wie bereits 2010. „Der Eisbär ist der tragische Verlierer dieser Konferenz. Die Staatengemeinschaft hat erneut die Chance vertan, jedes Jahr das Leben von 400 Eisbären zu retten“, kritisiert Altherr. Die Gegner des Handelsverbots hatten argumentiert, der Klimawandel sei im Vergleich zum Handel die größere Gefahr. „Es geht hier nicht um entweder oder. Als Naturschützer ist es unsere Pflicht, alle Ursachen zu bekämpfen, die eine Art bedrohen. Es ist geradezu zynisch, dass Differenzen beim Klimaschutz auf dem Rücken der Eisbären ausgetragen werden –  dem Symboltier des Klimawandels“. Zum Verhängnis wurde den Eisbären auch die Behauptung, noch seien die Bestände nicht bedroht genug. „Die letzten Prognosen von Wissenschaftlern sagen einen Rückgang von 67 Prozent bis 2050 voraus – damit erfüllt der Eisbär eindeutig die Voraussetzung für ein Handelsverbot. Der CITES-Grundsatz des Vorsorgeprinzips wurde hier mit Füßen getreten, Politik und Profitgier haben gesiegt“. Etwa 20 000 bis 25 000 Eisbären gibt es weltweit noch. Kanada erlaubt als einziges Land, dass jährlich 600 Eisbären abgeschossen werden; etwa 400 davon landen im internationalen Handel.

 

Elefanten- und Nashornwilderei eskaliert

Diskutiert wurde auch  die eskalierende Wilderei von Elefanten und Nashörnern. „Leider wurden die vorhandenen Schlupflöcher nicht geschlossen“, so Sandra Altherr. Eine Ausnahme vom bestehenden Handelsverbot ermöglicht es weiterhin, dass Nashörner in Südafrika von angeblichen Trophäenjägern legal erlegt werden, und das Horn anschließend als Wundermittel in den asiatischen Markt eingeschleust wird. Auch bei Elefanten gibt es keine Entwarnung: Legale Elfenbeinmärkte in Asien bieten einen Deckmantel für Elfenbeinschmuggler und befeuern die Wilderei von jährlich über 35.000 Elefanten. „CITES muss endlich Zähne zeigen, um die Wilderei-Krise zu beenden. Wenn China und Thailand ihre Elfenbeinmärkte nicht freiwillig schließen, muss die Staatengemeinschaft Handelssanktionen erlassen, um diese Länder zur Einsicht zu bewegen“, so Pro Wildlife.

 

Nachfrage reduzieren

„Ob Tropenhölzer, Hai-Fleisch, Jagdtrophäen, Reptilleder, lebende Tiere für den Heimtierhandel, Nashorn-Pulver oder Elfenbein: Der Handel mit bedrohten Arten muss eingedämmt werden. Wir müssen jedoch auch die Konsumenten überzeugen: Ihre Nachfrage nach Wildtieren, ob legal oder illegal, richtet großen Schaden an“, so das Resümee der Artenschützerin.

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