München, 22. August 2017

Delfinschlachten bleibt rückläufig – Fang lebender Tiere für Delfinarien boomt. 

In Japan stagniert die Delfinjagd zur Fleischgewinnung, während der Fang für die Delfinarien-Industrie weiter ansteigt. Zu diesem Ergebnis kommt die Artenschutzorganisation Pro Wildlife, die anlässlich des Beginns der Delfinjagd-Saison in Japan am 1. September die offiziellen Fangstatistiken seit dem Jahr 2000 untersuchte. Demnach boomt seit dem Jahr 2000 der Verkauf lebender Tiere an Delfinarien vor allem nach China und Südkorea. „Insbesondere Große Tümmler sind als Stars in Vergnügungsparks beliebt – für ein dressiertes Tier werden Preise von mehr als 100.000 Euro bezahlt. Gerade in China schießen immer neue Delfinarien aus dem Boden und Japan ist noch vor Russland der wichtigste Lieferant lebender Delfine“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife.

In den vergangenen 15  Jahren ist die Anzahl getöteter Delfine und Kleinwale in Japan um 86 Prozent zurückgegangen:  von 18.748 Tieren im Jahr 2000 auf 2.648 Tiere in 2015, dem zuletzt veröffentlichten Jahr. „Die jüngeren Japaner essen kaum noch Delfinfleisch. Es gilt als altmodisch und offenbar hat sich in der Öffentlichkeit herumgesprochen, wie stark das Fleisch mit Giftstoffen belastet ist“, sagt die Biologin Altherr. „Die antiquierten Delfinmassaker sind nur noch rentabel, weil das große Geld inzwischen mit lebenden Tieren gemacht wird.“

Japans berüchtigtes Delfinschlachten

Zwischen 2000 und 2015 wurden laut offiziellen Statistiken des japanischen Fischereiministeriums insgesamt 171.376 Kleinwale und Delfine vor Japans Küsten getötet. Mit weitem Abstand die am intensivsten bejagte Art ist dabei der nur zwei Meter große Dall’s Hafenschweinswal: Er stellt 85 Prozent der getöteten kleinen Meeressäuger (s.u.), gefolgt von Streifendelfinen (4,7 %), Risso’s Delfinen (3,6%) und Großen Tümmlern (3,4%).  Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat wiederholt vor allem die Jagd auf Dall’s Hafenschweinswale kritisiert. Zwar unterliegen die kleinen Meeressäuger nicht dem seit 1986 geltenden Walfangverbot, doch bereits zwei IWC-Resolutionen übten Kritik an den viel zu hohen Fangzahlen Japans, die die Populationen der Dall‘s-Hafenschweinswale bedrohen. „In den letzten 50 Jahren wurden mehr als eine halbe Million Dall’s-Hafenschweinswale in Japans Gewässern getötet. Zumindest bei dieser Tierart hat die Regierung in Tokio reagiert und den Fang stark zurückgeschraubt“, erläutert die Pro Wildlife Sprecherin.

Delfinarien finanzieren das Abschlachten der Meeressäuger

Während die Zahl der getöteten Delfine stark zurückgegangen ist, werden immer mehr junge Delfine und Kleinwale aus ihren Familienverbänden gefangen, um in Delfinarien zu enden.  Waren es 2000 noch 69 lebende Tiere, hat sich die Zahl seither verdreifacht: Nach Augenzeugenberichten von Organisationen vor Ort waren es  alleine im Jahr 2016 mehr als 230 Delfine.  „Beliebt sind vor allem die durch die TV-Serie „Flipper“ bekannt gewordenen Großen Tümmler: Sie machen mit 1.400  Tieren mehr als 70 Prozent der insgesamt 1.943 Delfine aus, die zwischen 2000 und 2016 gefangen wurden“, so Altherr. Außerdem wurden in diesem Zeitraum Weißseitendelfine (160), Schlankdelfine (149), Risso’s Delfine (119), Kleine Schwertwale (54), Kurzflossen-Grindwale (35), blau-weiße Delfine (18), Hafenschweinswale (5) und Glattschweinswale (2) gefangen.  „Viele dieser Delfine sind noch immer für japanische Delfinarien bestimmt, doch allein für 353 Große Tümmler war China der Abnehmer, gefolgt von Südkorea (42), Russland (24) und Taiwan (23)“, so Altherr.  „Delfinarien-Besucher in diesen Ländern bezahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ihrem Ticketkauf die grausame Jagd in Japan.“

Fangmethoden sind noch brutaler geworden

Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm „Die Bucht“ enthüllte 2009 die extrem brutalen Treibjagden im japanischen Hafenstädtchen Taiji und verursachte einen weltweiten Aufschrei. „Wir gehen davon aus, dass der Film dazu beigetragen hat, dass vor allem die jüngere Generation diese blutige Tradition ablehnt und kein Delfinfleisch mehr isst“, so Altherr. Die Fischer reagierten auf den Film mit einer veränderten Fangmethode:  Den Delfinen wird nun eine Art Korken in die Speerwunde gerammt, so dass sie innerlich verbluten und das Blut das Wasser nicht mehr rot färbt. Das Leiden der Tiere hat sich hierdurch nochmals verlängert.

*Augenzeugenberichte von Organisationen vor Ort

 

Diesen Beitrag teilen