Pro Wildlife deckt Delfin-Massaker in Japan auf

2000: Delfinjagden in Taiji und Futo.

Bei diesen Bildern kann sich schnell der Magen umdrehen: Hunderte Delfine liegen in blutrotem Wasser, Fischer töten sie mit Eisenhaken und Messern – ein Massaker. Was uns die Organisation EIA aus Japan schickte, war kaum zu glauben. Denn vor der Veröffentlichung dieser Videos wusste niemand in Europa, was in den japanischen Fischerorten wie Taiji oder Futo vor sich ging. Die Jagd auf Delfine war unbekannt, bis Pro Wildlife das Material der Presse zur Verfügung stellte.

© EIA

Das Team von Stern TV machte die Jagd auf Delfine in Japan zum Aufmacher seiner Sendung. Die Pro Wildlife Mitarbeiter gaben ihr Interview im privaten Wohnzimmer, denn ein richtiges Büro hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Reaktionen der Zuschauer, Anrufe, Website-Aufrufe und E-Mails nach der Ausstrahlung der fürchterlichen Bildern, brachten unseren Server zum Absturz; so groß war die Resonanz.

Die laute, internationale Kritik zeigte Wirkung und das Fischerörtchen Futo stellte die Jagd auf Delfine ein. In ganz Japan gingen seither die Fangzahlen stark zurück, von anfänglich fast 19.000 Tiere auf inzwischen etwa 2.300 pro Jahr. Für uns einer der wichtigsten Erfolge der vergangenen 20 Jahre. Pro Wildlife blieb über die Jahre am Thema dran, denn die Grausamkeit, mit der die sensiblen Meeressäuger getötet werden, ließ uns nicht mehr los.

Großer Tümmler © Trevor Scouten

2018 schließlich veröffentlichten wir gemeinsam mit Kollegen unseren Bericht „Small cetaceans, big problems“ über den Fang und die Tötung von Delfinen und Kleinwalen weltweit. Der Bericht macht deutlich: Nicht in Japan oder auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln werden derzeit die meisten Tiere gejagt, sondern in Peru, Nigeria und Madagaskar. Weltweit sind es 100.000 Delfine und Kleinwale pro Jahr. In einigen Teilen der Welt werden die Meeressäuger sogar nur deshalb getötet, um als Köder für Haie zu dienen oder um aus ihren Zähnen Brautschmuck zu machen. Delfine und Kleinwale sind anders als Großwale bisher nicht durch die Internationale Walfangkommission (IWC) geschützt, was sie in vielen Regionen zu einfachen Zielen für Jäger und Fischer macht. Unser neuer Bericht sorgte für internationale Aufmerksamkeit und soll als Vorlage für neue politische Initiativen dienen, um auch Delfine endlich international besser zu schützen.


Ich tauche seit fast fünfzehn Jahren, habe viele Wunder unseres blauen Planeten mit eigenen Augen gesehen und wünsche mir, dass auch unsere Kinder diese Chance bekommen: in Ozeanen voller Leben zu schwimmen. Vom Schutz der Arten, und zwar aller Arten, wird auch unser Überleben abhängen. Deshalb muss das auf jeder politischen und wirtschaftlichen Agenda ganz oben stehen. Pro Wildlife gibt Wildtieren wie Delfinen und Walen eine Stimme. Ich unterstütze diese großartige Organisation von Herzen und werde auch weiterhin an ihrer Seite stehen!
Florian Weiss
TV- & Radiomoderator
Meilensteine 2001
Kronenkranich © Pixabay
April 2001: Lufthansa Cargo reagiert auf Kritik
Lufthansa stoppt nach der massiven Kritik von Pro Wildlife und Kollegen den Transport von Wildtieren zu kommerziellen Zwecken. Zuvor waren auf mehreren Flügen zahlreiche Wildtiere gestorben.
Mai 2001: Deutschland wird zum Walfanggegner
Im Gespräch mit der damaligen Umweltministerin Renate Künast kann Pro Wildlife bewirken, dass die deutsche Delegation für die Walfangtagung ihre Position überdenkt und sich vom Walfang-Sympathisanten zum Walfang-Gegner mausert.
Japan_Walfang©Australian Customs and Border Protection Service
Juli 2001: Betrug der Walfangländer aufgedeckt
Eine Analyse von Pro Wildlife und Kollegen deckt auf, wie Japan seit Jahren Länder bei den Konferenzen der Internationalen Walfangkommission bestochen hatte, damit diese für Japans Anträge stimmten. (Foto © Australian Customs and Border Protection Service)

Pro Wildlife-Chronik

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