Wildtiere sind keine Wunderheilmittel

2002: Kampagne zur Traditionellen Asiatischen Medizin.

Rheuma, Geisteskrankheit, Triefauge? Knochen, Hirn, Haut oder der Penis von Tigern sollen helfen. Bei Gicht und Fieber wird Rhino-Horn verabreicht und Schildkrötenpanzer beugt angeblich Vergesslichkeit vor. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist Jahrtausende alt und wird bis heute in großen Teilen Asiens angewandt. Die meisten Inhaltsstoffe sind aus Artenschutzsicht unbedenklich, einige aber höchst problematisch.

Immer mehr Menschen mit immer mehr Geld suchen in der traditionellen Medizin Linderung für alltägliche Leiden oder ernsthafte Krankheiten. Viele nutzen Nashorn-Pulver und andere, besonders teure Inhaltsstoffe auch als Statussymbol. Für einige Tierarten, denen heilende Kräfte zugesprochen werden, bedeutet das eine ernste Bedrohung. Tiger, Nashorn und Seepferdchen sind nur einige der Arten, die für die Medizin ausgerottet werden. Dabei ist der Übergang zu vermeintlich stärkender Ernährung fließend. Alleine mehr als 100 Rezepte nutzen Tigerteile, auf den Märkten werden getrocknete Plumploris und Geckos ebenso verkauft wie Saiga-Hörner und Schlangengalle. Auch das am meisten gewilderte Säugetier der Welt, das Schuppentier, fällt der TCM zum Opfer.

© James Warwick

Millionen Wildtiere werden zu Salben, Pillen und Pulvern verarbeitet. Diese enorme Menge kann die Natur unmöglich wieder ausgleichen; denn nicht nur in Asien, sondern auch in Teilen Südamerikas und Afrikas werden Wildtiere in der traditionellen Medizin eingesetzt. Wir sind überzeugt, dass diese Tiere nur gerettet werden können, wenn sie streng geschützt werden und die Nachfrage durch Aufklärung sinkt.

Da der internationale Schutz am wirkungsvollsten über die CITES-Artenschutzkonferenz funktioniert, helfen wir bei Anträgen zum Schutz dieser Arten mit. 2002 dokumentierten wir den millionenfachen Handel mit Schildkröten für die TCM und erreichten einen wichtigen Sieg, als wir 22 Arten asiatische Sumpfschildkröten unter Schutz stellen lassen konnten. Die Saiga-Antilope soll bei der nächsten Artenschutzkonferenz streng geschützt werden. Ihre Hörner werden zur Behandlung von Fieber und Schmerzen eingesetzt.

Saiga-Antilope ©Igor-Shpilenok

Saiga-Antilope ©Igor-Shpilenok

Der zweite, ebenso wichtige Ansatz ist die Reduktion der Nachfrage in den Absatzmärkten in Asien, aber auch in Europa.Deshalb kooperiert Pro Wildlife mit der Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin, veröffentlichte wiederholt Artikel für ein Fachmagazin zur TCM und machte auf die Bedrohung der Tiere aufmerksam. In einem Übersichtsartikel zeigten wir, welche Tiere gegen welche Leiden eingesetzt werden und wie gefährlich das für das Überleben zahlreicher Arten ist. Chinesische TCM-Ärzte reagierten positiv darauf und zeigten Alternativen auf, so dass die Anwender die Nutzung von Wildtierprodukten vermeiden können: Bockshornkleesamen statt Seepferdchen, Seifenbohnendornen statt Schuppentieren und Spargelwurzel statt Landschildkröten.

Die ständige Kritik unter anderem an der Regierung Chinas, die zum Teil sogar in den staatlichen Krankenhäusern den Einsatz von Wildtierprodukten befürwortet, zeigt langsam Wirkung. 2019 kündigte Peking an, die Verwendung von Schuppentieren und Nashörnern in TCM-Rezepturen zu verbieten.

Meilensteine 2002 & 2003
Wal Zwergwal Walfang
Mai 2002: Bericht „Running out of fish“
Unser Bericht „Running out of Fish“ zeigt, dass Wale nicht die Fischbestände plündern. Japan hatte seinen Walfang damit begründet, Wale würden zu viel Fisch fressen.
April 2003: ZDF besucht das Limbe Wildlife Center
Das ZDF-Auslandsjournal besucht das Limbe Wildlife Centre in Kamerun und informiert über die Bedrohung von Menschenaffen und anderen Wildtieren. (Foto © LWC)

Schimpanse J.A.C.K. © Ainare Basaras

Dezember 2003: Kein Export von Schimpansen
Pro Wildlife verhindert mit Hilfe von öffentlichem Druck den geplanten Export alter Schimpansen von Berlin an Zoos mit schlechten Haltungsbedingungen in China. (Foto © Ainare Basaras)

Pro Wildlife-Chronik

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