Zurück in die Freiheit: Auswilderung bleibt das Ziel

2010: Rettung von fast 1.500 Graupapageien.

Das von uns unterstützte Limbe Wildlife Centre (LWC) in Kamerun wurde 2010 auf eine besonders harte Probe gestellt: 1.450 beschlagnahmte Graupapageien, viele davon mit zerstörten Flugfedern, kamen in die Auffangstation. Für das LWC war das ein trauriger Rekord. Bereits in den Jahren zuvor waren hunderte Papageien in die Station gebracht worden.

Viele Tiere konnten nicht mehr fliegen und waren in einem fürchterlichen Zustand. Graupapageien sind begehrte Haustiere und sie wurden über viele Jahre hinweg zigtausendfach gehandelt. Beim Fang gehen die Vogelfänger äußerst brutal vor. Sie legen an beliebten Versammlungsorten der Schwärme Leimruten aus, an denen die Vögel kleben bleiben. Viele Tiere überleben diese Tortur nicht. Der Handel mit Graupapageien war damals außerhalb der EU noch erlaubt und Kamerun gab offizielle Exportquoten aus, die jedoch oft überschritten wurden. Einmal mehr zeigte sich: Wo legaler Handel stattfindet, gibt es auch illegalen.

Graupapagei © Pixabay

Die von Pro Wildlife unterstützte Last Great Ape Organization (LAGA) half bei der Beschlagnahme von tausenden Graupapageien innerhalb weniger Jahre, mehr als 3.300 nahm das LWC zwischen 2007 und 2010 auf. Für die Einrichtung war das ein riesiger Kraftakt, denn die Auffangstation war vornehmlich für Affen, nicht aber für diese große Menge an Vögeln ausgelegt. Pro Wildlife finanzierte den Bau einer großen Voliere und unterstützte das Team bei der enormen Herausforderung, tausende Papageien medizinisch zu versorgen, zu füttern, aufzupäppeln und schließlich wieder in die Freiheit zu entlassen. Glücklicherweise können die durch die Leimfallen zerstörten Flugfedern nachwachsen, doch das dauert einige Monate.

Die Auswilderung der Papageien verdeutlicht eine Herausforderung, der alle Auffangstationen begegnen. Viele Tierarten können nur mit extrem großem Aufwand ausgewildert werden. Plumploris beispielsweise sind meist in sehr schlechter Verfassung, wenn sie gerettet werden. Über Monate oder Jahre hinweg werden sie fit gemacht für die Freiheit. Noch schwieriger ist es für Orang-Utans, die in einer speziellen Schule das Klettern und Hangeln auf Bäumen lernen müssen. Und Elefantenbabys brauchen jahrelang spezielle Milch und intensive Betreuung.

Doch der Aufwand lohnt sich: Wenn die Tiere erfolgreich in die Freiheit zurückkehren, hilft dies nicht nur den betroffenen Individuen, sondern kann zum Erhalt bedrohter Arten beitragen. Auffangstationen sind die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Tiere beschlagnahmt werden. Denn wissen die Vollzugsbeamten nicht, wohin mit den Tieren, lassen sie sie meist bei den Tierhändlern oder Haltern. Zudem können Artenschutzbehörden nur solche Arten aufgreifen, für die überhaupt Handelsbeschränkungen oder -verbote gelten. 2016 konnten wir für die Graupapageien auf der CITES-Artenschutzkonferenz ein internationales Handelsverbot erwirken.

Meilensteine 2010
Rotaugenlaubfrosch
März 2010: 15. CITES-Artenschutzkonferenz
Auf der 15. CITES-Artenschutzkonferenz werden alle Rotaugenlaubfrösche erstmals geschützt. Zuvor landeten sie zu Tausenden im Haustierhandel. (Foto © Brian Gatwicke)
Holzlager in Kamerun © Pro Wildlife
Oktober 2010: EU-Importverbot für illegal geschlagenes Holz
Die EU verabschiedet die FLEGT Holzhandels-Verordnung, die Importe für illegal geschlagenes Holz verbietet. Pro Wildlife ist Mitglied einer Arbeitsgruppe zum Thema.
Chamäleon Zeylanicus
Dezember 2010: Forderung nach mehr Tierschutz auf Tierbörsen
Nach aufwändigen Recherchen fordern Pro Wildlife und der Deutsche Tierschutzbund mit einer Dokumentation mehr Tierschutz auf Tierbörsen. (Foto © Wikimedia)

Pro Wildlife-Chronik

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