Konferenz zum Schutz wandernder Arten

CMS COP 12 – Their Future is Our Future

Vom 23. bis 28. Oktober 2017 fand in Manila (Philippinen) die 12. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zum Schutz wandernder Arten (CMS) statt. Pro Wildlife war mit Wildlife-Managerin Adeline Fischer und Biologin Anina Schuller vor Ort vertreten, um den bestmöglichen Schutz für bedrohte Wildtiere mit auszuhandeln. Hier ihr Tagebuch von der Konferenz:

Samstag, 28. Oktober 2017
Ein bisschen mulmig war es uns ja vor diesem letzten Tag, wo im Plenum alle hart errungenen Entscheidungen aus erster Instanz noch mal bestätigt werden mussten. Aber es ging alles nach Plan – und die 12. CMS-Konferenz lässt uns in Feierlaune zurück: Für über 30 wandernde Arten wurden die Schutzmaßnahmen endgültig beschlossen:

Auch Leoparden gehören zu den Gewinnern der 12. CMS-Konferenz

Auch Leoparden gehören zu den Gewinnern der 12. CMS-Konferenz

Schimpansen sind unter den Gewinnern, ebenso kaspische Robben, Wildesel, vier Geier-Arten, Walhaie, Rote Fledermäuse sowie – und das war ja lange von Südafrika, Simbabwe und Uganda bekämpft worden auch Löwen, Giraffen und Leoparden. Wir schweben auf Wolke Sieben. So langsam fällt die Anspannung ab, die Freude greift – auch wenn es immer traurig macht, Abschied von tollen Kollegen zu nehmen.

Donnerstag, 26. Oktober 2017
Ein aufregender Tag steht uns bevor, ist es doch der letzte Arbeitstag, bevor es am Samstag zur finalen Plenumssitzung geht, in welcher die angenommenen Resolutionen, Entscheidungen und Korrekturen der Anträge dann verabschiedet werden.

Wir besuchen die letzten Side-Events, bei denen es u.a. um die Konflikte zwischen Mensch & asiatischem Elefant in Indien und um den internationalen Handel mit Wildtieren geht. Beides Themen, die auch CMS ansprechen, da die grenzübergreifende Zusammenarbeit und der Erhalt des Lebensraumes maßgeblich zum Schutz und zur Eindämmung dieser Probleme helfen würden.

Eine nervenaufreibende Zerreißprobe ist dann allerdings das nachmittägliche Treffen im Plenum: Da in der zuständigen Arbeitsgruppe keine Einigung in Bezug auf die Anträge von Löwe, Giraffe, Schimpanse und Leopard zustande kam, muss nun hier über deren Annahme beraten werden. Da sich Simbabwe, Südafrika, Tansania und Uganda immer noch weigern, die Anträge zum Löwen und zur Giraffe anzunehmen, kommt es zum ersten Mal in der CMS Geschichte zu einer Abstimmung.

Glücklicherweise werden die Gegner haushoch überstimmt und so freuen wir uns sehr, dass heute u.a. folgende Tierarten einen besseren Schutzstatus zugesprochen bekommen haben: Löwe, Giraffe, Leopard, Schimpanse, aber auch 4 verschiedene Fledermaus-Arten sowie der Walhai und drei weitere Haiarten. Wir müssen zwar noch die Verabschiedung am Samstag abwarten, aber sind sehr zuversichtlich, dass dem Erfolg des heutigen Tages nichts mehr im Wege steht!

Mittwoch, 25. Oktober 2017
Heute ging es im Plenum weiter, die verbliebenen Anträge der verschiedenen Tierarten vorzustellen, nationale Berichte durchzugehen und den strategischen, langfristigen Plan von 2015-2023 zu besprechen. Außerdem kam auf der heutigen Agenda folgendes – wichtiges – Thema zur Sprache: Nachhaltiges Management von wandernden Tierarten, das u.a. auch Dinge wie den Klimawandel, die Verschmutzung der Meere, Beifang und die Einbindung der lokalen Bevölkerung in den Tierschutz beinhaltet. Dies sind wichtige Punkte, die zur Lebensraumsicherung und damit zum Schutz der Tiere beitragen.

Mittags ging es zu verschiedenen Side-Events. Mit dabei war zum Beispiel der Vortrag zum „African Elephant Action Plan“. Das ist ein Abkommen von 38 afrikanischen Staaten, um den effektiven Schutz der letzten, verbleibenden Elefantenpopulationen zu sichern. Es wurde bereits vor zehn Jahren auf der CITES-Konferenz beschlossen, um dann drei Jahre später in Kraft zu treten. Nun geht es darum, dass auch CMS diesen Plan annimmt, wofür sich alle Beteiligten auch ausgesprochen haben. Somit haben die Dickhäuter auch bei dieser CMS-Konferenz gute Aussichten auf noch besseren Schutz.

Auch in den Arbeitsgruppen gab es heute wieder viel zu tun: Das Treffen rund um die Wasserlebenden Arten behandelte hauptsächlich sprachliche Feinheiten, während in der terrestrischen Sitzung weiter hitzig über die Anträge von Löwe, Leopard und Giraffe, sowie Schimpanse diskutiert wurde. Leider kam es dabei trotz Sitzung bis spät abends zu keinerlei Konsens, sodass wir die Tagung im morgendlichen Plenum abwarten müssen…

Dienstag, 24. Oktober 2017
Im Plenum wurden heute viele brandaktuelle Themen diskutiert: Aktionsplan für Afrikanische Elefanten, Lebendfang von Meeressäugern für Delfinarien und illegale Tötung von Vögeln waren nur einige davon. Unsere Kollegen von OceanCare haben stellvertretend für viele Organisationen (u.a. Pro Wildlife) ein Statement zu Lärm im Meer gemacht. Manche Anträge, wie beispielsweise der Afrika weite Schutz von Raubkatzen wurden bereits vorgestellt, aber nicht diskutiert. Das Plenum wird diese erst zur Diskussion stellen, wenn die Arbeitsgruppen Empfehlungen erarbeitet haben.

