Seit 40 Jahren reguliert CITES den internationalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten

München, 26. Februar 2013. Am 3. März beginnt in Bangkok die 16. Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) – 40 Jahre nachdem es unterzeichnet wurde. Die 177 Vertragsstaaten entscheiden, für welche bedrohten Tier-und Pflanzenarten der internationale Handel eingeschränkt oder verboten wird. Streit erwarten Artenschützer bei den Debatten um Eisbären und Haien, aber auch Nashörner, Rochen, Schildkröten und Elefanten stehen auf der Tagesordnung. „CITES ist das wichtigste Abkommen zum Schutz bedrohter Arten, weil es verbindliche Entscheidungen trifft und Verstöße mit Handelssanktionen ahnden kann“, sagt Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Konferenz teilnimmt.

Eisbären

 Die USA beantragt ein internationales Handelsverbot für Eisbären. Neben dem Klimawandel bedroht die kommerzielle Jagd die Bestände zusätzlich: In Kanada werden etwa 600 Eisbären pro Jahr geschossen – für den internationalen Fellmarkt; bei nur noch 20 000 bis 25 000 Tieren weltweit. „Die Eisbär-Bestände sinken rapide, aber die internationalen Preise steigen, und damit auch die Zahl der geschossenen Eisbären und die Exporte von Eisbärfellen – ein CITES-Handelsverbot könnte diese fatale Entwicklung schnell und effizient stoppen“, sagt Altherr.

Seeschlacht im Konferenzraum: Haie und Rochen

Für Heringshaie, Hammerhaie*, den Weißspitzen-Hochseehai, zwei Arten Manta-Rochen und drei Süßwasserstechrochen sind internationale Handelsbeschränkungen beantragt. Während Heringshai als Haisteak an Fischtheken verkauft wird, werden die anderen Haiarten wegen ihrer Flossen gejagt. Die Knorpelreuse der Mantas wird immer häufiger für die Traditionelle Asiatische Medizin gehandelt, sie gilt als Wunderheilmittel gegen Krebs. Die kleinen Süßwasser-Stechrochen sind im internationalen Aquaristik-Handel begehrt. Fischereinationen in Asien haben Widerstand gegen alle Schutzanträge mariner Arten angekündigt.

Nashorn: aus der Savanne in die Apotheke

2012 wurden in Südafrika so viele Breitmaulnashörner gewildert wie seit Jahrzehnten nicht mehr: 668 Tiere starben im Kugelhagel der Wilderer. Pulverisiertes Rhino-Horn gilt in China als fiebersenkend und krampflösend , in Vietnam seit ein paar Jahren als Wundermittel gegen Krebs. Dies ließ die Schwarzmarktpreise auf bis zu 70.000 Euro pro Kilogramm hochschnellen und heizte die Wilderei an. Trotzdem dürfen Nashörner als Jagdtrophäen für den privaten Gebrauch aus Südafrika exportiert werden. Findige Geschäftemacher aus Vietnam und China nutzen diese Gesetzeslücke, indem sie sich in Südafrika als Trophäenjäger ausgeben, Rhino-Horn legal exportieren und es in den Schwarzmarkt schleusen. Kommerzieller Handel mit Rhino-Horn ist nach CITESverboten. Kenia beantragt, diese Lücke zu schließen, um den Handel durch die Hintertür zu stoppen.

Elefanten

Erstmals seit 20 Jahren liegt kein Antrag vor, der den CITES-Schutzstatus von Elefanten lockern oder Elfenbein für den Handel freigeben möchte. Tansania hatte einen entsprechenden Vorstoß im Dezember zurückgezogen. Dennoch werden Elefanten auf der Konferenz eine wichtige Rolle spielen. Berichte belegen, wie Elfenbeinwilderei und -Schmuggel in den letzten Jahren eskaliert sind, letzterer besonders in China und Thailand, dem Gastgeberland. Gleichzeitig verhandeln die Vertragsstaaten über einen so genannten Entscheidungsmechanismus für zukünftige legale Elfenbeinverkäufe. Pro Wildlife befürchtet, dass dies dem illegalen Handel weiter Vorschub leisten würde.

Eine alte Konvention hat noch Biss

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, im Englischen Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora, abgekürzt CITES) wurde 1973 ins Leben gerufen, um durch den Handel bedrohte Tier- und Pflanzenarten vor der Ausrottung zu bewahren. Deutschland war einer der Gründungsstaaten. Inzwischen sind 177 Länder diesem Bündnis beigetreten, das über 5.000 Tier- und 28.000 Pflanzenarten schützt. Die CITES-Mitgliedsstaaten treffen sich alle drei Jahre, um darüber zu verhandeln, welche Schutzbestimmungen für Tier- und Pflanzenarten gelockert oder verschärft werden. Im Gegensatz zu anderen Konventionen, deren Beschlüsse meist nur Aufforderungscharakter haben, müssen CITES-Vertragsstaaten die Beschlüsse binnen 90 Tagen verbindlich in geltendes Recht umsetzen.* Bogenstimmenhammerhai (Sphyrna lewini), Großer Hammerhai (Sphyrna mokarran) und Glatter Hammerhai (Sphyrna zygaena)

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