Affen werden für Versuchslabore aus freier Natur gefangen

München, 16.  März  2012. Endstation Versuchslabor: für immer mehr Javaneraffen (Macaca fascicularis) wird das traurige Realität. Weltweit floriert der internationale Handel mit dieser Affenart für Tierversuche. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife berichtet, dass  der große Bedarf an Versuchstieren zum Teil sogar  aus freier Natur gedeckt wird. „Längst nicht alle der importierten Affen stammen aus Zuchtfarmen, wie offiziell behauptet wird“, erklärt Daniela Freyer , die für Pro Wildlife den Handel mit Wildtieren beobachtet.  „Um Artenschutz-Bestimmungen zu umgehen und die große Nachfrage zu decken, werden die Tiere in Ländern wie Indonesien, Laos und Kambodscha eingefangen und offiziell als Zuchttiere deklariert.“ Am 17. März befasst sich der Tierausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) in Genf mit dem Handel mit Javaneraffen.

Internationaler Handel mit Javaneraffen steigt dramatisch an

Ein Vergleich der Handelszahlen von 1999 bis 2004 mit den Jahren 2005 bis 2010  zeigt einen dramatischen Anstieg der exportierten Javaneraffen. Deren Anzahl hat sich weltweit mehr als verdoppelt. Sie stieg von 32.000 auf 66.000 gehandelte Tiere pro Jahr, wie aus CITES-Daten[1] hervorgeht.  Hauptabnehmer sind neben den USA und Japan vor allem europäische Länder. Während im Jahr 1999 noch 4450 Affen in die EU importiert wurden, waren es elf Jahre später schon fast 7600. Damit stellt der Javaneraffe einen traurigen Rekord auf, denn mit keinem anderen CITES-geschützten Säugetier wird weltweit mehr gehandelt.

Wildfänge aus Südostasien für fragwürdige Versuche
– auch in deutschen Laboren?

Tier- und Artenschützer fordern die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens bei der diesjährigen Tagung des CITES-Tierausschusses in Genf (15. bis 21. März) erneut auf, den Handel mit Javaneraffen genauer unter die Lupe zu nehmen. Angesichts der steigenden Exportzahlen und der dubiosen Quellen, aus denen die Tiere zum Teil stammen, soll der Handel mit ihnen besser überprüft und reguliert werden.  Obgleich ein Großteil der Affen laut Ausfuhrdokumenten angeblich aus Zuchtfarmen in Südostasien stammen soll, kann die steigende Anfrage aus Versuchslabors nicht allein dadurch gedeckt werden.

Wie das Einfangen der Tiere abläuft, zeigen Videos der britischen Tierschutzorganisation BUAV:  Affen werden brutal eingefangen, zum Teil in Säcke gestopft und als Frachtgut im Stauraum von Booten verladen. Aus der Wildnis entrissen und vom Familienverbund getrennt, warten die Tiere auf den weiteren Transport. Krankheiten, Verletzungen und Stress sind dabei an der Tagesordnung. Einige der Tiere, die den Umweg über chinesische „Zuchtfarmen“ nach Europa und Amerika nehmen, sterben bereits, bevor sie ihr Ziel erreicht haben.

Tiere im große Stil der Natur zu entreißen, wirkt sich auch negativ auf die Populationen aus: „Niemand weiß, wie viele Javaneraffen tatsächlich noch in freier Natur leben. Klar ist nur, dass die Bestände durch Lebensraumverlust, Jagd und Tierfang dezimiert werden“, sagt die Biologin Freyer.  „Dennoch boomt das Geschäft, solange CITES den Handel mit Javaneraffen nicht grundsätzlich verbietet und die Behörden im Exportland weiterhin bescheinigen, dass die Tiere aus legalen Quellen stammen. Dies alles geschieht zudem für einen äußerst fragwürdigen Zweck“, so Freyer weiter. „Es bestehen grundsätzliche Zweifel daran, wie aufschlussreich  Medikamententests sowie virologische und toxikologische Versuche an wild gefangenen Tieren mit unbekannter Vorgeschichte und Herkunft sein können.“

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