Walfang in Norwegen: Gefangen in der Zeitschleife

2016: Norwegen ist Walfänger Nummer eins.

Norwegens Walfänger befanden sich jahrelang in einer komfortablen Situation. Während Japan und Island auf den Tagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) und in der Öffentlichkeit kritisiert wurden, fing Norwegen in aller Stille mehr Wale als die beiden anderen. Pro Wildlife war seit seiner Gründung auf allen Walfangkonferenzen vertreten und wollte endlich den Fokus auch auf Norwegen legen. Wir analysierten Daten und Fangzahlen und recherchierten Hintergründe. Heraus kam 2016 der Bericht „Frozen in Time“, der zum ersten Mal genau das zeigte, was uns auf den Konferenzen aufgefallen war: Norwegen war und ist die weltweit größte Walfangnation und blieb dennoch lange von Kritik verschont.

Norwegen nutzt wie Japan und Island Schlupflöcher, um trotz internationalem Walfangverbot Großwale zu jagen. Japan versteckte sich lange hinter dem Deckmantel der „Wissenschaft“, und kündigte Ende 2018 an, ganz aus der IWC auszusteigen, um wieder kommerziell Wale zu fangen. Norwegen und Island sind durch einen Einspruch juristisch nicht an das Moratorium gebunden.

Walfang Norwegen © Michael Tenten

Walfang Norwegen © Michael Tenten

Bei der IWC Fortschritte für den Walschutz zu erreichen, war schon immer schwierig, schließlich gründeten Walfangländer das Abkommen 1946 ursprünglich, um die schwindenden Walbestände untereinander aufzuteilen. Zu Beginn unserer Arbeit 1999 zeigte sogar die deutsche Delegation noch Sympathien für den Walfang. Das änderte sich erst, als Renate Künast Umweltministerin wurde und unsere Argumente auf fruchtbaren Boden fielen.

Walfang in Norwegen

Walfang in Norwegen

Die Lager der Walfang-Befürworter und -Gegner in der IWC sind fast gleich groß, für wichtige Entscheidungen bräuchte es jedoch eine Dreiviertelmehrheit. Versuche einzelner Walschutzländer, die Patt-Situation aufzubrechen, waren oft wenig durchdachte, gefährliche Kompromisse. Irland etwa wollte auf einer der Konferenzen den Walfang in Küstengewässern erlauben, dafür aber den Hochsee-Walfang beenden.

Wir rechneten das Szenario durch und bewiesen, dass das den Tod von viel mehr Walen bedeuten würde. Der Vorschlag war also vom Tisch. In dieser schwierigen Situation ist es bis heute ein Riesenerfolg, dass wir das seit 1986 geltende Walfangmoratorium erhalten konnten; trotz heftiger Attacken der Walfangnationen. Auch an einer Reihe wichtiger Resolutionen zum Handel mit Walfleisch, zur Delfinjagd in Japan oder gegen Japans „Wissenschaftswalfang“ konnten wir mitwirken. Und wir konnten den Blick endlich auch auf Norwegen lenken.

In den 20 Jahren, in denen Pro Wildlife an diesem Thema arbeitet, haben wir viele Delegierte mit unserer Expertise beraten. Wir entlarven die Tricks und Kniffe, mit denen die Walfangländer den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen wollen. Für die Verhandlungen wichtig sind deshalb unsere zahlreichen Hintergrundberichte, die Argumente und Strategien bieten. Selbst nach dem Ausscheiden Japans bleibt die IWC eine enorm wichtige Institution, bei der Pro Wildlife für den Walschutz auch weiterhin mitverhandeln wird.

Meilensteine 2000
Graupapagei
September 2016: CITES-Artenschutzkonferenz
Auf der 17. CITES-Artenschutzkonferenz werden mehr als 50 Reptilien- und Amphienarten aufgrund der Vorarbeit von Pro Wildlife unter Schutz gestellt. Auf unsere Initiative hin werden auch Graupapageien und nach zwölf Jahren Arbeit die Perlboote (Nautilus) geschützt.
Elefantenreiten © Pixabay
November 2016: Deutscher Reiseverband kritisiert Elefantentourismus
Auf unsere Initiative hin empfiehlt der Deutsche Reiseverband (DRV) seinen mehreren tausend Mitgliedsunternehmen, auf touristische Angebote mit Kontakt zu Elefanten aus Gründen des Tier- und Artenschutzes sowie der Sicherheit zu verzichten.
Makohai © Tomas Kotouc
November 2016: Kein MSC-Siegel für Hai-Beifang
Gemeinsam mit einem Bündnis können wir verhindern, dass eine spanische Schwertfischerei das MSC-Siegel erhält, obwohl viele Haie als Beifang verenden. (Foto © Tomas Kotouc)

Pro Wildlife-Chronik

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