Wilderei bedroht alle Nashorn-Arten

Wilderei: Das Horn wird zum Verhängnis aller Nashorn-Arten.

Alle fünf noch lebenden Nashorn-Arten sind durch Wilderei für den lukrativen Nashorn-Handel bedroht. In Afrika lassen kriminell organisierte Syndikate im großen Stil Nashörner wildern und deren Horn als Wunderheilmittel und Statussymbol nach Südostasien schmuggeln, insbesondere nach Vietnam und China. Mit bis zu 60.000 US-Dollar pro Kilo ist das Horn von Nashörnern mehr wert als Gold.

Horn Wilderei bedroht das Breitmaul-Nashorn © Pixabay

Wildereikrise seit 2008

In Afrika leben noch etwa 17.-19.000 Breitmaul- und maximal 5.600 Spitzmaulnashörner. Fast 9.000 Nashörner wurden zwischen 2008 und 2018 auf dem Kontinent gewildert. 7.638 davon (87 Prozent) in Südafrika. Dort leben die meisten Breitmaulnashörner, doch der Bestand ist stark rückläufig. Die Wilderei ist auf dem afrikanischen Kontinent zwischen 2008 und 2015 stark angestiegen, damals erreichte sie ein Rekordniveau von insgesamt 1.349 gewilderten Tieren. Südafrikas Umweltministerium vermeldete seit 2016, dass die Anzahl der getöteten Nashörner kontinuierlich zurück gegangen sei und wertete dies als Erfolg im Kampf gegen die Wilderei. Was in Pressemitteilungen allerdings verschwiegen wird, ist dass die Nashorn-Bestände in Südafrikas Kruger Nationalpark, wo ein Großteil der Wilderei stattfindet, dramatisch eingebrochen sind und sich nicht erholen: Bei Breitmaulnashörner betrug der Rückgang 67 Prozent (von 10.621 auf 3.549 zwischen 2011 und 2019), bei Spitzmaulnashörnern 35 Prozent (von 415 auf 268 zwischen 2013 und 2019).

Statistik Breitmaulnashorn

Statistik SpitzmaulnashornGemessen an der geringen Anzahl überlebender Tiere relativiert sich also der Rückgang der Wilderei – denn wo weniger Tiere leben, können auch weniger gewildert werden. Positiv ausgewirkt hat sich hingegen die Corona-Krise: Durch die Schließung des Nationalparks für Besucher konnten auch weniger Wilderer ihrem Handwerk nachgehen, denn viele scheinen die regulären Eingangstore zu nutzen. Südafrikas Regierung steht zudem in der Kritik, weil sie immer wieder Vorstöße zur Freigabe des Handels mit Nashorn-Horn unterstützt. Obwohl der Handel mit Rhino-Horn international seit den 1970er Jahren verboten ist, ist er innerhalb Südafrikas erlaubt. 2017 wurde sogar eine Auktion eines Nashornzüchters genehmigt, die um Käufer aus Asien warb.

Internationaler Nashorn-Handel bleibt verboten

Trotz der eskalierten Wilderei wird immer wieder darüber diskutiert, den seit 1977 international verbotenen, aber äußerst lukrativen  Nashorn-Handel wieder zu erlauben. Das Königreich Swasiland beantragte auf der Weltartenschutz-Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) im Herbst 2016 und erneut 2019, dass ihm der internationale Handel mit Nashorn erlaubt wird. Diese Versuche wurden mit großer Mehrheit abgelehnt: Ein- und Ausfuhr von Nashorn-Horn zu kommerziellen Zwecken bleiben verboten. Pro Wildlife hatte sich gemeinsam mit vielen weiteren Artenschützorganisationen hierfür eingesetzt. Begründet hatte Swasiland den Antrag mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Erlöse für den Schutz der Nashörner benötigt würden.

Nashorn-Wilderei ist ein Milliardengschäft

Von einem kommerziellen Handel mit Nashorn würden in allererster Linie private Besitzer von Nashörnern profitieren, die zum Teil erhebliche Lagerbestände angesammelt haben und seit Jahren versuchen, die Handelsfreigabe voran zu treiben. Vor allem in Südafrika steht die Regierung seit Jahren unter dem Druck einiger weniger privater Nashorn-Besitzer, die ihren Tieren das Horn regelmäßig abnehmen lassen. Das Umweltministerium arbeitete bereits im Vorfeld dieser Entscheidung an einer umstrittenen neuen Regelung, die es zukünftig nicht nur ermöglichen soll, Nashorn-Horn im Land mit behördlicher Genehmigung zu verkaufen, sondern auch die Ausfuhr für „persönliche Zwecke“. In Südafrika selbst gibt es so gut wie keine Nachfrage nach Nashorn-Horn. Die Freigabe des nationalen Marktes würde allerdings ein großes Schlupfloch für den Schmuggel von Horn nach Asien schaffen und es erschweren, Straftäter zu verfolgen.

Nashorn-Handel muss tabu bleiben

Die Legalisierung des Nashorn-Handels spielt vor allem Wilderern und kriminell organisierten Schmuggler-Syndikaten in die Hände und unterminiert bisherige Versuche, die Nachfrage in den illegalen Absatzmärkten in Asien und die Wilderei einzudämmen. Durch eine Legalisierung des Handels droht jegliches Tabu zu fallen: neue Käuferschichten würden zum Kauf angeregt und die Nachfrage nach dem nachweislich wirkungslosen Nashornpulver weiter angeheizt. Dies würde nicht nur Nashörner in Afrika, sondern auch die zum Teil noch stärker bedrohten Bestände in Asien bedrohen. Die Behauptung, der angeblich kontrollierte Handel könne Schmuggel und Wilderei zurückdrängen ist hingegen durch nichts belegt. Dasselbe Argument wurde ins Feld geführt, um den Elfenbeinhandel wieder zu erlauben. Dieses Experiment bezahlten zehntausende Elefanten mit dem Leben. Denn illegaler Handel und Wilderei von Elefanten haben enorm zugenommen, nachdem die internationale Staatengemeinschaft Abverkäufe von Elfenbeinlagerbeständen genehmigte und damit die Nachfrage in Asien schürte.

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