Von Wühltischen, Leitlinien und einem langen Atem

2006: Leitlinien für Tierbörsen veröffentlicht.

Tausende Tiere, in kleine Plastikboxen gestopft und auf regelrechten Wühltischen zur Schau gestellt: Reptilienbörsen sind ein Albtraum für Tiere. Lange Jahre konnten Händler, Käufer und Schmuggler agieren, wie sie wollten. Pro Wildlife sind diese Veranstaltungen ein Dorn im Auge, allen voran Europas größte Börse „Terraristika“ in Hamm (NRW).

Nicht nur der Tierschutz wird mit Füßen getreten, sondern auch der Artenschutz: In den Behältern und Schaukästen war und ist noch immer fast alles zu finden, was die Natur hergibt. Seltene Arten, Wildfänge, potentiell invasive Arten werden dort wie auf einem Flohmarkt angeboten, Schleuderpreise inklusive. Giftige Schlangen gibt es schon für 30 Euro, Skorpione für 15 Euro, manche Arten werden regelrecht verramscht oder wandern als Zugabe zu anderen Tieren über den Tisch. Andere, besonders seltene Arten erzielen Preise von mehreren tausend Euro. Von Anfang an hat Pro Wildlife diese Börsen kritisiert – bei Politikern und Ministerien sowie in Medienberichten. Dank unserer beharrlichen Arbeit berief das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) 2004 endlich einen Arbeitskreis ein; 2006 wurden die ersten Leitlinien für Tierbörsen veröffentlicht. Es waren die ersten Regeln für Tierbörsen überhaupt.

Jemen-Chamäleon © Pixabay

Ebenfalls 2006 fand zum letzten Mal die Börse „Exotic Animal“ statt, auf der exotische Säugetiere verkauft wurden. Dort hatten sich ab 2002 unglaubliche Szenen abgespielt: Flughunde wurden in Vogelkäfigen angeboten und mit dem Hinweis verkauft, sie zu Hause an der Gardinenstange halten zu können. Eine Käuferin erkundigte sich wenige Minuten, nachdem sie das Geld über den Tisch geschoben hatte, was sie da eigentlich erstanden hat. Ihr Quastenstachler wird wohl kein artgerechtes Leben führen. Diese Zeiten sind zumindest für exotische Säuger vorbei, die Börse wurde eingestellt.

Die Reptilienbörsen bleiben jedoch Umschlagplätze für Anbieter und Käufer aus der ganzen Welt. 2010 zogen wir deshalb durch die Republik, besuchten viele Börsen und dokumentierten die eklatanten Missstände, die es trotz der mühsam erarbeiteten Leitlinien noch immer gab. Unsere Kritik wurde auch durch die 2015 vom Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene und 2018 veröffentlichte EXOPET-Studie bestätigt: Die Studie hatte Tierschutzprobleme in Handel und Privathaltung von Wildtieren untersucht und auf Tierbörsen und im Internethandel die gleichen Probleme festgestellt wie Pro Wildlife. Der Druck auf die Bundesregierung ist größer denn je, Handel, Verkauf und Privathaltung von Wildtieren endlich streng zu regeln.

Meilensteine 2006
Januar 2006: Gorillas kommen zurück in ihre Heimat
In chinesischen Zoos tauchen vier wildgefangene Gorillas auf. Langwierige Verhandlungen zur Rückgabe der Tiere an ihre Heimat in Kamerun sind erfolgreich. 2007 nimmt sie das von Pro Wildlife unterstützte Limbe Wildlife Centre auf. (Foto © LWC)
Februar 2006: Kooperation mit LAGA startet
Die Last Great Ape Organization (LAGA) entstand aus dem EAGLE-Netzwerk und kämpft gegen Wilderei in Afrika, greift Regierungen mit Recherchen unter die Arme, deckt Korruption auf und unterstützt die Behörden beim Vollzug. (Foto: Ofir Drori mit Daniela Freyer un Dr. Sandra Altherr © JF Lagrot)
März 2006: Auswilderung von Elefanten in Sri Lanka
Das Elephant Transit Home in Sri Lanka wildert sechs Elefanten im Udawalawe-Nationalpark aus. Die Tiere wurden jahrelang auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.

Pro Wildlife-Chronik

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