Verzicht auf Tropenholz statt fragwürdige Siegel

2004: Greenwashing mit Siegeln aufgedeckt.

Eigentlich war das Credo seit den 1980ern klar: Kauft kein Tropenholz! Doch ab den 1990ern waren Einrichtungshäuer und Bau-märkte wieder voll davon, in den Gärten standen Teak-Liegen und Mahagoni-Schreibtische zierten die Arbeitszimmer. Auf den Möbeln und Holzstücken prangten Siegel, die Nachhaltigkeit versicherten. Was war passiert?
Pro Wildlife nahm die Recherchen auf und veröffentlichte 2004 den Bericht „Affenschande“. Wir dokumentierten die verheerenden Folgen, die der Tropenholzhandel für Primaten hat. Als Beispiele dienten uns Indonesien, Malaysia, Kamerun und die Demokratische Republik Kongo, wo Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas und zahllose weitere Arten bis heute unter dem Holzeinschlag leiden.

Wo immer die Holzindustrie Straßen und Trassen baut, haben auch Wilderer leichtes Spiel und können immer tiefer in die Wälder eindringen. Sie versorgen dann die Holzfällercamps mit Fleisch; auch Menschenaffen gehören zur Beute, denn sie liefern besonders viel Fleisch pro Kugel.

Wir fanden heraus, warum Tropenholz plötzlich wieder angesagt war. Viele Verbraucher vertrauten angeblichen Nachhaltigkeitssiegeln wie FSC oder PEFC. Doch diese Zertifizierungen sorgen vor allem für ein gutes Gewissen, denn in Wirklichkeit bekommen häufig auch solche Unternehmen oder Produkte ein Siegel, die mit Naturschutz und Nachhaltigkeit wenig am Hut haben. Schuld daran ist die lasche Zertifizierungspraxis ebenso wie das Expansionsstreben vieler Siegel. Denn sie wollen ihren Anteil am Weltmarkt stetig ausbauen, was dann zu Lasten von Kriterien und Kontrollen geht. Plantagenholz suggeriert den Verbrauchern Nachhaltigkeit, doch oft musste erst Urwald weichen, um den schädlichen Monokulturen Platz zu machen. Wir zeigten, dass selbst illegaler Holzeinschlag und Wilderei trotz Zertifikat vorkommen.

Nicht nur FSC steht bis heute in der Kritik, auch die Siegel MSC für Meeresfisch und RSPO für Palmöl gaukeln Nachhaltigkeit vor. MSC beispielsweise will in zehn Jahren 30 Prozent des Weltmarktes mit nachhaltigem Fisch versorgen. Wie soll das funktionieren angesichts schwindender Bestände? Standen wir Mitte der 2000er Jahre noch recht alleine mit unserer Kritik an der Siegel-Schwemme, setzt sich inzwischen immer mehr die Einsicht durch, dass der Konsum von Wildtieren und Pflanzen drastisch reduziert werden muss. Ein Anlass zur Hoffnung.


Die wichtigsten Pro Wildlife-Berichte: Eine Auswahl

Meilensteine 2004
Januar 2004: Importstopp für Grizzly-Trophäen aus Kanada
Nach mehrjähriger Arbeit kann Pro Wildlife die EU überzeugen, endlich den Import von Grizzly-Jagdtrophäen aus British Colombia in die Europäische Union zu stoppen.
September 2004: Kooperation mit Elephant Transit Home
Pro Wildlife beginnt eine Kooperation mit dem Elephant Transit Home in Sri Lanka, das als eine der wenigen seriösen Stationen Elefanten aufnimmt und auswildert.
Papagei Kakadu Gelbwangenkakadu
Oktober 2004: CITES-Artenschutzkonferenz
Pro Wildlife verhandelt erfolgreich auf der CITES-Artenschutzkonferenz und hilft, unter anderem Gelbwangenkakadus und Blaukopfamazonen zu schützen.

Pro Wildlife Chronik

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