Zirkus ohne Wildtiere

2013: Wirbel um Elefantenkuh Mädi.

2013 wurden wir Zeuge, wie deutsche und europäische Behörden beim Schutz von Zirkustieren versagten; erst nach Jahren gab es späte Gerechtigkeit. Seit 2007 hatte Pro Wildlife auf Missstände bei der Schaustellerfamilie Renz hingewiesen. Daniel Renz betrieb den „Circus Universal Renz“, sein Bruder René verdiente Geld damit, Kinder mit Alligatoren schwimmen zu lassen und zog mit einer Reptilienshow durch die Lande.

2013 erfuhr Pro Wildlife von einem Informanten, dass René Renz einen Elefanten kaufen und mit dem Tier durch Osteuropa touren wollte. Bei uns klingelten alle Alarmglocken: René Renz hatte bisher keine Elefanten gehalten. Die Zirkuselefantin mit Namen „Mädi“ war bereits in schlechtem Gesundheitszustand und wurde tierschutzwidrig alleine gehalten. Wir informierten sofort die zuständigen Behörden und Ministerien. Zwar erreichten wir, dass die Veterinärbehörde das Gelände inspizierte. Doch offenbar hatte sie ihren Besuch zuvor angekündigt und die Zirkusleute konnten das Tier rechtzeitig verstecken. Kurz darauf verluden sie es auf einen LKW und transportierten es 2.000 Kilometer bis nach Estland.

Asiatische Elefanten

Pro Wildlife wandte sich an die Behörden in den Ländern, in denen Renz Station machte. Niemand schritt ein. Fotos und Videos zeigten Renz, wie er mit der deutlich abgemagerten Mädi durch Innenstädte spazierte, in Zirkuszelten und auf Kindergeburtstagen auftrat. Schließlich kam es zur Katastrophe: Renz führte Mädi an einen See, in dem sie sich hinlegte. Videoaufnahmen zeigten Renz, der in Badehose auf ihr herumturnte – offenbar als Werbeaktion für seine Zirkusshow. 47 Minuten lang dauerte das Schauspiel, am Ende war Mädi qualvoll ertrunken. Die Elefantin war zu schwach, um sich wieder aufzurichten. Ihr Rüssel lag unter Wasser, wegen einer lange bekannten Rüssellähmung konnte sie ihn nicht herausheben. Die Aufnahmen von ihrem Todeskampf sorgten international für Schlagzeilen. Pro Wildlife erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

Zurück in Deutschland wollte Renz weiterhin Geld mit seiner Krokodilshow verdienen. Wir informierten Medien und Politiker und machten weiter Druck bei allen verantwortlichen Behörden, um die Tierhaltung der Brüder Renz endlich zu beenden. Der Universal Circus Renz meldete 2013 Konkurs an und gab endlich seine verbliebenen Tiere ab. Die Alligatorfarm wurde weiter betrieben, wenn auch unter Auflagen. Es dauerte bis 2017, bis die Behörden aus Sicherheitsgründen endlich die Betriebsgenehmigung als Zoo verweigerten. 2018 wurden 28 Alligatoren zum Verkauf angeboten. Es scheint als müsse Renz endlich aufgeben – aber offenbar nicht, ohne aus seinen Tieren noch den letzten Profit zu schlagen.

Wie kaum ein anderer Fall zuvor brachte der Fall Renz das Tierleid im Zirkusgeschäft und die Ohnmacht der Behörden an die Öffentlichkeit. Pro Wildlife kämpft weiter dafür, Wildtiere in Zirkussen endlich zu verbieten.

Meilensteine 2013
Teufelsrochen, Manta im Meer
März 2013: CITES-Konferenz
Bei der CITES-Artenschutzkonferenz werden fünf Haiarten sowie alle Teufelsrochen unter Schutz gestellt; ein weiterer Erfolg unserer Hai-Kampagne. (Foto © Tomas Kotouc)
November 2013: 232 Plumploris gerettet
In Indonesien kommen in die von Pro Wildlife unterstützte Auffangstation 232 beschlagnahmte Plumploris und werden bis zur Auswilderung gesund gepflegt.(Foto © IAR)
Orca Killerwal Meer
November 2013: „Blackfish“ kommt in die Kinos
Pro Wildlife ist offizieller Partner der preisgekrönten Kino-Dokumentation „Blackfish“, der das Leiden von Orcas in Delfinarien enthüllt. Der Film sorgt für weltweite Kritik.

Pro Wildlife-Chronik

Diesen Beitrag teilen