Tierquälerei im Frachtraum

1999: Kampf gegen Wildtiertransporte bei Lufthansa Cargo.

Pro Wildlife war erst wenige Monate alt, schon deckten wir einen massiven Skandal auf. Uns erreichten erschreckende Videoaufnahmen aus Südafrika. Tierschützer hatten bei einem Flug der Lufthansa Cargo bis auf die Knochen abgemagerte, tote und bereits verweste Wüstenfüchse, Kraniche und Tauben entdeckt. Wir recherchierten und fanden bald heraus, welches Martyrium die Tiere hinter sich hatten: Sie wurden in der Wildnis eingefangen und auf einer aberwitzigen Flug-route von Sudan über Frankfurt nach Südafrika verfrachtet.

Kronenkraniche

Der Verwesungsgrad eines Tieres deutete darauf hin, dass es bereits am Flughafen der Main-Metropole tot gewesen sein musste. Die Abfertigung dort bescheinigte den Tieren dennoch einen „guten Gesundheitszustand“ und schickte sie trotz fehlender Gesundheitspapiere und missachteter Transportbestimmungen weiter nach Südafrika. In den elf Stunden Aufenthalt in Frankfurt kümmerte sich offenbar niemand um das Wohl der Tiere. Aber es kam noch schlimmer: Wegen fehlender Papiere verweigerten die Behörden in Südafrika die Annahme der vermutlich für einen Zoo bestimmten Tiere – und schickten sie über Frankfurt zurück an den Tierhändler im Sudan.

Pro Wildlife erstattete sofort Anzeige gegen Lufthansa Cargo sowie die tierärztliche Grenzkontrolle in Frankfurt und gab das Videomaterial an die Presse. Die Meldung schlug ein, als das ZDF in einem investigativen Fernsehbeitrag berichtete. Gleichzeitig forderten wir Lufthansa auf, den Transport von Wildtieren einzustellen. Wie konnte es sein, dass dutzende Tiere im Frachtraum der größten deutschen Airline verendeten und trotz angeblicher Kontrollen bei Zwischenstopps in Frankfurt sogar weiter transportiert wurden? Der Skandal spitzte sich zu, als ebenfalls in einer Lufthansa-Cargo-Maschine Delfine aus Argentinien starben, die für Delfinarien bestimmt waren. Gemeinsam mit Kollegen der Whale and Dolphin Conservation verhandelten wir mit Lufthansa-Vertretern über einen Ausstieg aus dem Geschäft mit Wildtieren; mit Erfolg.

Lufthansa lenkte ein und stoppte (mit Ausnahmen) den Versand von Wildtieren für kommerzielle Zwecke. Für den jungen Verein Pro Wildlife war das ein Meilenstein. Zudem zeichnete sich bereits damals ab, welche Strategien auch künftig erfolgsversprechend sein würden: Öffentlicher Druck gepaart mit Gesprächen mit Entscheidungsträgern sowie Zusammenarbeit mit Verbündeten. Ein Rezept, das wir bis heute erfolgreich zum Schutz von Wildtieren einsetzen.

Meilensteine 1999
Daniela Freyer und Dr. Sandra Altherr
Februar 1999: Gründung von Pro Wildlife
Biologen, Tierärzte und Naturschutzinteressierte gründen Pro Wildlife. Das gemeinsame Ziel: weltweit den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume zu verbessern. Von Anfang an verbindet Pro Wildlife Tier- und Artenschutz miteinander, bekämpft Ursachen und Folgen gleichermaßen, zeigt Missstände auf und nimmt Einfluss auf Gesetze sowie politische Entscheidungen.

Pro Wildlife-Chronik

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