Mittags hatte die Europäische Kommission zu einer Anhörung geladen. Dabei wurden einige Positionen der EU kritisch betrachtet, aber auch das Engagement gelobt. Die EU tritt vereint auf: Die 28 Länder werden von auserwählten Delegierten vertreten.

In den Arbeitsgruppen, die mittags und abends stattfanden, wurden vor allem die Arten-Listungsanträge diskutiert. Wie schon erwartet gab es hier vor allem bei Löwen, Leoparden und Giraffen Kontroversen. Wie auch bei CITES verbündeten sich Botswana, Südafrika und Uganda gegen den strengeren Schutz dieser Arten. Scheinheilig nutzten sie das Argument, diese Arten würden die  Anforderungen „wandernd“ von CMS nicht erfüllen und ihre landeseigenen Populationen wären in einem gesunden Zustand. Der Sinn von CMS ist allerdings, Länder zu vereinen im Schutz von Arten. Gerade wandernde Arten brauchen grenzübergreifenden Schutz! Wenn es den eigenen Populationen so gut geht…warum sind diese Länder nicht bereit, den anderen zu helfen? Die eigentlichen Gründe gegen die Listung scheinen andere zu sein.

Ein weiteres Highlight des Tages war der offizielle Beitritt von Sri Lanka, Benin und Brasilien in die Absichtserklärung zum Schutz wandernder Haiarten. Zukünftig werden diese Länder gemeinsam mit 43 weiteren Ländern intensiv zu dem Thema arbeiten. Madagaskar hat bereits in Aussicht gestellt, ebenfalls beizutreten.

Sri Lanka ist jetzt Mitglied des Abkommens, um Haie besser zu schützen © Aydin Bahramlouian

Montag, 23. Oktober 2017

Der erste offizielle Konferenztag startet morgens mit einer Eröffnungszeremonie – inklusive kultureller Tanzeinlage – einer Reihe von Begrüßungs- und Einführungsvorträgen und Berichten der verschiedenen CMS-Gremien. Ein wichtiger Punkt, der hier angesprochen wird: Die Kooperation von CMS und CITES, die eine bedeutende Rolle im Schutz der verschiedenen Tierarten einnimmt. Anschließend gibt es von Bradnee Chambers (Generalsekretär CMS) eine Übersicht der Arbeit und Erfolge der letzten zwei Jahre und eine Reihe von Arbeitsgruppen werden gebildet: Diese sind dazu da, den Ländern die Möglichkeit zu geben, Änderungswünsche der Anträge zu diskutieren. Hierbei teilen wir uns auf, damit wir sowohl die landbewohnenden als auch die aquatischen Arten abdecken können.

In der Mittagspause stand das erste Side Event an: Eine Präsentation über den aktuellen Zustand der Löwen- und Leopardenpopulationen in Afrika. Natürlich sehen Simbabwe und Südafrika keinerlei Notwendigkeit, diese beiden Tierarten in Appendix II zu listen…
Den langen, aufregenden ersten Konferenztag können wir schließlich entspannt bei einem von den Philippinen ausgetragenen Abendessen und mit einigen netten Gesprächen unter Kollegen ausklingen lassen.

Sonntag, 22. Oktober 2017
Keine Zeit, um den Jetlag zu überwinden – gleich in der Früh geht es zum Frühstück mit den Kollegen der Born Free Foundation. Mit ihnen zusammen besprechen wir die Agenda der kommenden Woche, insbesondere die Tierarten, auf die wir bei dieser Konferenz unser Hauptaugenmerk legen: Walhai, Schimpanse, Giraffe, Afrikanischer Löwe und Leopard. Aber auch übergreifende Themen, wie die Afrika-weite Initiative zum Schutz von Raubkatzen, Klimawandel und Umweltverschmutzung werden uns beschäftigen.

Danach geht es direkt zum Ort des Geschehens. Wir werden sehr herzlich in Empfang genommen und sind beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Filipinos und der perfekten Organisation. Schnell registrieren – und schon startet der erste Konferenztag.

 

Erster offizieller Punkt an diesem Einführungstags: Eine Diskussionsrunde der Delegierten und Mitglieder der CMS, bei der u.a. auch die deutsche Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter anwesend war, die sich für eine dringende Zusammenarbeit  mit regionalen Fischereimanagement Organisationen ausspricht, um vor allem den Schutz gefährdeten, marinen Spezies zu verbessern. Hauptpunkt der besprochen wurde, war die Verbindung zwischen Tier- und Artenschutz und nachhaltiger Entwicklung. Im Vordergrund standen dabei nachhaltiger Tourismus und die Einbindung der lokalen Bevölkerung in den Tierschutz. Getreu dem Motto der diesjährigen Konferenz: „Their future is our future – Sustainable Development for Wildlife & People“.

Freitag, 20. Oktober 2017
Es geht los, endlich! Seit Wochen bereiten wir uns auf die 12. Vertragsstaaten Konferenz der Konvention zum Schutz wandernder Arten vor. Ein langer Flug steht uns bevor denn die Konferenz, die alle drei Jahre stattfindet, wird dieses Jahr in Manila, auf den Philippinen, gehalten. Für Pro Wildlife werden die Biologin Anina Schuller und die Wildlife-Managerin Adeline Fischer teilnehmen. Die lange Zeit im Flugzeug kann super genutzt werden, um letzte Dokumente zu lesen. Wir landen um 23 Uhr Ortszeit – morgen früh geht`s los!

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