Trophäenjagd im Visier

2015: Cecil macht Schlagzeilen.

Schwarze Mähne, GPS-Halsband, Touristenliebling: Cecil, der prächtige Löwe, war in Simbabwe bei Urlaubern und Wissenschaftlern bekannt. Der Löwe lebte im Hwange-Nationalpark und war Teil einer wissenschaftlichen Studie, bis ein US-amerikanischer Zahnarzt das Tier mit Hilfe von Aas aus dem Schutzgebiet lockte, mit einer Armbrust auf den Löwen schoss und ihn erst 24 Stunden später von seinen Qualen erlöste. 50.000 Dollar kostete dieses brutale Abenteuer, die Lizenzen des Jagdanbieters waren nicht ordnungsgemäß.

Der Fall Cecil rüttelte die Öffentlichkeit wach. Trophäenjagd gibt es seit der Kolonialzeit. In etlichen Ländern ist sie noch heute erlaubt, doch meist blieben die Praktiken bisher im Verborgenen. Mit Cecil bekam dieser „Blutsport“ jedoch einen Namen und ein Gesicht. Der Fall ging um die Welt und zeigte, mit welch grausamen und korrupten Methoden Großwildjäger töten. Ausländische Jäger erlegen alleine in Afrika 100.000 Tiere pro Jahr, darunter auch bedrohte Arten wie Elefanten, Leoparden und Nashörner. In Kanada werden sogar Eisbären als Trophäe geschossen.

Trophäenjagd Löwe Cecil Simbabwe

Afrikanischer Löwe © Martin Harvey

Pro Wildlife kämpft seit langem gegen die Trophäenjagd. Gründe dafür gibt es genug: Nach deutschem Tierschutzgesetz ist es verboten, Tiere alleine wegen der Trophäe, ohne vernünftigen Grund, zu töten. Zudem kommen im Ausland Methoden zum Einsatz, die grausam und in Deutschland teils verboten sind, wie die Hetzjagd oder der Abschuss – auch großer Tiere wie Elefanten – mit Armbrust oder Pfeil und Bogen. Und die Trophäenjagd kann fatale Auswirkungen auf Tierbestände haben: Studien zeigen, dass es aufgrund der Jagd in einigen Gebieten kaum noch ausgewachsene Löwen gibt und dass Tiere von Jägern erlegt werden, sobald sie die Schutzgebiete verlassen. Auch die letzten großen Elefantenbullen, die für die Fortpflanzung sehr wichtig sind, sind bei Großwildjägern besonders begehrt. Immer wieder macht Pro Wildlife diesen Raubbau sowie Missmanagement und Korruption im Jagdsektor publik und fordert, die Einfuhr von Jagdtrophäen zu verbieten.

Viele Regierungen und sogar manche Naturschutzorganisationen folgen seit den 1990er Jahren der Maxime: „Schutz durch Nutzung“. In der Theorie soll das Geld aus der Jagd die Menschen motivieren, die Wildtierbestände als Einnahmequelle zu erhalten. In der Realität profitieren jedoch vor allem die Jagdindustrie und korrupte Funktionsträger, nicht die Bevölkerung vor Ort. Dabei gibt es vetretbare Formen des Wildtiertourismus, die den Menschen vor Ort viel mehr bringen: Nachhaltiger Foto-Tourismus beispielsweise schafft mehr Arbeitsplätze, spült mehr Geld in die Kassen und kein Tier muss dafür sterben.

Der Kampf gegen die Trophäenjagd geht also weiter, doch immer wieder erzielen wir Teilerfolge. Seit dem Tod des Löwen Cecil erfährt das Thema deutlich größere öffentliche und mediale Aufmerksamkeit. Zahlreiche Fluglinien stellten seither den Transport von Trophäen ein. Einige Länder wie Frankreich und die USA haben die Einfuhr von Jagdtrophäen bestimmter Arten eingeschränkt oder wie die Niederlande sogar gestoppt. Für Trophäen von Löwen, Elefanten, Eisbären und Grizzlys gelten immerhin teilweise Einfuhrverbote in die EU. Und die Provinz Britisch Kolumbien in Kanada hat die umstrittene Grizzlyjagd endlich verboten.

Meilensteine 2015
Juni 2015: Neuer Pro-Wildlife-Patenelefant in Sri Lanka
Im Elefantenwaisenhaus in Sri Lanka wird das Pro Wildlife-Patentier Shiva aufgenommen. Es wurde gesund gepflegt und wird nun auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.
Juli 2015: Bericht „Endstation Wohnzimmer“
Pro Wildlife veröffentlicht den Bericht „Endstation Wohnzimmer“, der erstmals den Online-Handel mit exotischen Säugetieren in Deutschland untersucht.

Helmchamäleon auf Reptilienbörse

Juli 2015: Bundestag sieht Missstände beim Exotenhandel
Der Bundestag fordert das Landwirtschaftsministerium endlich auf, die eklatanten Missstände im Exotenhandel zum Beispiel auf Tierbörsen zu bekämpfen.

Pro Wildlife-Chronik

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